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29.07.2013

14:35 Uhr

HSH Nordbank

Ex-Bankchef greift Staatsanwälte an

Im Prozess gegen mehrere ehemalige Führungskräfte der HSH Nordbank hat sich Ex-Vorstandschef Hans Berger zur Wehr gesetzt. Den Vorwurf der Untreue weist er vor den Hamburger Richtern entschieden zurück.

Der frühere Vorstandschef der HSH Nordbank, Hans Berger, steht zu Beginn des zweiten Verhandlungstages vor dem Landgericht in Hamburg im Sitzungssaal. Sechs ehemaligen Spitzenmanager der HSH Nordbank müssen sich wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. dpa

Der frühere Vorstandschef der HSH Nordbank, Hans Berger, steht zu Beginn des zweiten Verhandlungstages vor dem Landgericht in Hamburg im Sitzungssaal. Sechs ehemaligen Spitzenmanager der HSH Nordbank müssen sich wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten.

HamburgIm Prozess gegen die ehemalige Führung der HSH Nordbank hat Ex-Vorstandschef Hans Berger jede Verantwortung für die Krise der Landesbank zurückwiesen. Der frühere Bankmanager betonte am Montag vor dem Hamburger Landgericht, er sei Ende 2007 „in keiner Weise“ an Entwicklung und Durchführung der riskanten „Omega“-Transaktionen beteiligt gewesen, durch die das Institut während der Finanzkrise in Schieflage geriet und mit Milliardenhilfe von den Eignern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden musste.

Er habe weder die einzelnen Schritte noch die Bedenken noch die Bedingungen des umstrittenen Geschäfts gekannt, sondern sich auf das Votum der Rechtsabteilung der Bank verlassen. Seine Unterschrift unter das Vorstandsdokument wertete Berger lediglich als „Kenntnisnahme“ des Eil-Beschlusses, der zuvor bereits rechtswirksam gewesen sei.

Berger, der beim Gang in den Gerichtssaal sichtlich angegriffen wirkte, machte in seiner Stellungnahme am zweiten Prozesstag deutlich, dass er keine Zweifel an der wirtschaftlichen Notwendigkeit des Eil-Beschlusses gehabt habe. Die Bank habe damals ihre Bilanzrisiken reduzieren müssen, um das von den Eignern vorgegebene Ziel eines für 2008 geplanten - letztlich aber nicht vollzogenen - Börsengangs zu erreichen. „Ohne eine Gegensteuerung hätten sich negative Auswirkungen auf den Börsengang ergeben“, sagte Berger.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Die Anklage wirft den insgesamt sechs angeklagten Managern gemeinschaftlich begangene Untreue in einem besonders schweren Fall vor. Bergers Nachfolger Dirk Jens Nonnenmacher - "Dr. No", wie der Manager mit dem nach hinten gegelten Haar intern in der HSH genannt wurde - sowie der frühere Kapitalmarktvorstand Joachim Friedrich werden zudem der Bilanzfälschung beschuldigt. Es ist der erste Prozess überhaupt, in dem ein kompletter Bankvorstand wegen der Ereignisse während der Finanzkrise auf der Anklagebank sitzt.

Der frühere Kapitalmarkt-Vorstand Friedrich hält seine Entlassung im Dezember 2009 nach wie vor für „nicht nachvollziehbar und akzeptabel“. Er habe vor dem „Omega“-Kreditantrag alle Informationen gehabt, um eine richtige und verantwortliche Entscheidung zu treffen, sagte Friedrich. Auch der Ex-Finanzvorstand und spätere HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher äußerte sich erstmals - zu seiner Person. Er ging im wesentlichen auf seinen beruflichen Werdegang ein und hob hervor, dass er als HSH-Finanzchef nicht für das Risiko-Controlling zuständig gewesen sei. In Kreditvorgänge sei er nur einzubinden gewesen. Alle Vorstände betonten die sorgfältige Prüfung der Vorlage durch die Fach- und Rechtsabteilung der Bank.

Im Kern geht es im Verfahren um das komplexe Wertpapiergeschäft unter dem Codenamen „Omega 55“, mit dem die HSH Nordbank ihr Kapitalpolster aufhübschen wollte, um für Anleger attraktiv zu werden. Doch damit holte sich die Bank Risiken ins Haus, die sie beinahe in die Pleite getrieben hätten. Hamburg und Schleswig-Holstein mussten die Landesbank mit einem 13 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Aus bewahren.

Kommentare (4)

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juhoh

29.07.2013, 15:18 Uhr

Tja Herr Berger, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Die Unterschrift ist nur als Kenntnisnahme zu interpretieren?
Klar, bei ihnen sitzt auch der Weihnachtsmann persönlich auf dem Schoß.
Sie haben die Position inne gehabt, nach der sie ihre Unterschrift mit Recht und Gewissen leisten. Wenn Sie nicht dazu fähig waren, die Situation richtig zu beurteilen und ihre Unterschrift verweigert haben, sind sie nur zu recht vor Gericht.

th235

29.07.2013, 16:59 Uhr

juris
Eine Unterschrift ist nun einmal eine Unterschrift nach § 126 Abs. 1 BGB und daran lässt der Gesetzgeber keine Zweifel zu. Mit der Unterschrift gibt der Unterzeichner damit zu erkennen, seine Willenserklärung nach § 130 Abs. 2 BGB ist es unerheblich, ob der Abgebende nach der Abgabe stirbt oder geschäftsunfähig wird. So Herr Berger, als Vorstand einer Bank und dann noch von den "Rechtsvertreter" hinters Licht führen zu lassen, schon nicht nachvollziehbar. Somit ist Ihnen der "Galgen" schon gerichtet, wenn der Richter keinen Pardon kennt.

overbeck

29.07.2013, 18:32 Uhr

Die Beweislage erscheint recht eindeutig - der mögliche Börsengang war wohl wichtiger als
eine ordentliche Darstellung von Bilanzzahlen, so wie es das HGB und das AktG vorsieht.
Der hat offensichtlich die Pflichten eines ordentlichen Kaufmann´s einfach vergessen.
Wenn der erst einmal einen Deal mit den Anklagevertretern hat, wird der die anderen
Vorstandskollegen belasten. Diese Strategie werden wir auch noch im Sal.Oppenheim-Fall
erleben.

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