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02.09.2013

14:43 Uhr

HSH-Nordbank-Prozess

Nonnenmacher knöpft sich Staatsanwälte vor

Wochenlang hat Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher im Prozess gegen den früheren Vorstand der Bank geschwiegen. Am zwölften Verhandlungstag nahm er Stellung und fand dabei harte Worte für die Staatsanwaltschaft.

Ex-HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher am Montag im Landgericht Hamburg. dpa

Ex-HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher am Montag im Landgericht Hamburg.

HamburgIm Verfahren gegen den ehemaligen Vorstand der HSH Nordbank hat der Angeklagte Dirk Jens Nonnenmacher die Hamburger Staatsanwaltschaft massiv angegriffen. Angesichts der Voreingenommenheit der Behörde werde er Fragen der Staatsanwälte nicht beantworten, sagte der frühere Finanz- und Vorstandschef zum Abschluss einer längeren Erklärung am Montag im Gerichtssaal. Er sei lediglich bereit, Fragen des Gerichts zu beantworten.

„Die Staatsanwaltschaft hätte Fragen vor der Erhebung der Anklage stellen können und müssen“, erklärte Nonnenmacher. Sie habe ihn jedoch als Beschuldigten vor der Erhebung der Anklage zunächst gar nicht vernehmen wollen, so dass er über seinen Anwalt rechtliches Gehör habe einfordern müssen.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Der Vorwurf, er habe die Quartalsbilanz zum 31.3.2008 vorsätzlich falsch dargestellt, sei „mehr als lebensfremd“. An anderer Stelle seines rund 45-minütigen Vortrags nannte Nonnenmacher Vorwürfe der Staatsanwälte „absurd“ und eine „abwegige Einschätzung“. Mit dem fraglichen Geschäft „Omega 55“ hätten sich mehrfach Rechnungsprüfer, Juristen und Aufsichtsbehörden befasst. Es gebe wohl keinen Sachverhalt im deutschen Bankenbereich, der von so vielen sachkundigen Institutionen geprüft und gewürdigt werden musste. „Sämtliche Untersuchungen sind zu dem Ergebnis gelangt, dass mir aktien- und zivilrechtlich keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind“, sagte Nonnenmacher.

Nonnenmacher steht mit seinen früheren Vorstandskollegen wegen des Verdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall und wegen unrichtiger Darstellung vor Gericht, das ist Bilanzfälschung. Es geht bei dem Verfahren um das Geschäft „Omega 55“ aus dem Dezember 2007, mit dem die HSH Nordbank ihre Bilanz entlasten wollte und das am Ende zu hohen Verlusten führte. Nonnenmacher wies darauf hin, dass er als Finanzchef nicht für „Omega 55“ zuständig gewesen sei. „In die Planung, Vorbereitung, Ausgestaltung, Umsetzung und Überwachung der Transaktion war ich persönlich zu keinem Zeitpunkt eingebunden“, sagte er.

Nonnenmacher war erst wenige Wochen vor dem Geschäft in die Bank eingetreten. In den rund 50 Arbeitstagen bis Weihnachten 2007 habe er sich mit seinen Aufgabenbereichen und der Organisation der HSH Nordbank vertraut gemacht. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit hätten Umstellungen in der Bilanzierung und der angestrebte Gang an den Kapitalmarkt gehört. Vor dem Hintergrund der gesamten Situation und der Ziele der HSH Nordbank seien ihm Maßnahmen zur Risikoreduzierung und Bilanzentlastung geschäftspolitisch plausibel und mit Blick auf die Kapitalkennziffern, das Neugeschäft, das Rating und die Refinanzierung auch notwendig erschienen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.09.2013, 00:12 Uhr

In der FAZ vom 3.9. steht: „Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft auch Laien hätten die Risiken bei Omega 55 erkennen müssen, wie Nonnenmacher zurück“. Wenn die Staatsanwaltschaft jetzt nicht auf die Einlassungen von Dirk Nonnenmacher eingehen will, dann vielleicht auch wegen fehlender eigner Expertise von Staatsanwalt Wegerich.

a.z.

13.09.2013, 23:23 Uhr

Die Einlassungen von dr. No. Sind in einem Punkt völlig unzureichend. BNP Paribas hätte sich 2007 NIEMALS ohne verpflichtende Erklärung auf eine Risiko Übernahme eingelassen. Die Behauptung er hätte von dem sideletter nichts gewusst ist daher völliger Blödsinn. Alles andere sind nebelkerzen.

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