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17.08.2016

15:56 Uhr

HSH sucht Käufer

„Eine Abwicklung ist die teuerste aller Varianten“

HSH-Chef Stefan Ermisch hat den Auftrag, die Regionalbank zu verkaufen – oder sie abzuwickeln. Der Chef glaubt an einen Verkauf und will im kommenden Frühjahr mit der Käufersuche beginnen, sagte er in einem Interview.

Die HSH Nordbank muss auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft werden. dpa

HSH Nordbank in Hamburg

Die HSH Nordbank muss auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft werden.

HamburgDer neue Chef der HSH Nordbank hofft, dass das Kriseninstitut einen Käufer aus der Branche findet. „Was fehlt in Deutschland? Konsolidierung“, sagte Stefan Ermisch der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview. „Jede Bank erzählt, dass sie ganz toll ist, aber alle wissen, dass das nicht stimmt. Keine Bank in Deutschland verfügt über einen vernünftigen Marktanteil. Darin liegt eine Chance.“

Ermisch betonte, ein strategischer Käufer, möglicherweise auch aus dem Ausland, könne die HSH weiter entwickeln. Das Hamburger Institut sei stark bei Immobilien, Unternehmen und Erneuerbaren Energien und fokussiere sich im Firmenkundengeschäft auf Kunden, die für eine Sparkasse zu groß und für die Deutsche Bank zu klein seien.

Die Schiffsfinanzierung, die die HSH in den Abgrund gerissen hat, werde bald das mit Abstand kleinste Geschäftsfeld sein. „Zugegeben, die Altlasten sind gruselig, aber die Kernbank funktioniert sehr gut und ist für den Norden wichtig.“

Die HSH muss auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft werden. Gelingt dies nicht, wird das Institut mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern abgewickelt. Etliche Konkurrenten aus dem Landesbankenlager, etwa die Helaba in Frankfurt, haben bereits erklärt, kein Interesse an der HSH zu haben. Ermisch, der seit Juni an der Spitze der HSH steht, will trotzdem nicht schwarzmalen: „Eine Abwicklung ist die teuerste aller Varianten, und ich glaube, dass die Länder dies ähnlich sehen.“

Laut Ermisch beginnt der Verkaufsprozess im kommenden Frühjahr, wenn die Geschäftszahlen für 2016 vorliegen. Dabei haben die Eigner das Zepter in der Hand – die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie hatten unlängst damit begonnen, die HSH wie mit der EU-Kommission vereinbart von Altlasten zu befreien. Dazu wurde ein Paket notleidender Schifffahrtskredite im Volumen von fünf Milliarden Euro mit einem erheblichen Buchverlust an eine Zweckgesellschaft der Länder übertragen.

HSH-Nordbank-Chef Stefan Ermisch: Verkäufer oder Abwickler

HSH-Nordbank-Chef Stefan Ermisch

Premium Verkäufer oder Abwickler

Die Krisenbank im Norden hat einen neuen Vorstandschef. Es ist ein undankbarer Posten, doch an Ehrgeiz mangelt es Stefan Ermisch nicht. Auf ihn wartet eine sehr große Aufgabe.

Ermisch hätte sich eine größere Entlastung gewünscht, wie er bekräftigte. „Vorher hatten wir 16 Milliarden Euro ausfallgefährdeter Kredite, nun sind es immer noch elf Milliarden Euro – das wird uns beim Versuch, die Bank zu verkaufen, nicht helfen.“ Weitere faule Kredite im Volumen von 3,2 Milliarden Euro soll die HSH bis Mitte nächsten Jahres am Markt verkaufen. Durch den Umbau entfällt künftig ein Großteil der Gebühren, die das Institut in den vergangenen Jahren für Garantien der Länder bezahlen musste.

Von

rtr

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