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10.02.2014

14:30 Uhr

Hypo Alpe Adria-Deal

Ex-Bayern LB Spitzen erkennen Fehler nicht an

Angesichts des Fiaskos, das der Kauf der Hypo Alpe Adria durch die Bayern LB für die Steuerzahler bedeutet, drängt sich die Frage auf: Wer trägt die Schuld? Die Ex-Manager sehen sie allein in der Finanzkrise.

Gerhard Gribkowsky früher Vorstand der Bayern LB: Eigenes Versagen beim Fehlkauf der Hypo Alpe Adria streitet der Manager ab. dpa

Gerhard Gribkowsky früher Vorstand der Bayern LB: Eigenes Versagen beim Fehlkauf der Hypo Alpe Adria streitet der Manager ab.

MünchenAlle angeklagten Ex-Vorstände der Bayern LB haben eigenes Versagen beim Fehlkauf der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria vehement abgestritten. Am zweiten Tag des Strafprozesses vor dem Landgericht München beteuerten fünf Angeklagte nacheinander ihre Unschuld. Den Auftakt hatten vor zwei Wochen bereits die ehemaligen Bankchefs Werner Schmidt und Michael Kemmer gemacht.

Der gesamte Vorstand sei bei dem Erwerb der Hypo Alpe Adria hochprofessionell und gewissenhaft vorgegangen, sagte der ehemalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky am Montag: „Eine Maxime 'Kaufen um jeden Preis' bestand zu keinem Zeitpunkt.“ Ex-Vorstand Rudolf Hanisch nannte die Anklage einseitig, unschlüssig und haltlos.

Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Top-Managern Untreue vor. Sie hätten die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 völlig überteuert gekauft und die Kontrolleure der Bayern LB getäuscht, um als erfolgreiche Macher dazustehen. Aus dem Verwaltungsrat der Landesbank sei damals die Frage gekommen, ob der Vorstand denn „zu blöd“ sei, eine Bank zu kaufen. Diese Bemerkung hätten die Angeklagten als Demütigung empfunden und seien sich deshalb einig gewesen, bei der Übernahme über Risiken hinwegzusehen. „Sie handelten nach dem Motto 'Augen zu und durch' – im Bestreben, die HGAA um fast jeden Preis zulasten der Bayern LB zu erwerben“, heißt es in der Anklage.

Die BayernLB und die Hypo Alpe Adria

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der früheren Kärntner Landesbank.

7. Mai 2008

Knapp ein Jahr nach der HGAA-Übernahme verkündet die Landesbank einen Verlust vor Steuern von 770 Millionen Euro für das erste Quartal.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der HGAA einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll in Österreich verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3,7 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbands. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweggesetzt.

19. Juni 2012

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Das Gericht schlägt einen Vergleich in Höhe von 25 Millionen Euro vor. Das lehnt die BayernLB später ab.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legte Berufung ein.

4. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt mit sofortiger Wirkung alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst darauf.

7. August 2013

Das Landgericht München lässt die Anklage gegen die ehemaligen Vorstände im zentralen Punkt des HGAA-Fehlkaufs nicht zu. Die Staatsanwaltschaft legt umgehend Beschwerde dagegen ein.

8. August 2013

Bei der Aufarbeitung des Milliarden-Fehlkaufs entbrennt ein handfester Justizstreit. Die Staatsanwaltschaft wehrt sich heftig gegen Kritik des Landgerichts, nicht ausreichend gegen ehemalige Verwaltungsräte der BayernLB vorgegangen zu sein.

24. Oktober 2013

Das Oberlandesgericht München folgt der Sichtweise der Staatsanwaltschaft und verfügt, dass die Anklage gegen die Vorstände - mit Ausnahme eines früheren Managers - zulässig ist.

27. Januar 2014

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess gegen sieben ehemalige Vorstandsmitglieder der BayernLB wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen sich beim Kauf der HGAA über Bedenken hinweggesetzt und einen viel zu hohen Preis bezahlt haben.

Gribkowsky und Hanisch wehrten sich energisch gegen diese Darstellung. Die Vorstände seien keine dummen Buben gewesen, die sich demütigen ließen – sondern erfahrene Banker, sagte Gribkowsky. Der ehemalige Manager sitzt bereits seit drei Jahren in Haft. Er hatte 2012 zugegeben, eine Millionensumme von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone angenommen und nicht versteuert zu haben. Deshalb wird er auch im bevorstehenden Prozess gegen Ecclestone eine Schlüsselrolle als Zeuge spielen.

Hanisch sagte, er habe sich der Bank und dem Freistaat Bayern stets verpflichtet gefühlt: „Warum sollte ich meiner Bank und meinem Land Schaden zufügen?“ Nur ein Jahr nach der Übernahme für 1,6 Milliarden Euro trieb die HGAA die Bayern LB an den Rand des Ruins. Der Schaden für die Steuerzahler in Bayern summierte sich nach dem Notverkauf an Österreich auf 3,7 Milliarden Euro.

Das erklärte Ziel der Manager war damals eigentlich die Expansion der Bayern LB nach Osteuropa. Nachdem die Übernahme einer anderen österreichischen Bank gescheitert war, sollte diese Niederlage nach Worten von Gribkowsky verdaut werden. „Niemand trainiert für ein Fußballspiel, um zu verlieren“, sagte der ehemalige Manager. Der Erwerb der Hypo Alpe Adria habe damals große Chancen versprochen. Inzwischen sei zwar klar geworden, dass diese Einschätzung falsch war. Dies liege aber nicht an Fehlern oder Pflichtverletzungen der Vorstände, sondern in erster Linie an dem Zusammenbruch der Märkte im Zuge der Finanzkrise.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Wechselwaehler

10.02.2014, 12:03 Uhr

Na klar. Die Steuermilliarden sind weg. Der Mann hat alles richtig gemacht. Und wahrscheinlich kommt die Riege der Hasardeure auch noch unbestraft davon - wie immer.
Ich frage mich wirklich, wie lange sich diese Gesellschaft sowas noch unberührt ansieht...

Mazi

10.02.2014, 15:20 Uhr

Was erwarten die Richter?

Erwarten die Richter von den Vorständen, dass sie dessen Arbeit erledigen und gleichzeitig noch den Strafverfolgungsbehörden den "Vorsatz" mitliefern?

In anderen Verfahren haben, wo es um noch gewichtigere Themen ging - ich denke an die Grundrechte und den Fall Mollath - hatten wir bereits erfahren, dass die Gerichte sich keinesfalls an die Gesetze hielten. Von anderer Seite bezeichnete man dies als die "Unabhängigkeit der Justiz".

Hier in diesem Fall müssen wir schon jetzt erkennen, dass die Richter schlicht naiv und nicht auf Augenhöhe verhandeln.

Was wird das Ergebnis sein?
Lassen Sie mich spekulieren.

Werden die Vorstände schuldig gesprochen, kommt der Richter auf den Grill und verliert in der Berufungsverhandlung jedwedes Ansehen.

Werden die Vorstände vom Richter für unschuldig erklärt, behält der Richter sein Gesicht. Schuldig ist dann der Steuerzahler und dessen Anwalt gibt es nicht.

Deshalb sehe ich die zweite Variante zwar für die absolut falsche aber für die wahrscheinlichere an.

Account gelöscht!

10.02.2014, 16:08 Uhr

"Hochprofessionell" sieht wohl anders aus. Globalplayer auch.

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