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10.06.2014

18:46 Uhr

Hypo Alpe Adria-Desaster

S&P droht mit Abstufung österreichischer Banken

Dass Österreichs Finanzminister private Gläubiger in die Rettung der Hypo Alpe Adria über den Schuldenschnitt einbeziehen will, schadet dem Image anderer Banken an den Märkten. Standard & Poor's kündigt Konsequenzen an.

Sie reißt auch die anderen Banken mit in die Tiefe: Die Österreichische Pleitebank Hypo Alpe Adria, für die der Staat einen Schuldenschnitt will. Reuters

Sie reißt auch die anderen Banken mit in die Tiefe: Die Österreichische Pleitebank Hypo Alpe Adria, für die der Staat einen Schuldenschnitt will.

WienDer geplante Schuldenschnitt bei der Krisenbank Hypo Alpe Adria belastet auch die anderen österreichischen Banken. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) drohte am Dienstag mit schlechteren Bonitätsnoten für insgesamt sieben österreichische Banken. Zu den betroffenen Banken zählen mit der Erste Group, Raiffeisen Bank International sowie die UniCredit-Tochter Bank Austria auch die drei größten Banken des Landes. Grund für die Warnung von S&P ist ein Gesetz, mit dem Österreich ausgewählte Hypo-Gläubiger an den Kosten für Abwicklung der notverstaatlichten Bank beteiligen will. Von dem Schuldenschnitt sind Investoren betroffen, die mit Garantien des Landes Kärnten versehene Nachrang-Anleihen im Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro im Portfolio haben. Details will Finanzminister Michael Spindelegger am Mittwoch präsentieren.

Es wäre das erste Mal in Europa, dass ein zahlungsfähiges Bundesland das Versprechen bricht, im Notfall für die Verluste der Gläubiger aufzukommen. Am Finanzmarkt sind die Pläne daher bereits im Vorfeld auf Kritik gestoßen – auch wegen möglicher negativer Folgen für andere mit Landesgarantien besicherte Papiere und deren Emittenten.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Auch S&P schlägt nun in diese Kerbe. Der von Österreich geplante Schritt komme unerwartet, erklärten die Experten. Die Pläne könnten auf „eine schwächer werdende staatliche Unterstützung für systemrelevante Banken“ hindeuten. Wie die Hypo Alpe Adria haben auch andere österreichische Institute jahrelang von staatlichen Garantien profitiert, mit deren Hilfe sie sich günstig Geld am Kapitalmarkt beschaffen konnten. Zudem hatte Österreich den Banken in der Krise milliardenschwere Kapitalspritzen zukommen lassen.

Von dieser in der Vergangenheit gewährten – und von den Ratingexperten auch für die Zukunft erwarteten – Unterstützung profitierten die Banken auch bei ihren Bonitätsnoten. Nun will S&P innerhalb von drei Monaten über eine Rückstufung entscheiden. Die Bonitätsnoten von Erste, RBI, sowie deren Mutter Raiffeisen Zentralbank und Bank Austria waren bereits zuvor mit einem sogenannten „negativen Ausblick“ versehen, der auf eine Verschlechterung hindeutet. Diese könne nun jedoch innerhalb von 90 Tagen eintreten, sagte eine Sprecherin. Neben den drei größten Instituten des Landes sind auch KA Finanz sowie die Hypo-Niederösterreich-Gruppe und die Oberösterreichische Landesbank betroffen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.06.2014, 19:41 Uhr

Es wäre das erste Mal in Europa, dass ein zahlungsfähiges Bundesland das Versprechen bricht, im Notfall für die Verluste der Gläubiger aufzukommen. Sofern Sie die EU meinen.
Österreich ist kein Bundesland der EU.

Account gelöscht!

12.06.2014, 10:36 Uhr

Ich finde das richtig,es kann nicht sein,dass der Steuerzahler ewig haftet.Das einigen wie S&P das nicht gefällt,liegt auf der Hand.
Denn würde die Emanzipation des Volkes von den Banken Schule machen... .

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