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10.01.2010

17:34 Uhr

Hypo Alpe Adria

Ex-BayernLB-Chef wehrt sich

Der einstige Chef der BayernLB hat sich gegen Vorwürfe beim Kauf der Hypo Alpe Adria gewehrt. Der Erwerb des Kreditinstitutes sei kein Alleingang gewesen.

Werner Schmidt, einst Vorstandschef der BayernLB. ap

Werner Schmidt, einst Vorstandschef der BayernLB.

HB MÜNCHEN. Im Debakel um die BayernLB hat Ex-Vorstandschef Werner Schmidt Vorwürfe wegen eines überhöhten Preises beim Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria (HGAA) zurückgewiesen. Zugleich verwies er in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ auf die Verantwortung seiner ehemaligen Vorstandskollegen und Verwaltungsräte in der Landesbank, die den Kaufpreis billigten, gegen die aber nicht ermittelt wird. „An der Preisfindung für die Hypo Alpe Adria haben gut 100 Personen mitgerechnet“, betonte Schmidt über seinen Verteidiger. Die „Süddeutsche Zeitung“ (“SZ“) berichtete in ihrer Wochenendausgabe über diverse Hinweise, anhand derer Unstimmigkeiten bei der Bank vor dem Kauf hätten erkannt werden können.

„Kein anderes Bankinstitut in Österreich hatte im Zeitraum der letzten fünf Jahre so häufig negative Schlagzeilen“, zitiert die „SZ“ auf dem Bericht einer Wiener Untersuchungskommission, die Österreichs Banken durchleuchtet hatte. Über Jahre habe sich auch die Österreichische Nationalbank (OeNB) intensiv mit dem Kärntner Geldhaus befasst. In den Prüfberichten sei immer wieder von „fehlender Konzernsteuerung“, „falschen Bewertungen der Hypotheken im Ausland“, „falschen Sicherheits - und Bonitätsdarstellungen“ die Rede gewesen.

Ex-Vorstand Schmidt betonte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (“FAS“): „Kein Vorstandsvorsitzender kauft im Alleingang eine Bank. Der gesamte Vorstand und der Verwaltungsrat treffen derartige Entscheidungen.“ Diese Gremien hätten den Kaufpreis von 1,6 Mrd. Euro gebilligt. „Der Verwaltungsrat hatte dem Vorstand der BayernLB ein Preislimit gesetzt. Ich war damals noch zufrieden, dass der Kaufpreis für die Hypo Alpe Adria unter diesem Limit geblieben ist.“ Im Verwaltungsrat der Landesbank saßen Vertreter der bayerischen Staatsregierung und der bayerischen Sparkassen. Der Fehlkauf der Hypo Alpe Adria hat die bayerischen Steuerzahler 3,7 Mrd. Euro gekostet.

Es habe keine unlauteren Absprachen mit dem Investor Tilo Berlin gegeben, betonte Schmidt weiter. Berlin, den Schmidt aus gemeinsamen Zeiten bei der Landesbank Baden-Württemberg kannte, hatte der BayernLB ein Paket von 25 Prozent und einer Aktie an der HGAA verkauft. Zuvor hatte er mit Hilfe von Wirtschaftsprüfern eine eigene Due Diligence durchführen lassen - das Ergebnis war laut dem „SZ“- Bericht ernüchternd. „Wir können nicht ausschließen, dass im Rahmen unserer Arbeiten nicht alle risikobehafteten Sachverhalte, die bei einer unbeschränkten Untersuchung zu Tage getreten wären, aufgedeckt wurden (...) Zugang zu Tochtergesellschaften hatten wir nicht (...) Abschließend möchten wir noch auf das hohe Maß an unzureichenden Informationen in den Bereichen Steuern, Immobilien und Personal hinweisen“, zitiert die „SZ“ aus dem Bericht der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Dennoch wurde das Geschäft vorangetrieben.

Berlin erwarb das Paket teilweise mit Hilfe eines Kredits der BayernLB. „Dieser Kredit war höchst sinnvoll“, erklärte Schmidt in der „F.A.S“. Berlin habe seine Finanzierung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gesichert, es zeichnete sich aber eine Verzögerung des Geschäfts ab. Deshalb sei die BayernLB eingesprungen. „Es galt zu verhindern, dass ein anderer Kreditgeber Zugriff auf Anteile der Hypo Alpe Adria erhält.“

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schmidt wegen des Verdachts der Untreue. Bei einer Razzia in seinen Privatanwesen und bei der BayernLB hatten die Ermittler im Herbst Unterlagen sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden. In einem Untersuchungsausschuss im Landtag sollen frühere Bank-Manager voraussichtlich unter Eid aussagen, wie der Kauf der HGAA abgelaufen war.

Kommentare (2)

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Robert Pachta

10.01.2010, 19:00 Uhr

in Anbetracht der Schadenshöhe und des Risikos der Verdunklungs- und Fluchtgefahr sollte die Staatsanwaltschaft alle mit der Angelegenheit damals betrauten Personen in Untersuchungshaft nehmen und die Angelegenheit dann in Ruhe klären.

Herr Schmnidt hat hier Recht wenn er auf die Verantwortung seiner früheren Vorstandskollegen und Aufsichtsräte verweist. Die Zahlung der Gefängniskosten sind für den Steuerzahler "Peannuts" im Vergleich zum Schaden den die Personen angerichtet haben.

Wenn ein Herr Ackermann nicht müde wird, zu betonen dass "Spitzenleute" auch Spitzengehälter verdienen müssen, dann müssen sie eben auch tatsächlich Verantwortung und Haftung übernehmen und gegebenenfalls eben auch Haftbedingungen ertragen.

Es darf kein Zweiklassenstrafrecht mehr geben mit einem Freibrief für bänker.

WS

11.01.2010, 11:07 Uhr

... ganz große Performance, Herr Schmidt, Glückwunsch ...!!!
zuerst sich für "große Verantwortung" viel Geld zahlen lassen, und sich dann verpissen.

eigentlich ist das doch nichts anderes als vorsätzliche Täuschung oder betrug. Damit stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Geschäftsgrundlage für den Vorstandsvertrag gar nicht existiert hat und der Vertrag nichtig ist. Damit muss der AR sämtliche gezahlten Gehälter an Schmidt umgehend zurückfordern, weil der seine vertragliche Leistung gar nicht erbracht hat. Tut der AR dies nicht, riecht dies wiederum nach ...

Sehr interessant ....

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