Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.12.2013

10:55 Uhr

Hypo Alpe Adria

Ex-BayernLB-Vorstände im Januar vor Gericht

Sieben ehemalige Vorstände der BayernLB stehen wegen des Milliarden-Fehlkaufs der Hypo Alpe Adria ab Januar vor Gericht. Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt wird Untreue vorgeworfen. Er soll Risiken missachtet haben.

Werner Schmidt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank, wartet am 30. Mai 2008 auf den Beginn der Sitzung des Untersuchungsausschusses in München. Ab Januar steht er vor Gericht. ap

Werner Schmidt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank, wartet am 30. Mai 2008 auf den Beginn der Sitzung des Untersuchungsausschusses in München. Ab Januar steht er vor Gericht.

MünchenDie frühere Vorstandsriege der BayernLB muss sich wegen des desaströsen Kaufs der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria vom 27. Januar an strafrechtlich vor Gericht verantworten. Das Landgericht München rechnet mit einem aufwendigen Verfahren gegen die sieben Angeklagten, unter ihnen die Ex-Chefs Werner Schmidt und Michael Kemmer, der heute Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ist.

Die Wirtschaftsstrafkammer setzte am Freitag mehr als 70 Verhandlungstermine bis in den Dezember kommenden Jahres an. Das Gericht bereitet sich auch auf großen Medienandrang vor: Es plant für Journalisten ein Akkreditierungsverfahren, das am 16. Dezember beginnt.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Manager der Untreue zulasten der BayernLB und der Bestechung des mittlerweile verstorbenen Kärntner Regierungschefs Jörg Haider, der sich 2007 für den Verkauf der landeseigenen Hypo-Anteile an die BayernLB stark gemacht hatte. Das Landgericht München weckte bei den Angeklagten bereits Hoffnungen: Es hatte einen Teil der Anklage von vornherein als unplausibel bezeichnet. Erst auf Geheiß des Oberlandesgerichts wurden wesentliche Anklageteile überhaupt zur Verhandlung zugelassen.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die Manager, die sich in der gleichen Sache bereits in einem Zivilprozess Schadenersatzforderungen der BayernLB stellen müssen, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Landesbank verlangt von den sieben Managern und einem weiteren Ex-Vorstandskollegen 200 Millionen Euro, weil sie beim Kauf der Hypo fahrlässig gehandelt hätten. Drei von ihnen - darunter Kemmer - könnten aber nach Aussagen des Landgerichts München in dem Zivilverfahren aus dem Schneider sein, weil die BayernLB sie bei ihrem Abschied pauschal von der Verantwortung für mögliche Schnitzer befreit habe.

Bei der einst hoffnungsfroh übernommenen Hypo Alpe Adria versenkte die BayernLB 3,7 Milliarden Euro an Steuergeldern. Als sich bei der Kärntner Landesbank immer neue Finanzlöcher auftaten, gaben die Bayern sie Ende 2009 in einer Notaktion an die Republik Österreich ab. Seither begann eine ganze Reihe von Prozessen um die Verantwortung für das Desaster. In München trugen beide staatlichen Banken jüngst einen Streit um weitere viereinhalb Milliarden Euro vor Gericht aus. Der amtierende BayernLB-Chef Gerd Häusler geriet wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage in einem Prozess vor kurzem ins Visier der Wiener Justiz.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

r-tiroch@t-online.de

09.12.2013, 17:10 Uhr

so wie der grinst müssen die feinen herren sowieso nichts befürchten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×