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23.12.2014

10:56 Uhr

Hypo Alpe Adria

Hypo verkauft Balkan-Banken

Die österreichische Krisenbank Hypo Alpe Adria verkauft ihre Balkan-Töchter nun doch an den US-Finanzinvestor Advent und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

Hypo verkauft die Banken in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro für einen Mindest-Kaufpreis von 50 Millionen Euro. dpa

Hypo verkauft die Banken in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro für einen Mindest-Kaufpreis von 50 Millionen Euro.

WienDie österreichische Krisenbank Hypo Alpe Adria hat im zweiten Anlauf den Verkauf ihrer Osteuropa-Töchter unter Dach und Fach gebracht. Nach intensiven Verhandlungen sei der Verkauf an den US-Finanzinvestor Advent und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) besiegelt worden, teilte das österreichische Finanzministerium am Dienstag mit.

Der Mindest-Kaufpreis für die Banken in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro belaufe sich auf 50 Millionen Euro und werde mit dem Abschluss des Verkaufs fällig. Abhängig vom Jahresergebnis 2014 und 2015 könnten bis zu 150 Millionen Euro dazu kommen.

Österreich habe seine Position in der erst kürzlich neu aufgerollten Verkaufsrunde verbessern können, hieß es vom Finanzministerium. So sei die Haftungsobergrenze auf 1,7 Milliarden Euro von über zwei Milliarden Euro gesenkt worden. Darüber hinaus soll die Alpenrepublik an künftigen Verkaufsgewinnen beteiligt werden. Advent habe sich mit dem Angebot gegen zwei weitere Bieter durchgesetzt. Die Transaktion soll bis zum zweiten Quartal 2015 abgeschlossen werden, wenn die EU-Kommission und die zuständigen Behörden grünes Licht geben.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Der seit Monaten laufende Bieterprozess für die Hypo-Balkan-Töchter war im November vorerst geplatzt. Advent hatte bereits damals exklusive Kaufverhandlungen geführt, zu einer Vertragsunterzeichnung kam es jedoch nicht. Neben dem Advent-Konsortium hatte auch eine Bietergruppen um den bulgarischen Investor Denis Barekow und die russische Bank VTB sowie die russische Expobank Interesse an dem Südosteuropa-Geschäft der Hypo.

Die Hypo hatte sich mit ihrer Expansion auf dem Balkan verhoben und wurde 2009 verstaatlicht, weil die Kurzzeit-Mutter BayernLB kein Geld mehr in die marode Bank pumpen wollte. Seither liegt das Institut dem österreichischen Steuerzahler auf der Tasche. Grund für die Verluste der Bank waren auch wiederholte Abschreibungen in Zentral- und Osteuropa, wo das Institut hohe Vorsorgen für faule Kredite bilden musste.

Die Trennung von den Osteuropa-Banken ist die letzte große Hürde vor dem seit langem geplanten Start der Hypo-Abbaubank. In sie will der Eigentümer Österreich die unverkäuflichen Reste des Instituts einbringen - darunter milliardenschwere faule Kredite, die an Unternehmen auf dem Balkan vergeben wurden.

Dieses Abbauvehikel mit dem Namen Heta soll die Bank dann in den kommenden Jahrzehnten abwickeln. Österreichische Medien hatten zuletzt berichtet, dass mit dem Verkauf der Osteuropa-Töchter nun der Weg für eine Insolvenz der Heta frei sei.

Eine mit der Situation vertraute Person sagte jedoch zu Reuters, dass eine Insolvenz kein Thema sei. „Das wird nicht diskutiert derzeit“, sagte die Person.

Von

rtr

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