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17.04.2014

19:52 Uhr

Hypo Alpe Adria

Maximal 500 Millionen durch Balkan Verkäufe

Die Balkan-Töchter der Hypo Alpe Adria sollen noch in diesem Jahr verkauft sein. Das restliche Geschäft wird vom Staat abgewickelt werden. Es ist anzunehmen, dass die Bank vor September weitere 700 Mio Euro braucht.

Hypo Alpe Adria Vorstandschef Alexander Picker rechnet nicht damit, dass der Verkauf des Balkangeschäfts mehr als den Buchpreis von 500 Millionen Euro einbringen wird. Reuters

Hypo Alpe Adria Vorstandschef Alexander Picker rechnet nicht damit, dass der Verkauf des Balkangeschäfts mehr als den Buchpreis von 500 Millionen Euro einbringen wird.

WienDie zum Verkauf stehenden Töchter auf dem Balkan werden der verstaatlichten österreichischen Bank Hypo Alpe Adria nach eigener Einschätzung maximal eine halbe Milliarde Euro einbringen. „Fazit ist: Wir werden sicher keinen höheren Preis als den Buchwert bekommen“, sagte der neue Hypo-Vorstandschef Alexander Picker am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Wien. Er habe sich dagegen gewehrt, das Balkan-Geschäft in der Bilanz für 2013 abzuschreiben, doch die Wirtschaftsprüfer hätten eine Wertberichtigung um rund die Hälfte auf 500 Millionen Euro gefordert.

Die Hypo Alpe Adria will die Tochterfirmen in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro noch in diesem Jahr verkauft haben. Die EU-Kommission hatte den Verkauf bis Mitte 2015 verlangt, nachdem die Bank mit milliardenschweren Staatshilfen gerettet werden musste. Bindende Angebote sind in den nächsten Tagen fällig. Organisiert wird die Auktion von der Deutschen Bank. Finanzinvestoren und strategische Bieter hätten Interesse gezeigt, sagte Picker, ohne Namen zu nennen. Einige davon wollten sogar das ganze Balkan-Geschäft übernehmen.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Die Töchter in Südosteuropa sind der einzige werthaltige Teil der Hypo Alpe Adria. Den Rest des Geschäfts muss Picker in eine „Bad Bank“ übertragen, in der es abgewickelt werden soll. Auch ein Teil des Geschäfts auf dem Balkan wandert dorthin. Zum Verkauf steht nun noch eine Bilanzsumme von 8,5 Milliarden Euro, Ende 2012 lag sie noch bei 10,1 Milliarden. Der Anteil der faulen Kredite sank dabei auf 12,3 (15,0) Prozent. Angesichts einer 340 Millionen schweren Risikovorsorge schrieb die Hypo Alpe Adria auf dem Balkan 286 Millionen Euro Verlust. Auch im laufenden Jahr sei kein konjunktureller Rückenwind zu erwarten

Im Konzern stand 2013 unter dem Strich ein Verlust von 1,86 Milliarden Euro. „Es gab mehr Leichen im Keller, als wir gedacht hatten“, sagte Picker, der erst im neuen Jahr auf seinen Posten gekommen war. Die Wertberichtigungen für faule Kredite haben sich auf 1,36 Milliarden Euro mehr als vervierfacht. Eine „böse Überraschung“ sei auch das Geschäft in Italien gewesen, das 238 Millionen Euro Verlust machte - unter anderem weil die Staatsanwaltschaft dort Betrug im Leasing-Geschäft wittert.

Die öffentliche Debatte um eine Beteiligung der Anleger an einer Abwicklung der Hypo Alpe Adria habe das Einlagengeschäft im Herbst schwer belastet, erklärte die Bank. Ende März entschied sich die österreichische Regierung aber doch für die Gründung einer staatlichen „Bad Bank“, in die ein Bilanzvolumen von 17,7 Milliarden Euro eingebracht werden soll - auf Kosten des Steuerzahlers. Im September soll sie stehen, noch vorher braucht die Bank weitere 700 Millionen Euro, um ihre Mindest-Kapitalausstattung aufrechterhalten zu können.

Nachdem der Staat seit 2008 insgesamt 5,5 Milliarden Euro in die Klagenfurter Bank gepumpt hat - zuletzt Anfang April weitere 750 Millionen Euro, kommt sie auf eine Kernkapitalquote von 9,8 Prozent. Picker schloss nicht aus, dass auch die Abbaubank letztlich pleitegehen könnte, sobald die Garantien des Landes Kärnten von 12,2 Milliarden Euro ausliefen. Als Österreich die Bank 2009 retten musste, hatte das Heimat-Bundesland der Hypo Alpe Adria mit seinen gut eine halbe Million Einwohnern noch für 21,5 Milliarden Euro gebürgt.

Von

rtr

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