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07.03.2014

10:04 Uhr

Hypo Alpe Adria

Österreich scheut die Bankenpleite

VonHans-Peter Siebenhaar

Der österreichische Notenbankchef will am Sonntag einer Insolvenz der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria eine Absage erteilen. Die Wiener Regierung will eine Bad Bank schon bald auf den Weg bringen. Die wird teuer.

Kunstprojekt auf einem Wiener Hochhaus: Österreich plant eine teure Sanierung der Hypo Alpe Adria. dpa

Kunstprojekt auf einem Wiener Hochhaus: Österreich plant eine teure Sanierung der Hypo Alpe Adria.

Die verstaatlichte österreichische Großbank Hypo Alpe Adria soll durch eine Bad Bank vor der Insolvenz gerettet werden. Die Expertengruppe unter Führung des österreichischen Notenbank-Chefs Ewald Nowotny will am kommenden Sonntag diese Lösung für die frühere Tochter der Bayerischen Landesbank vorschlagen. Damit wäre eine Pleite vom Tisch, die von der österreichischen Regierung als Alternative erwogen wird. Das bestätigten Finanzexperten in Wien. Auch in österreichischen Regierungskreisen wird davon ausgegangen, dass eine Insolvenz der Hypo nicht mehr in Frage kommt. Die Notenbank wollte sich auf Anfrage nicht zu der bevorstehenden Entscheidung äußern.

Die österreichische Regierung wartet dringend auf den Abschlussbericht einer sechsköpfigen Expertengruppe, um eine endgültige Entscheidung über der frühere Tochter der Bayerischen Landesbank zu treffen. „Die Regierung wird bis Ende März eine Entscheidung treffen“, sagte ein Sprecher des österreichischen Finanzministers und Vizekanzlers Michael Spindelegger (ÖVP) am Donnerstag. Die Koalition aus SPÖ und ÖVP will möglichst schnell ein Sondergesetz zur Schaffung einer Bad Bank auf den Weg bringen, das noch vor der Sommerpause vom Parlament verabschiedet werden soll.

Vor der Hintergrund einer Lösung hat die Ratingagentur Moody’s gerade die Aussichten für eine Reihe österreichische Banken von „negativ“ auf „stabil“ gestellt. Davon profitieren können beispielsweise die Österreichische Postsparkasse, eine Tochter der Bawag, und die staatliche Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank und die Hypo Alpe Adria Bank International.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Unter Wirtschaftsexperten und Banker ist die Lösung mit einer Bad Bank unterdessen umstritten. „Eine nicht systemrelevante Bank wie die Hypo Alpe Adria muss grundsätzlich Pleite gehen können. Das wird aber nicht passieren, weil einige große Gläubiger der Hypo Alpe Adria als ,too big to fail‘ eingestuft werden und unter einem Totalausfall ihrer Anleihen schwer zu kauen hätten. Deshalb ist die Bad Bank ist unserer Einschätzung nach beschlossene Sache“, sagte der österreichische Wirtschaftsexperte, Franz Schellhorn, Handelsblatt Online (hier der Wortlaut des Gesprächs).

Offen sei noch, für welche Variante sich die Regierung entscheiden werde. Herauskommen werde, so der Chef der liberalen Denkfabrik Agenda Austria, eine Lösung, bei der die Steuerzahler den vollen Schaden übernehmen müssen. Eine Insolvenz der Hypo Alpe Adria war zuletzt vom Andreas Treichl, CEO der österreichischen Bank Die Erste, als Lösung ins Spiel gebracht worden. Die österreichische Nationalbank schätzt den möglichen Schaden bei einer Pleite auf bis zu 24 Milliarden Euro.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.03.2014, 12:04 Uhr

das kapitallose aktivisten haftungsfrei Unternehmenleiten sollte aus meiner Sicht verboten gehören. Die mittelständischen Pleiten bringen hier doch ein ganz klares Bild. Wie einfach es ist sich heute auf den Kapitalmärkten Geld zu leihen und seine persönliche Haftung durch spielereien gegen null zu bringen zeigen diese Beispiele nur zu gut. Selbst dem kleinsten mittelinteligenten Unternehmer ist dies bewust. Der Markt würde sich ruckartig klären und diese verzerrungen wären behoben.

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