Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2015

18:42 Uhr

Hypo Alpe Adria

US-Investor zeigt Interesse an Bad Bank

Österreich hat die nicht lebensfähigen Teile der Hypo Alpe Adria in eine Bad Bank abgespalten. Dort sollen sie nun über die Jahre abgebaut werden. Nun zeigt ein US-Investor Interesse.

Österreich und Bayern sowie deren Banken Hypo Alpe Adria und BayernLB ringen in mehreren Gerichtsprozessen um die Lastenverteilung aus dem Hypo-Desaster. dpa

Logo der Hypo Alpe Adria Bank

Österreich und Bayern sowie deren Banken Hypo Alpe Adria und BayernLB ringen in mehreren Gerichtsprozessen um die Lastenverteilung aus dem Hypo-Desaster.

WienDie Bad Bank für die staatliche Krisenbank Hypo Alpe Adria zieht das Interesse eines US-Investors auf sich. Die Excellere Capital Group erklärte am Mittwoch, sie sei bereit, die Bank zu übernehmen. Mit ihrem Angebot seien weder Verluste für den Eigentümer Österreich noch für Bayern verbunden. Somit könnten sich die beiden Seiten einigen, erklärte Excellere. Österreich und Bayern sowie deren Banken Hypo Alpe Adria und BayernLB ringen in mehreren Gerichtsprozessen um die Lastenverteilung aus dem Hypo-Desaster.

Für die Hypo-Gläubiger werde es zudem keinen Schuldenschnitt geben, erklärte der US-Investor. Details will das Unternehmen auf einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch erläutern.

Das Finanzministerium erklärte, bislang läge kein Angebot von Excellere vor. Die US-Firma ist nach eigenen Angaben unter anderem auf Investmentbanking-Geschäfte im Öl- und Gassektor und in der Immobilienbranche spezialisiert.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Österreich hatte die nicht lebensfähigen Teile der ehemaligen BayernLB-Tochter in eine Bad Bank unter dem Namen Heta abgespalten. Dort sollen sie nun über die Jahre abgebaut werden. Allerdings machen auch immer wieder Spekulationen über eine Insolvenz des Instituts die Runde.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×