Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2010

06:00 Uhr

Hypo Real Estate

Bad Bank mit Volumen von 150 Milliarden geplant

VonSven Afhüppe

Die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) will nach Informationen aus Finanz- und Regierungskreisen bereits in den nächsten Wochen mit Hilfe des Bundes eine Bad Bank gründen. Die HRE-Führung will darin Risikopapiere sowie nichtstrategische Geschäftsfelder abwickeln.

Die Hypo Real Estate will eine Bad Bank gründen. Quelle: ap

Die Hypo Real Estate will eine Bad Bank gründen.

BERLIN. Die Abwicklungsanstalt soll einen Umfang von rund 150 Mrd. Euro haben. Ein entsprechender Antrag der Bank ist bisher allerdings nicht beim zuständigen Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin eingegangen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass die Bad Bank Anfang Februar gegründet werden kann. Zuvor müsse die EU-Kommission über die Auflagen im laufenden Beihilfeverfahren der HRE entscheiden. Die HRE bekam vom Bund bisher Garantien von rund 95 Mrd. Euro und gut sechs Mrd. Euro an Finanzspritzen.

Der seit vergangenen Herbst verstaatlichte Immobilien- und Staatsfinanzierer hatte sich frühzeitig dafür ausgesprochen, das zusätzliche Angebot der Bundesregierung zur Gründung einer Bad Bank zu nutzen. Bisher hat nur die Düsseldorfer WestLB auf die Bundeshilfen für eine solche Abwicklungsanstalt zurückgegriffen, in die knapp 90 Mrd. Euro an Papieren aus der Bilanz der WestLB ausgelagert werden. Dabei handelt es sich um strukturierte Wertpapiere, sonstige Risikopositionen sowie Geschäftsfelder, die die nordrhein-westfälische Landesbank nicht mehr zum Kerngeschäft zählt. Die geplante Bad Bank HRE fällt mit rund 150 Mrd. Euro allerdings deutlich größer aus.

Wie umfangreich die Abwicklungsanstalt der HRE am Ende wird, hängt vor allem von zwei Punkten ab. Erstens muss die EU-Wettbewerbskommission noch darüber entscheiden, um welchen Prozentsatz die Bilanzsumme der Bank reduziert werden muss, die nur über milliardenschwere Hilfen des Bundes gerettet werden konnte und am Ende sogar verstaatlicht werden musste.

In Finanzkreisen geht man davon aus, dass die Hypo Real Estate ähnlich wie die WestLB ihre Bilanzsumme halbieren muss. Derzeit umfasst die HRE-Bilanz rund 370 Mrd. Euro. Von dieser Bilanzsumme werden aber noch diejenigen Geschäftsfelder abgezogen, die die Bank in absehbarer Zeit verkaufen will. Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen laufen derzeit die Gespräche zwischen der EU-Kommission und der HRE-Führung sowie der Bundesregierung darüber, welche Geschäftsbereiche verkauft werden können. Ein Abschluss der Verhandlungen ist für die kommenden Wochen geplant, hieß es. Vom Volumen und von der Risikostruktur der ausgelagerten Wertpapiere und Geschäftsfelder hängt es ab, wie stark die Bad Bank mit Eigenkapital unterlegt werden muss. Im Bundesfinanzministerium wollte man sich nicht zum Umfang einer weiteren Kapitalspritze des Bundes über den Soffin äußern.

Ob nach der WestLB und der HRE weitere Banken das Angebot einer Abwicklungsbank mit Bundeshilfe nutzen, ist derzeit unklar. Bisher favorisieren die ebenfalls angeschlagenen Landesbanken BayernLB, HSH Nordbank und Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ein eigenes Lösungsmodell. Ende Januar läuft jedoch die beihilferechtliche Genehmigung entsprechender Soffin-Hilfen durch die EU-Kommission aus. Eine Verlängerung der Frist lehnt der Bund bisher ab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×