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12.09.2014

17:11 Uhr

Hypo Real Estate

Griechenland-Deals kosten Steuerzahler Milliarden

Die staatliche Bad Bank Hypo Real Estate hat einem Medienbericht zufolge gute Griechenland-Anleihen zu Schleuderpreisen verkauft oder zum verlustreichen Tausch eingereicht. Hedgefonds sollen kräftig abkassiert haben.

Die Hypo Real Estate (HRE) soll Griechenland-Anleihen zu Schleuderpreisen hergegeben haben. dpa

Die Hypo Real Estate (HRE) soll Griechenland-Anleihen zu Schleuderpreisen hergegeben haben.

FrankfurtHedgefonds haben einem Bericht zufolge offenbar mit griechischen Anleihen gute Geschäfte zulasten des deutschen Steuerzahlers gemacht. Die staatliche Bad Bank des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate habe im Frühjahr 2012 in großem Stil solche Anleihen zu Schleuderpreisen verkauft oder zum verlustreichen Tausch eingereicht, für die ausländisches Recht gelte und die Griechenland trotz Schuldenschnitts voll bediene, berichtete am Freitag die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Vermutlich Hedgefonds hätten die von Deutschland zu Preisen von rund 30 Prozent angebotenen Anleihen gekauft – und freuten sich nun über die volle Rückzahlung zu 100 Prozent.

Die Zeitung beruft sich auf interne Daten aus der Bad Bank FMS Wertmanagement, laut denen Verluste für den deutschen Steuerzahler in Höhe von 2,56 Milliarden Euro hätten vermieden werden können, wenn die Bad Bank ihre griechischen Anleihen nach ausländischem Recht im Wert von 3,3 Milliarden Euro behalten hätte. Bundesfinanzministerium und Bankenrettungsfonds Soffin wiesen diese Zahlen dem Bericht zufolge als zu hoch zurück. Sie hätten mit Verweis auf deren „Vertraulichkeit“ selbst aber keine Werte genannt.

Die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, forderte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf, die Vorgänge aufzuklären. Es sei nicht hinnehmbar, dass der Bankenrettungsfonds Soffin „der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit darüber mitteilen will, wieviel Milliarden an Steuergeldern er erneut verzockt hat“, sagte Wagenknecht dem Handelsblatt. „Schäuble muss dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit restlos aufgeklärt wird und die politische Verantwortung übernehmen.“

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Wagenknecht zeigte sich empört darüber dass „den Finanz-Aasgeiern 2,56 Milliarden Euro in den Rachen geworfen“ worden sei, was etwa dem tausendfachen Betrag entspreche, den die Bundesregierung aktuell zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie zur Verfügung gestellt habe. Sie unterstrich zudem, dass die Rettung der HRE-Bank auf Staatskosten, die der damalige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück zu verantworten hatte, bereits ein Skandal für sich gewesen sei. „Der Bilanzierungsfehler in Höhe von 55,5 Milliarden Euro zeigte, dass die Bundesregierungen die finanzielle Giftmüllhalde nie unter Kontrolle hatten“, sagte Wagenknecht. „Das neue offensichtliche Milliardengeschenk an die Hedgefonds durch die HRE-Bad Bank reiht sich ein in diese schier endlose Skandalliste.“

Die HRE-Bad-Bank verteidigte ihr Vorgehen. Man habe sich gemäß gesetzlichem Auftrag in eigener Verantwortung und nach betriebswirtschaftlichen Kriterien am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligt, erklärte die Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement (FMSW) am Freitag in München.

Die rechtliche Situation rund um die Anleihen sei damals differenziert betrachtet und in die Entscheidung einbezogen worden, hieß es. Grundsätzlich gelte: Wäre die erforderliche Teilnahmequote bei dem Schuldenschnitt nicht zustande gekommen, dann hätte sich eine ungeordnete Insolvenz Griechenlands möglicherweise nicht verhindern lassen. „Dies hätte weit gravierendere Folgen für die FMS Wertmanagement und damit für den deutschen Steuerzahler ausgelöst“, erklärte die Abwicklungsanstalt.

Kommentare (11)

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Herr wulff baer

12.09.2014, 11:27 Uhr

Haben die dümmsten Banker der Welt wieder einmal ihre Inkompetenz bewiesen?
Und klagt nicht der Vorsitzende vor Gericht Bonuszahlungen für seinen gebauten Mist ein?
Und wieso läuft der Kerl frei herum und warum muß er keinen Schadenersatz leisten?
Weil wir die Justiz einer Bananen-Republik haben.
Deswegen!

Herr Norbert Bluecher

12.09.2014, 12:11 Uhr

Wer hat denn da den Bock geschossen. Die Bankster oder die Beamten. Aber ist ja egal, geht ja nur zu Lasten des Steuerzahlers.

Account gelöscht!

12.09.2014, 12:13 Uhr

Vierteilen. Den ganzen Schrott für null und nichtig erklären. Scheiß auf Rechtssprechung; die wird anderweitig xmal gebrochen und uminterpretiert.

Ich glaube nicht das die Banker dumm sind; sondern berechnend. Wahrscheinlich winkt nach Ablauf einer Karenzzeit ein gut dotierter Job in der "beglückten" Firma.

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