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19.01.2009

12:38 Uhr

Hypo Real Estate

Staat bleibt bei HRE vorerst außen vor

VonHans G. Nagl

Der umfangreiche Einstieg des Staates bei der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) ist vorerst vertagt worden. Eine Mehrheitsbeteiligung an dem krisengeschüttelten Immobilienfinanzierer gilt als politisch brisant – eine weitere Kapitalspritze als unzureichend.

Zumindest kurzfristig wird die Hypo Real Estate nicht in Refinanzierungsprobleme laufen. Foto: ap Quelle: ap

Zumindest kurzfristig wird die Hypo Real Estate nicht in Refinanzierungsprobleme laufen. Foto: ap

FRANKFURT. „Die Politik muss sich zunächst klar werden, welche Rolle sie bei der HRE einnehmen will“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen Insider mit den Worten: „Es werden neue Garantien genehmigt, alles andere ist verschoben.“

Der Münchener Immobilienfinanzierer lehnte am Wochenende eine Stellungnahme ab. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte am Rande einer Veranstaltung lediglich, die Angelegenheit sei beim Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin anhängig.

Dessen Lenkungsausschuss hatte am Freitag zur HRE beraten. Im Vorfeld war von einem milliardenschweren Kapitalbedarf des Spezialinstituts die Rede, der im hohen einstelligen Milliardenbereich liegen könnte. Am Wochenende wurde in Branchenkreisen sogar die Marke von zehn Mrd. Euro genannt.

In diesem Fall wäre es wahrscheinlich, dass der Staat die Mehrheit übernimmt. Denn die HRE wird an der Börse gerade noch mit knapp 440 Mio. Euro bewertet. Bei der Commerzbank hatte der Bund zu Jahresbeginn zehn Mrd. Euro investiert und sich in diesem Zuge eine Sperrminorität von 25 Prozent zuzüglich einer Aktie gesichert.

Eine mehrheitliche oder gar weitgehende Übernahme – wie bei der HRE angedacht – wäre allerdings noch einen Schritt weiter und mit einem massiven Risiko für die Politik behaftet. Sie würde das Institut, das mittlerweile Ex-Deutsch-Banker Axel Wieandt saniert, komplett kontrollieren.

In Branchenkreisen gilt eine solche Konstellation, insbesondere in einem Wahljahr, als überaus heikel. Hinzu kommt, dass es mit einer Kapitalspritze kaum getan ist. So wird eine Lösung für das zuletzt gut 250 Mrd. Euro schwere Staatsfinanzierungs- und Infrastrukturgeschäft, das erst 2007 übernommen worden war, gesucht. Die langfristigen Verbindlichkeiten müssen stetig refinanziert werden. Andernfalls würde einer der größten Staatsfinanzierer der Welt komplett ins Schlingern geraten, was die Bundesregierung kaum zulassen dürfte.

Der Staat und mehrere Großbanken hatten der HRE im Herbst mit 50 Mrd. Euro unter die Arme gegriffen und sie damit vor dem Aus bewahrt. Zudem haben die Münchner vom Soffin 30 Mrd. Euro an Bundesgarantien für die Ausgabe von Schuldtiteln erhalten. Diese laufen aber nur bis Mitte April. Die nun vom Lenkungsausschuss des Soffin offenbar vereinbarte Verlängerung stellt sicher, dass die Hypo Real Estate zumindest kurzfristig nicht in Refinanzierungsprobleme läuft.

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