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19.04.2013

18:33 Uhr

Hypo-Vereinsbank-Chef Weimer

„Deutschland schießt sich selber ins Knie“

Hypo-Vereinsbank-Chef Theodor Weimer lässt Dampf ab: Auf die deutschen Banken kämen härtere Zeiten zu als gedacht. Schuld seien die schärferen Vorschriften der Regulierer, die viele kleine Banken kaputt machen würden.

Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank, spricht Klartext. dpa

Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank, spricht Klartext.

FrankfurtAuf die Banken in Deutschland kommen aus Sicht von Hypo-Vereinsbank-Chef Theodor Weimer harte Zeiten zu. Die schärferen Vorschriften der Regulierer würden die Institute empfindlicher treffen als bekannt, sagte der HVB-Chef am Freitag bei einer Diskussionsrunde in Frankfurt. „Die Kosten sind exorbitant und werden das Geschäft verändern. Viele kleine Banken machen wir mit der Regulatorik und den IT-Anforderungen kaputt - das können die nicht mehr leisten.“

Auch große europäische Institute werden nach seiner Einschätzung nicht mehr so profitabel sein wie in früheren Jahren, da sie mehr Eigenkapital vorhalten müssen und kaum noch riskante Geschäfte eingehen. „Ich gehe davon aus, dass Banken strukturell nicht mehr als zehn bis zwölf Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern generieren können“, sagte Weimer. Die Unicredit-Tochter HVB, die im vergangenen Jahr mit einem Überschuss von 1,3 Milliarden Euro so viel Gewinn einfuhr wie keine andere Privatbank in Deutschland, sei von solchen Werten derzeit aber noch weit entfernt.

Die HVB habe Kapitalkosten von etwa zwölf Prozent, verdiene aber keine zwölf Prozent, sagte Weimer. „Ich zerstöre jedes Jahr - als ziemlich profitable Bank - 'shareholder value' in großem Maße. Das wird auf Jahre so sein und da bin ich nicht alleine damit.“ Eigentlich ist es die Aufgabe des Managements, den Gesamtwert des Unternehmens und damit auch das Aktionärsvermögen ('shareholder value') zu steigern.

Für europäische Banken ist dies aus Sicht von Weimer derzeit aber kaum möglich. Da wegen der regulatorischen Vorschriften auch noch große Unsicherheit herrsche, würden langfristig orientierte Investoren derzeit kein Geld in europäische Banken stecken, erklärte Weimer.

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Für die Banken selbst seien viele Geschäfte wegen der härteren Auflagen im derzeitigen Umfeld nicht mehr attraktiv, sagte Weimer. „Wer heute noch Kommunalfinanzierung macht, hat das Geschäft nicht verstanden.“ Auch die Zahl an langfristigen Finanzierungen gehe deutlich zurück. Zudem müssten die Banken Teile der regulatorischen Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Da sich deutsche Unternehmen stärker über Bankkredite finanzieren als in vielen anderen Länder, ist Weimer überzeugt, dass die deutsche Volkswirtschaft unter den härteren Vorschriften überproportional leiden wird. „Deutschland schießt sich im Moment selber ins Knie.“

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Als Konsequenz aus der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Regulierer weltweit Vorschriften verschärft, um das Finanzsystem sattelfester zu machen und künftige Krisen zu verhindern. In Deutschland wurden 2008 mehrere Banken mit Staatsgeld vor dem Aus gerettet, weshalb der Druck auf die Branche besonders hoch ist.

Von

rtr

Kommentare (18)

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cybix

19.04.2013, 20:46 Uhr

Sehr geehrter Herr Theodor Weimer,
das ist korrekt. Es gibt weltweit auch zu viele Banken. Neben der Trennung von Investment- und Geschäftsbanken muß die Bankenlandschaft radikal restrukturiert und kosollidiert werden. Mit 30.000 Banken und Millionen Finanzprodukten wirtschaften die Banken an Ihrem Kernauftrag vorbei. Die Banken müssen wieder auf das Kerngeschäft zurückgeführt werden - und dazu braucht es weltweit maximal 1.000 Banken. Die Banken die die Anforderungen nicht bestehen müssen umgehend geschlossen werden.
Dann werden die Immobilien in Ballungszentren endlich auch wieder bezahlbar! (Die Banker kaufen hier mit Ihren wahnsinnigen Gehältern den ganzen Markt leer! - zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung!) Sorry aber wenn Sie bei der Hypo kein Geschäftsmodell mehr sehen, läuft das wie in der freien Marktwirtschaft.

justread

19.04.2013, 21:14 Uhr

Gut, wenn es weniger Kommunalfinanzierung durch kleinere Banken gibt. Dies war in der Regel mit Klüngel, Gutsherren-Kommunalpolitik, schlechten Investitionen und zu hohen Gehälter für geringerqualifizierte Banker gekoppelt.

Danke "Basel", daß dies jetzt hoffentlich ganz schnell ein Ende findet.

sigurd

19.04.2013, 21:40 Uhr

wen wundert das die deutsche regierung besteht aus schlimmsten dilettanten. in 3-5 jahren werden wie die schlimmen folgen spüren. D geht es noch gut, weil die starke wirtschaft und deren mitarbeiter die katastrophale regierungspoltik noch kompensieren.n aber dank merkel schäuble und rot grüne mrd versenker kommt das schlimme ende noch.

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