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20.01.2011

06:00 Uhr

Hypothekenpapiere

Deutsche Banken schließen sich US-Klägern an

VonAstrid Dörner, Peter Köhler

Die US-Hypothekenkrise beschäftigt derzeit den Finanzplatz Frankfurt und die Politik. Eine Klägergemeinschaft will den amerikanischen Banken Fehler im Umgang mit den Papieren nachweisen. Auch einige deutsche Institute haben sich der Initiative in den vergangenen Monaten angeschlossen.

Das Bankenviertel in Frankfurt: Einige deutsche Institute haben sich der Klägergemeinschaft in den USA angeschlossen. Reuters

Das Bankenviertel in Frankfurt: Einige deutsche Institute haben sich der Klägergemeinschaft in den USA angeschlossen.

FRANKFURT. Mehrere deutsche Banken haben sich einer mächtigen Klägergemeinschaft in den USA angeschlossen, die amerikanischen Instituten drastische Fehler im Geschäft mit Hypothekenpapieren nachweisen will. Das erfuhr das Handelsblatt von dem Organisator der Initiative, Bill Frey. Der Experte für komplizierte Finanzprodukte hat gemeinsam mit einem Anwalt aus Texas eine Anlaufstelle eingerichtet, an die sich die Banken wenden können, die in der Finanzkrise mit Hypothekenpapieren Verluste gemacht haben.

„Eine Reihe von deutschen Banken haben sich in den vergangenen Monaten unserer Initiative angeschlossen“, sagte Frey. Insgesamt hätten die deutschen Banken Papiere im Ursprungswert von knapp 100 Milliarden Dollar eingebracht. Und es gibt weitere Interessenten. „Ich denke, dass wir die 100 Milliarden bald überschreiten werden“, so Frey, der sich mit seiner Firma Greenwich Financial Service auf die Strukturierung von komplexen Wertpapieren spezialisiert hat.

Branchenkennern zufolge kommen in erster Linie die deutschen Landesbanken beziehungsweise die Bad Banks infrage, die toxische Papiere in Milliardenhöhe verwalten. Landesbanken haben im großen Stil Hypothekenpapiere gekauft, die in der Krise massiv an Wert verloren hatten.

Die Klägergemeinschaft will den Verkäufern der Wertpapiere Fehler nachweisen und sie so dazu bringen, die betroffenen Kredite zum Ausgangswert zurückzukaufen und eine Entschädigung zu zahlen. Finanzkreisen zufolge sollen sich auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock und die Allianz-Tochter Pimco der Initiative angeschlossen haben. Die Initiative hat nach eigenen Angaben das Potenzial, eine große US-Bank ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.

HSH Nordbank, WestLB, BayernLB und LBBW wollten sich nicht äußern. In Bankkreisen hieß es, man tausche Informationen aus und halte sich alle Optionen offen, um keine Möglichkeit auf Schadensersatz auszulassen. Es seien viele Anwälte in den USA „unterwegs und bemüht, lukrative Mandate zu ergattern“, sagte ein Insider.

Die Bundesregierung, die mehrere Kreditinstitute mit Steuergeldern vor dem Kollaps retten musste, hält sich aus der Offensive der Banken allerdings heraus. „Der Vorstand hat dafür Sorge zu tragen, dass zum Schutz von Rechts- und Vermögenspositionen alle nötigen Schritte ergriffen werden“, heißt es als Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Auch die Deutsche Bank steht in den USA in der Kritik. Das Institut hat dort ebenfalls Hypothekenpapiere verkauft. Wie aus der kleinen Anfrage hervorgeht, lagen Ende November 2010 hypothekenbezogene Klagen gegen das Institut im Umfang von 7,9 Milliarden Dollar vor. Der Nettowert der Forderungen liege jedoch bei rund 3,8 Milliarden Dollar. Nach Angaben der Bank stünden die Chancen vor Gericht jedoch gut. „Die Klagen stehen alle noch ganz am Anfang, und nach unserer Einschätzung haben wir überzeugende Verteidigungsargumente. Eine Reihe von Entscheidungen ist bereits zu unseren Gunsten ergangen, wodurch sich das Gesamtrisiko nachhaltig reduziert hat.“ Die Bank arbeite weiter daran, die Ansprüche abzuwehren.

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