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19.11.2013

21:07 Uhr

Hypothekenstreit beigelegt

JP Morgan zahlt 13 Milliarden an US-Regierung

Es ist offiziell: JP Morgan und die US-Behörden haben sich auf bei dem Streit um dubiose Hypothekengeschäfte geeinigt. Das bestätigte das Finanzministerium am späten Dienstag. Es wird eine Rekordsumme fällig.

Hypothekenstreit

JP Morgan zahlt 13 Milliarden Dollar

Hypothekenstreit: JP Morgan zahlt 13 Milliarden Dollar

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New YorkDie US-Großbank JPMorgan hat in dem Streit um dubiose Hypothekengeschäfte im Vorfeld der Finanzkrise 2007/2008 umfangreiches Fehlverhalten eingeräumt und sich zur Zahlung von 13 Milliarden Dollar verpflichtet.

Mitarbeiter der Bank hätten regelmäßig und wissentlich Produkte an Investoren verkauft, die von schlechterer Qualität gewesen seien als angegeben, teilte die US-Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. "Ohne Zweifel hat das hier aufgedeckte Verhalten dazu beigetragen, die Saat für den Kollaps an den Hypothekenmärkten zu legen", erklärte US-Justizminister Eric Holder.

Vier Milliarden Dollar aus dem Vergleich muss JPMorgan indirekt an seine Kunden weitergeben, etwa in Form von vergünstigten Krediten. Auch gegen andere US-Banken laufen ähnliche Ermittlungen.

JPMorgan habe im Rahmen der Einigung eingeräumt, die Öffentlichkeit in großem Umfang hinters Licht geführt zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Mit der Einigung sei nun die Rekordstrafe unter Dach und Fach.

Die größten außergerichtlichen Einigungen in den USA

246 Milliarden Dollar

Im Jahr 1998 einigten sich die größten US-Tabakunternehmen mit 50 Bundesstaaten über die Kosten der Behandlung von erkrankten Rauchern. Sie willigten ein, insgesamt 246 Milliarden Dollar zu zahlen, ihr Marketing zu beschränken und weniger stark um jugendliche Raucher zu buhlen.

67 Milliarden Dollar

Die Schweizer Großbank UBS und das US-Institut Citigroup willigten ein, spezielle Wertpapiere („Auction Rated Securities“) im Wert von 50 Milliarden Dollar von Investoren zurückzukaufen. Laut US-Börsenaufsicht brachte das Investoren letztlich 67 Milliarden Dollar ein. Wie hoch die Kosten letztlich für die Banken waren, ist nicht bekannt.

25 Milliarden Dollar

Im Februar 2012 einigte sich eine Reihe US-Banken – JP Morgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Ally Financial – mit Strafverfolgungsbehörden, gegenüber Immobilienkreditnehmern 25 Milliarden Dollar an Zahlungen und Forderungsverzichten zu leisten. Es ging um den Vorwurf, bei vielen Tausend Zwangsversteigerungen nicht korrekt vorgegangen zu sein.

13 Milliarden Dollar

Die US-Großbank JP Morgan hat im November 2013 eine Einigung mit US-Behörden erzielt, eine Reihe von Streitigkeiten rund um die Immobilien- und Finanzkrise durch Zahlungen und Forderungsverzichte in Höhe von 13 Milliarden Dollar beizulegen.

4,53 Milliarden Dollar

Ebenfalls im Jahr 2012 einige sich der britische Ölkonzern BP mit US-Behörden in einem Verfahren. Es ging um die Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko im April 2010. Der Konzern stimmte der Zahlung von 4,53 Milliarden Dollar zu wegen der Ölkatastrophe, die ausgelöst worden war. Darüber hinaus legte BP aber einen Entschädigungsfonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar auf und verbuchte insgesamt mehr als 42 Milliarden Dollar an Rückstellungen wegen des Vorfalls.

3 Milliarden Dollar

Der Pharmakonzern Glaxo Smith Kline legte ein Verfahren durch die Zahlung von drei Milliarden Dollar bei, um zivil- und strafrechtliche Vorwürfe auszuräumen, verschreibungspflichtige Medikamente auf unzulässige Weise angepriesen zu haben. Bei dem im Juli 2012 erzielten Vergleich handelte es sich um die höchste Summe in einem Fall der Gesundheits- und Pharmabranche.

2,3 Milliarden Dollar

Der Pharmakonzern Pfizer zahlte 2,3 Milliarden Dollar im Jahr 2009 wegen des Vorwurfs, ein Medikament beworben zu haben, das aus Sicherheitsgründen von der Gesundheitsaufsicht nicht zugelassen worden war.

1,9 Milliarden Dollar

Wegen des Vorwurfs, Drogenkartelle bei der Geldwäsche unterstützt zu haben, willigte die britisch-asiatische Großbank HSBC in den USA ein, 1,9 Milliarden Dollar an die US-Behörden zu zahlen.

1,2 Milliarden Dollar

Wegen Vorwürfen, den bedeuten Zinsatz Libor manipuliert zu haben, einigte sich die Schweizer Großbank UBS im Jahr 2013 mit US-Behörden auf eine Zahlung in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar. Darüber hinaus zahlte die Bank mehr als 300 Millionen Dollar für Einigungen in derselben Sache mit den Aufsichtsbehörden in Großbritannien und der Schweiz.

Eine Einigung in dieser Größenordnung hatte sich seit Wochen abgezeichnet. Reuters hatte schon vor Wochen berichtet, Bankchef Jamie Dimon und Justizminister Holder hätten sich im Grundsatz auf einen solchen Vergleich verständigt hatten.

JPMorgan muss für den Vergleich zwar rund 13 Milliarden Dollar - neun Milliarden Dollar in bar und vier Milliarden über indirekte Zahlungen - in die Hand nehmen. Tatsächlich wird die Vereinbarung die Bank aber wohl "nur" neun Milliarden Dollar kosten, da der übrige Betrag nach Einschätzung von Experten steuerlich absetzbar ist.

JPMorgan wurden Gesetzesverstöße beim Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten vorgeworfen, die von 2005 bis 2007 und damit aus Zeiten vor der Finanzkrise stammen. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden viele mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos. Die Besitzer machten hohe Verluste.

Viele Institute gerieten in finanzielle Schwierigkeiten und mussten staatlich gestützt werden. Die US-Regierung steht nicht zuletzt deshalb unter Druck, Banken für Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen.

JPMorgan-Finanzchefin Marianne Lake erklärte am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz mit Analysten, die Bank habe in dem Vergleich keinerlei Gesetzesverstöße eingeräumt.

JPMorgan hat nach früheren Angaben 23 Milliarden Dollar zur Seite gelegt, um Kosten auch anderer Rechtsstreitigkeiten zu begleichen. Das Institut hatte zuletzt immer wieder Ärger mit Behörden und der Justiz, etwa wegen des Handelsskandals um den "Wal von London" - einen Händler, der mit Derivate-Positionen 6,2 Milliarden Dollar verspielte. Derzeit laufen noch in mindestens neun Fällen Ermittlungen der Behörden gegen die Bank.

Anleger reagierten auf die Einigung erfreut: JPMorgan-Papiere gingen mit einem Plus von 0,7 Prozent aus dem Handel, während sich der Dow Jones fast unverändert zeigte.

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