Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2013

06:40 Uhr

Hypothekenstreit

JP Morgan droht Monster-Strafe

US-Baudarlehen, hübsch in Pakete verpackt waren ein Auslöser der Finanzkrise. Viele Banken mussten deswegen bereits hohe Strafen zahlen, doch für JP Morgan geht es um eine neue Dimension. Ein Vergleich steht kurz bevor.

JP Morgan bietet der US-Regierung eine Vergleichszahlung im Hypothekenstreit. Nun gibt es offenbar Verhandlungen. Reuters

JP Morgan bietet der US-Regierung eine Vergleichszahlung im Hypothekenstreit. Nun gibt es offenbar Verhandlungen.

New YorkDie US-Großbank JP Morgan Chase könnte sich Medienberichten zufolge aus den Ermittlungen wegen umstrittener Hypotheken-Geschäfte mit der Zahlung von elf Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) freikaufen. JP Morgan führe derzeit Gespräche mit Regierungsvertretern, um einen Vergleich auf Ebene des Bundes und der Bundesstaaten zu erzielen, berichteten die Agentur Associated Press und das "Wall Street Journal" am Mittwoch übereinstimmend.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ und der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg würden sieben Milliarden Dollar in bar fließen. Weitere vier Milliarden Dollar entfielen auf finanzielle Erleichterungen, die JP Morgan Chase Verbrauchern gewähren würde. Die Summen könnten sich im Laufe der Verhandlungen aber noch ändern, hieß es einschränkend.

Ein JP Morgan-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. Die JP Morgan-Aktie legte nach den Berichten um 2,7 Prozent zu.

Die größte Bank des Landes sieht sich seit Monaten Vorwürfen ausgesetzt, Investoren bei Hypothekengeschäften vor der Finanzkrise über den Tisch gezogen zu haben. Mehrere Bundesbehörden und die Generalstaatsanwälte einzelner Bundesstaaten ermitteln gegen JP Morgan oder haben bereits Klagen eingereicht. Die Bank selbst hatte jüngst ihre Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten aufgestockt.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Unklar ist weiterhin, ob JP Morgan alle Hypotheken-Fälle mit einem einzelnen Vergleich aus der Welt schaffen kann. Es geht im Kern um sogenannte Mortgage Backed Securities. Banken verpacken darin eine Vielzahl an Hauskrediten und verkaufen diese Wertpapiere anschließend an Investoren. Diese versprechen durch die monatlichen Zins- und Tilgungszahlungen satte Renditen. Sie tragen allerdings auch das Risiko, falls die Kreditnehmer nicht zahlen. Genau das geschah in der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Der Vorwurf an viele Wall-Street-Banken lautet, dass sie die Investoren im Unklaren darüber gelassen haben, dass in den Hypothekenpapieren von Anfang an massenhaft wackelige Kredite steckten - entweder bewusst oder durch eine schludrige Überprüfung der Schuldner.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Inflate_Or_Die

25.09.2013, 23:39 Uhr

Einfach lächerlich! Als Mit-Eigentümer der FED braucht JPM de facto NIEMALS etwas an die Regierung zu bezahlen, ganz im Gegenteil: sollte die Bank tatsächlich einmal in größere finanzielle Kalamitäten geraten, druckt Heli-Ben ihnen die ausstehende Kohle quasi für umme nach, soviel wie gewünscht.
So lässt sich nicht nur de facto risikofrei nach Lust und Laune zocken, sondern auch straflos die Märkte manipulieren. Und da es der FED überhaupt nicht gefallen würde, wenn die Echtgelder Gold + Silber massiv gegen das legale Falschgeld US-Dollar steigen würden, deckt sie insbesondere die Manipulation der Edelmetallpreise durch JPM:
"Maguire said "JPMorgan acts as an agent for the Federal Reserve; they act to halt the rise of gold and silver against the US dollar. JPMorgan is insulated from potential losses (on their short positions) by the Fed and/or the U.S. taxpayer." "
https://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Maguire_%28Whistle_Blower%29
Und nur ein Schelm denkt Böses dabei, wenn die "unabhängige" Behörde CFTC nach fünfjähriger ausgiebiger Untersuchung aber auch gar keine Unregelmäßigkeiten feststellen kann:
"Just like that, case closed. Because while every bank was involved in such wholesale manipulative activity as Libor, nobody, nobody dared to manipulate by banging the close, open and everything in between, or slam and take out the entire bid stack in key inflection points, something as simple as paper silver."
http://www.zerohedge.com/news/2013-09-25/cftc-concludes-long-running-silver-manipulation-investigation-finds-nothing-wrong

Iggo

26.09.2013, 01:11 Uhr

Strafe? Wenn der Kurs danach um 2,7% steigt, scheinen informierte Kreise nicht mit einer viel höheren Buße gerechnet zu haben? Strafe wäre gewesen, wenn der Kurs fällt.

Susanne

26.09.2013, 08:56 Uhr

Vorbildlich. Warum schafft Deutschland das mit seinen Banken nicht?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×