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04.05.2016

14:56 Uhr

ICE gibt kein Angebot ab

Amerikaner machen Weg für Börsenhochzeit frei

Der US-Börsenbetreiber ICE wird doch kein Angebot für die London Stock Exchange abgeben. Die Amerikaner hatten der Deutschen Börse den Weg versperren wollen, die eine Offerte für die LSE abgegeben hat.

Ein Wettstreit um die Londoner Börse ist unwahrscheinlicher geworden. dpa

London Stock Exchange

Ein Wettstreit um die Londoner Börse ist unwahrscheinlicher geworden.

Der Betreiber der New York Stock Exchange, ICE, will doch nicht die Londoner Börse (LSE) übernehmen. Nach Prüfung der Bücher habe man sich entschlossen, von dem eigentlich geplanten Angebot Abstand zu nehmen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Damit muss die Deutsche Börse die Amerikaner nicht mehr als Rivalen im Streit um die LSE fürchten.

Die Aktien der Deutschen Börse zogen nach der Mitteilung deutlich an und notierten gut drei Prozent höher. LSE-Papiere brachen um fast sieben Prozent ein. Die ICE hatte Anfang März erklärt, ein Gegenangebot für die LSE zu prüfen. Eine ICE-Offerte galt neben der Zustimmung der Aufsichtsbehörden als größte Hürde für den rund 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss von Deutscher Börse und LSE. Aus Sicht von Bankern ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass noch ein anderer Konkurrent seinen Hut in den Ring wirft – etwa die Chicago Mercantile Exchange (CME).

Die Deutsche Börse will mit der London Stock Exchange fusionieren und einen dominierenden Marktplatz in Europa schaffen. Nach den Worten von Vorstandschef Carsten Kengeter war die Deutsche Börse mit ihrem Plan zur Fusion mit der London Stock Exchange Group trotz der Unsicherheiten über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union vorgeprescht, um der möglichen Offerte eines Wettbewerbers aus den USA zuvorzukommen.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

„Es ist vielen bekannt, dass die London Stock Exchange das Interesse aus Amerika erweckt hat“, sagte Kengeter am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt. „Dieses Interesse hätte sich in kurzer Zeit konkretisiert. Ein Warten war für uns deshalb nicht möglich, obwohl es uns sicherlich viele Fragen erspart hätte.“

Der Zusammenschluss von LSE und Deutscher Börse sei sinnvoll, unabhängig vom Ausgang des Referendums in Großbritannien über die EU-Mitgliedschaft am 23. Juni, so Kengeter.

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