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29.07.2017

16:06 Uhr

IKB

Wie die Finanzkrise in Deutschland ankam

VonAndreas Neuhaus

Die IKB galt als langweilige Bank des Mittelstands. Doch vor genau zehn Jahren wird klar: Das Geldhaus hat sich am US-Markt für Hypothekenanleihen verzockt. Wie die Finanzkrise in Deutschland Fahrt aufnahm.

Die Rettungsaktion für die Düsseldorfer Bank war 2007 der Beginn der Finanzkrise in Deutschland. dpa

IKB

Die Rettungsaktion für die Düsseldorfer Bank war 2007 der Beginn der Finanzkrise in Deutschland.

FrankfurtAn diesem Wochenende vor genau zehn Jahren geschah Historisches: Die Finanzkrise erreichte Deutschland. Nur dass damals kaum jemand die volle Konsequenz begriff. Denn das erste Sorgenkind unter den Banken war die Deutsche Industriebank (IKB). Der Ruf des Geldhauses ist damals tadellos, das Image bodenständig – man könnte auch sagen: langweilig.

Vielen ist 2007 das Kürzel IKB gar kein Begriff, auch Angela Merkel nicht. Am Wochenende vor zehn Jahren besucht sie die Salzburger Festspiele. Am Samstag wartet die Kanzlerin auf den Beginn der Haydn-Oper „Armida“, als sie eine SMS erhält. Absender ist ihr damaliger Wirtschafts- und Finanzberater, der aktuelle Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Der Inhalt der Nachricht: „Die IKB soll in Schwierigkeiten sein.“ Merkels Antwort, wie sie Jahre später selbst gestand: „Was ist die IKB?“

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Jahrzehntelang versorgte die IKB den deutschen Mittelstand mit Krediten. Die Straße in Düsseldorf, in der die Bank ihre Zentrale hat, ist nach dem ersten Chef der 1924 gegründeten Bank benannt: Wilhelm-Bötzkes-Straße. Die IKB gilt als solide, doch sie hatte am US-Markt für Hypothekenanleihen gezockt – in ganz großem Stil – und dabei verloren.

Zwar hatte die Bank zunächst eine Mitteilung herausgegeben, wonach die Risiken des amerikanischen Immobilienmarktes das Haus nur im einstelligen Millionenbereich beträfe. Doch an jenem bedeutsamen Wochenende wird klar: Es geht nicht um Millionen, sondern um Milliarden.

Die IKB hatte im großen Stil in Wertpapiere investiert, denen zweitklassige Hypothekenkredite zugrunde lagen – heute unter dem Namen Subprime-Kredite bekannt. Das waren Darlehen für den Kauf von Häusern oder Wohnungen, die Amerikas Banken an Kunden ausgaben, die diese niemals hätten erhalten dürfen – weil sie zu wenig verdienten. Diese Kredite wurden gebündelt und auf die Bündel wiederum Wertpapiere ausgestellt.

Doch spätestens im Juli 2007 wird klar, dass sich auf der anderen Seite des Atlantiks viele Häuserkäufer übernommen haben. Die Werte der Subprime-Wertpapiere stürzen ins Bodenlose und die IKB hat ein Problem: Ihr Ruf ist ruiniert, die Deutsche Bank weigert sich, eine Kreditlinie zu verlängern. Die Düsseldorfer stehen vor der Pleite.

Weidmann ist an jenem Samstagabend bei einem privaten Grillfest. Nur ein Wochenende bleibt Zeit, um die Bank zu retten – er schreibt der Kanzlerin. „Damit wurde klar, dass die Krise nun auch in Europa angekommen ist“, erinnert sich Weidmann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Telefonleitungen glühen, letztendlich schnüren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Bafin-Präsident Jochen Sanio und Ingrid Matthäus Maier, die Chefin des IKB-Großaktionärs KfW ein Rettungspaket: Die KfW erhöht dafür ihren Anteil an der IKB auf 90 Prozent – mit all den Risiken, die das mit sich bringt.

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