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21.07.2016

02:35 Uhr

Illegaler Profit

Top-Devisenhändler verhaftet

VonKatharina Slodczyk, Frank Wiebe

US-Behörden beschuldigen HSBC-Manager, den Markt manipuliert und Kunden-Vertrauen missbraucht zu haben. Die Untersuchungen stehen in Zusammenhang mit Affären, die Geldhäuser schon Milliarden an Bußgeldern gekostet haben.

Mark Johnson verlässt das Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn: Die Festnahme kam überraschend: Laut Anwalt wurde Johnson in die USA versetzt und wollte mit Frau und Kinder dort hinziehen. Reuters

Mark Johnson

Mark Johnson verlässt das Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn: Die Festnahme kam überraschend: Laut Anwalt wurde Johnson in die USA versetzt und wollte mit Frau und Kinder dort hinziehen.

London/New YorkDie US-Behörden haben am Dienstagabend auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy den 50-jährigen Chef-Devisenhändler der britischen Großbank HSBC, Mark Johnson, verhaftet. Am Mittwoch wurde er gegen eine Million Dollar Kaution wieder freigelassen. Gegen den 43-jährigen Stuart Scott, der bis 2014 das europäische Devisengeschäft geleitet hat, liegt ein Haftbefehl vor.

Das US-Justizministerium wirft den beiden Briten vor, im Jahr 2011 in einem besonders schweren Fall so genanntes Front-Running betrieben zu haben. Darunter versteht man Geschäfte, bei denen die Händler vor der Abwicklung eines Kundenauftrags selber kaufen oder verkaufen und so aus der Kenntnis des jeweiligen Auftrags einen Sondergewinn ziehen.

Es handelte sich um einen Kaufauftrag für britische Pfund im Wert von 3,5 Milliarden Dollar. Nach Aussage des Ministeriums wurde der Auftrag so umgesetzt, dass er den Kurs besonders stark hochtrieb. Weil die beiden vorab, ohne Kenntnis des Kunden, Pfund Sterling für ein Eigenkonto ihrer Bank gekauft hatten, konnten sie einen hohen Gewinn erzielen.

Angeblich verdienten sie an dem Geschäft einschließlich des illegalen Profits acht Millionen Dollar. „Den Beschuldigten wird vorgeworfen, das Vertrauen ihres Kunden missbraucht und den Devisenmarkt zu Gunsten ihrer Bank und ihrer selbst manipuliert zu haben“, sagte die Staatsanwältin Leslie Caldwell.

Für Johnson kam die Verhaftung offenbar überraschend. Nach Aussage seines Anwalts war er in die USA versetzt worden und wollte gerade mit seiner Frau und sechs Kindern dorthin umziehen.

In der Affäre um Devisentricksereien hat sich eine Reihe von Banken bereits vor mehr als einem Jahr mit britischen und US-amerikanischen Regulierern auf Strafen geeinigt. Insgesamt überwiesen die Geldhäuser etwa zehn Milliarden Dollar an Bußgeldern, um die Ermittlungen einiger Aufseher, darunter der britischen FCA, zu beenden.

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Dazu gehörte auch die britische Großbank HSBC, die Ende 2014 mehr als 600 Millionen Dollar zahlte. HSBC hat sich in der Devisenaffäre allerdings noch nicht mit dem US-Justizministerium geeinigt – ebenso wenig wie mit der Federal Reserve Bank und einigen anderen Behörden, die in der Sache noch weiter ermitteln. Dafür hat die Bank bereits im Sommer vergangenen Jahres 1,3 Milliarden Dollar zurückgelegt.

Im Zuge der Affäre, bei der Währungshändlern etlicher Banken vorgeworfen wurde, von Großaufträgen maximal zu profitieren und Referenzpreise im Devisenmarkt in die ihnen genehme Richtung zu bewegen, sind mehr als zwei Dutzend Bankmitarbeiter zumindest vorübergehend suspendiert worden.

Die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO hat es allerdings inzwischen aufgegeben, einen von ihnen vor Gericht zu bringen. Das SFO entschied im März dieses Jahres, die Untersuchungen in der Devisenmanipulationsaffäre zu beenden. Man habe mehr als eine halbe Million Dokumente geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass es nicht genug Beweise für eine Verurteilung gebe.

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