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12.03.2004

11:03 Uhr

Im Konzern hat das große Zittern begonnen

Im Klub der deutlichen Aussprache

VonCaspar Busse (Handelsblatt)

Allianz-Chef Michael Diekmann ändert – von der Öffentlichkeit bisher unbemerkt – grundlegend die Kultur des Traditionskonzerns. Die Probleme bleiben.

Michael Diekmann wirbelt bisher fast ausschließlich hinter den Kulissen. Foto: dpa

Michael Diekmann wirbelt bisher fast ausschließlich hinter den Kulissen. Foto: dpa

MÜNCHEN. Wer die A9 von Nürnberg in Richtung Süden fährt, der passiert in Höhe des Münchener Vororts Fröttmaning ein gewaltiges Betonrund, überragt von unzähligen Kränen. Hoch oben hängt ein blaues Banner: „Allianz Arena“ steht da. Hier werden bald der FC Bayern und TSV 1860 München spielen. Und Europas größter Versicherungskonzern wird immer mit am Ball sein. Denn die Allianz hat für geschätzt 70 bis 90 Millionen Euro die Namensrechte gekauft – in der Hoffnung, vom Image der Fußball-Clubs zu profitieren.

Aber jetzt ist das Stadion wegen Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe des Bauauftrags in die Schlagzeilen gekommen. Und auch die Allianz steht schlecht da – auch wenn ein Sprecher für das Konzernimage nur „einen kleinen Kratzer“ sieht.

Als hätte Allianz-Chef Michael Diekmann nicht schon genug Probleme, entwickelt sich jetzt auch noch das Stadion-Investment zum Eigentor: Am 30. April vergangenen Jahres hat er den Konzern von seinem Vorgänger Henning Schulte- Noelle übernommen, und noch immer steckt der Branchenprimus in einer Krise: Die Dresdner Bank, die Schulte-Noelle vor drei Jahren für 24 Milliarden Euro gekauft hat, kommt nur langsam aus ihrem Tief. Auch in Frankreich und den USA läuft das Allianz-Geschäft alles andere als rund.

Diekmann muss jetzt aufräumen. Vorgänger Schulte-Noelle hatte elf Jahre ungezügelt zugekauft. Aus einer oberbayerischen Sterbekasse machte er einen Weltkonzern, der in 70 Ländern vertreten ist. Um die Integration allerdings hatte er sich kaum gekümmert. Wie weit Diekmann in seinen ersten zehn Monaten als Vorstandschef gekommen ist, wird sich am kommenden Donnerstag zeigen: Dann präsentiert er die Bilanz für 2003.

In der Öffentlichkeit hält sich der Neue bisher auffällig zurück: Keine großen Reden, kaum Interviews, keine Talkshow-Auftritte. „Je weniger von mir zu lesen ist, desto mehr arbeite ich für die Allianz“, sagt Diekmann lakonisch. Hinter den Kulissen wirbelt er dafür umso mehr. „Er nimmt Führung“, sagen seine Mitarbeiter ehrfurchtsvoll.

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