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17.02.2006

09:29 Uhr

Im Privatkundengeschäft

Deutsche Bank verliert offenbar Marktanteile

Im Privatkundengeschäft hat die Deutsche Bank nach einem Medienbericht im Jahr 2005 Marktanteile verloren - möglicherweise als Reaktion auf die negativen Schlagzeilen in der Vergangenheit. Deutschlands Branchenprimus bewertet die Zahlen anders und verweist auf die steigenden Kundenzahlen in diesem Bereich.

HB FRANKFURT. Der Marktanteil der Detuschen Bank im Privatkundengeschäft habe sich im vergangenen Jahr nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens TNS-Infratest auf sechs von 6,5 Prozent 2004 verringert, berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ am Freitag unter Berufung auf Finanzkreise. Damit befinde sich der Marktanteil der Deutschen Bank bis auf wenige Ausnahmen seit 1995 im Abwärtstrend. Damals habe er noch bei 8,1 Prozent gelegen.

Die Deutsche Bank trat dieser Darstellung entgegen. „Aus den relativen Marktanteilszahlen sind nicht unmittelbar Rückschlüsse auf die absolute Kundenzahl ziehen“, sagte ein Banksprecher. So habe Deutschlands größtes Geldhaus zuletzt 8,5 Millionen Kunden im Segment Private & Business Clients (PBC) gehabt. Davon seien rund 800 000 kleinere Geschäftskunden, so dass sich eine reine Privatkundenzahl von 7,7 Millionen ergebe. Im Jahr 2000 sei die damalige Deutsche Bank 24 hingegen nur auf 7,3 Millionen gekommen. Zudem erfasse die Studie keine Kunden, die die Bank über ihre Kooperation mit dem Automobilclub ADAC oder der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) werbe. Auch im Ausland lebende Deutsche blieben beispielsweise unberücksichtigt.

Beobachter machen nach Angaben der "Welt" für den recht starken Rückgang im vergangenen Jahr vor allem die negativen Schlagzeilen verantwortlich, die die Geschäftspolitik der Deutschen Bank begleiteten. Anfang 2005 hatte Vorstandschef Josef Ackermann den Abbau von über 6000 Stellen trotz eines Rekordgewinns verkündet. Das sorgte für heftige Kritik an dem Schweizer aus der deutschen Politik. Auch die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses um Millionen-Prämien ehemaliger Manager, bei der Ackermann einer der Angeklagten ist, dürfte das Image der Bank beschädigt haben.

Der Skandal um den offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank konnte sich hingegen noch gar nicht auswirken. Erstmals in der über 40jährigen Geschichte des Produktes hatte im Dezember mit der Deutschen Bank ausgerechnet das erfolgreichste Geldhaus hierzulande einen offenen Immobilienfonds wegen Liquiditätsnöten geschlossen. Seitdem kommen die rund 250 000 Kunden des Fonds vorerst nicht mehr an ihr Geld. Erst auf Druck der Finanzaufsicht BAFin versicherte die Bank, zumindest einen Teil der Kunden für die Verluste bei der Neubewertung der Immobilien im Grundbesitz-Invest zu entschädigen. In Folge dieser Diskussionen warben Sparkassen und andere Konkurrenten verstärkt um Kunden der Deutschen Bank. Da die Schließung des Grundbesitz-Invest erst auf die Zeit kurz vor Weihnachten fiel, sind neueste Daten in den Zahlen von TNS-Infra-Infratest wohl noch nicht enthalten.

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