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23.06.2012

09:09 Uhr

Bankchef Jamie Dimon: „Wir spielen nicht mit Geld.“ AFP

Bankchef Jamie Dimon: „Wir spielen nicht mit Geld.“

FrankfurtZu groß zum Führen, zu groß zum Regulieren und zu groß zum Kontrollieren." Das Urteil, das der US-Abgeordnete Sean Duffy jüngst über die größte Investmentbank JP Morgan fällte, war vernichtend. Nach den milliardenschweren Wetten, die bei der Investmentbank in London gerade schiefgelaufen waren und für einen Milliardenverlust sorgen, musste sich Bankchef Jamie Dimon bei der jüngsten Anhörung im US-Kongress verteidigen mit Worten wie: "Wir spielen nicht mit Geld." Um dann aber anzufügen: "Wir machen Fehler."

Es sind solche Fehler aus den vergangenen Wochen und Monaten, die in Politik und Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass sich auch nach fünf Jahren Finanzkrise in der Branche nicht viel geändert hat: JP Morgan zockt mit Milliarden. Beim von Morgan Stanley führend betreuten Börsengang von Facebook fühlen sich Privatinvestoren schlechter informiert als institutionelle Kunden. Goldman-Sachs-Banker bezeichnen ihre Kunden, so berichtete der Londoner Aussteiger Greg Smith vor einigen Wochen in einem Artikel in der "New York Times", als "Muppets" und profitieren von zahlreichen Interessenkonflikten. Und der hierzulande für einen Untersuchungsausschuss veröffentlichte E-Mail-Verkehr zwischen Dirk Notheis, dem Deutschland-Chef von Morgan Stanley, und dem damaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Stefan Mappus, hinterlässt ebenfalls einen solchen Eindruck: Da führt ein Investmentbanker seinen Kunden wie eine Marionette herum und sagt ihr, was zu tun ist.

Dennoch schätzen viele Unternehmen weiterhin die Arbeit, die Investmentbanker für sie bei der Kapitalbeschaffung oder Akquisitionsberatung verrichten - auch wenn sie wissen, dass in großen Banken immer wieder Interessenkonflikte auftreten. Doch wird die Bevölkerung nach ihrer Meinung gefragt, ist das Image von Bankern katastrophal, auch in Deutschland. Das ist besorgniserregend für die Branche, denn sie braucht guten Nachwuchs. Und ihr Ruf in der Politik ist entscheidend, denn die Politiker beschließen neue Regeln für die Banken.

"Man begegnet Banken heute mit Misstrauen. Das ist verständlich", sagte der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Anshu Jain, kürzlich in Berlin. "Die größte Herausforderung für die Bankenbranche steht uns noch bevor: Wir müssen unseren Vertrag mit der Gesellschaft erneuern." Die Banken arbeiten an ihren Bonussystemen, geben sich teilweise ethische Vorgaben. Aber reicht das? "Jedes Haus sollte für sich die eigenen ethischen Standards überprüfen und wenn nötig anpassen", sagt Dirk Müller-Tronnier, der bei Ernst & Young die Bankberatung in Deutschland leitet.

Kommentare (9)

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VivaLaReception

23.06.2012, 10:45 Uhr

Als ex-Banker kann ich nur sagen: Unsere Banken haben hart daran gearbeitet, ihren Ruf zu ruinieren:
Geschäftsbanken vergraulen ihre Kunden, indem sie bei jedem Besuch Bausparverträge und Riesterrenten verkaufen wollen. Hauskredite werden munter weiterverkauft und statt des netten Beraters der Hausbank im Ort meldet sich zukünftig jemand von Lone Star o.ä. Die gesetzliche Rente wurde gekürzt, um der privaten Finanzwirtschaft Absatzmärkte für staatlich subventionierte Produkte zu schaffen. Ob diese inflations- und staatspleitensicher sind, weiß niemand so genau. Investmentbanken machen Milliarden mit der Verbriefung von Krediten, mit CDS, Zertifikaten und sonstigen "Produkten". So lange alles gutgeht, werden die Gewinne daraus privatisiert und in Steueroasen wie Irland umgeleitet. Falls man sich aber verzockt, muss auf einmal ganz viel Staatsgeld her. Mit der HRE-Tochter DePfa hat der deutsche Staat sogar eine irische Bank gerettet (warum eigentlich?). Wenn Alexander "Debilius" sagt, dass Banken keine soziale Aufgabe haben, dann muss auch umgekehrt gelten, dass der Staat keine Aufgabe hat, zockende Banken zu retten. Oder gilt das Primat des schlanken Staates nur für den doofen lohnsteuerzahlenden Bürger?
Das sind die Gründe des miesen Bank-Images und meines Erachtens völlig zu Recht!

Account gelöscht!

23.06.2012, 11:35 Uhr

Die sollen sich mal nicht als opfer darstellen, klar den Banken gehts scheisse, aber den Top-Bankern gehts scheisse. Die die weiter unten in der Hierarchie stehen haben halt Pech, das sind die, die beim abendlichen Kneipenbesuch ihre Profession besser verschweigen sollten

Account gelöscht!

23.06.2012, 11:49 Uhr

Guter Nachwuchs? Seit wann verheizt man seine besten Leute in einer Branche von der niemand etwas hat? Der gute Nachwuchs sollte lieber in Firmen arbeiten die wirklich der Volkswirtschaft einen Nutzen bringen! Klar, der Nachwuchs der es auch in der Mafia zu etwas bringen würde ist sicher in einer Bank besser aufgehoben aber alle anderen doch bitte in die echte Wirtschaft!

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