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31.01.2006

11:30 Uhr

Immobilienbank

AHBR ohne Staatsgeschäft

Die angeschlagen Immobilienbank AHBR wird sich nach Angaben aus Finanzkreisen vom Staatsfinanzierungsgeschäft verabschieden. Der Investor Lone Star mit Deutschland-Chef Karsten von Köller seit Dezember 2005 neuer Eigentümer der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR), wolle Sparkassen und Landesbanken keine Konkurrenz machen.

ben/cü/rob HB FRANKFURT. Schließlich lasse die Marge zu wünschen übrig, hieß es. Zum 30. 9. 2005 betrug der Bestand der AHBR-Staatskredite 36,9 Mrd. Euro.

Die Bank werde sich in Zukunft auf die Abwicklung von leistungsgestörten Krediten und auf die Finanzierung von Gewerbeimmobilien konzentrieren, hieß es in den Kreisen weiter. Ein Sprecher der AHBR wollte sich dazu nicht äußern. Es werde aber sicher in der ersten Februarhälfte Details zur Neuausrichtung der Bank geben.

Die AHBR war 2005 nur knapp der Pleite entgangen und wurde durch den Einstieg Lone Stars soeben gerettet. Das Kreditinstitut hatte sich 2001 mit Zinsspekulationen selbst in die Krise gestürzt und wird dieses Jahr voraussichtlich ein Minus von bis zu 1,3 Mrd. Euro ausweisen. Die neue Strategie der Bank soll nun dem Vernehmen nach auf der Aufsichtsratssitzung Ende dieser Woche beschlossen werden.

Dann werde wohl auch entschieden, ob die AHBR das Staatsfinanzierungsgeschäft ausgliedert, um die Pfandbriefe auslaufen zu lassen. Dies würde den Prozess jedoch in die Länge ziehen, der letzte Jumbo-Pfandbrief wird erst 2014 fällig. Alternativ werde der Rückkauf der Papiere diskutiert, wonach die Kredite verkauft werden könnten, hieß es in Finanzkreisen.

Experten werteten die sich abzeichnende Neupositionierung als folgerichtig. „Es macht für Lone Star Sinn, in der AHBR lediglich das Hypothekengeschäft fortzuführen“, sagt Claudia Vortmüller, Pfandbriefanalystin bei der Commerzbank. Zum einen habe Lone Star Expertise im Immobiliengeschäft, zum anderen ermögliche das Hypothekengeschäft deutlich höhere Margen als das Geschäft mit Staatskrediten. Mögliche Rückkäufe von mit Staatskrediten gedeckten Pfandbriefen sieht Vortmüller als „sauberste Lösung“ an. Insgesamt hat die AHBR Pfandbriefe über gut 52 Mrd. Euro ausstehen, davon machen mit Staatskrediten gedeckte Papiere 56 Prozent, das sind 29 Mrd. Euro, aus.

Noch nicht entschieden ist nach Worten eines AHBR-Sprechers über das weitere Vorgehen gegen die Vorstände, in deren Amtszeit die Fehlspekulationen mit Zinsderivaten fielen. Das Frankfurter Landgerichte hatte zuletzt eine Schadensersatzklage abgelehnt. Der beklagte Einsatz sei damals von den Aufsichtsbehörden genehmigt gewesen, hieß zur Begründung. Die Bank kann aber noch Berufung gegen die Entscheidung einlegen.

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