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26.01.2009

16:13 Uhr

Immobilienfinanzierer

HRE vor Verstaatlichung

Die Bundesregierung hat sich darauf verständigt, die Kontrolle beim Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) zu übernehmen. Großaktionär Flowers, der derzeit gut 25 Prozent an der HRE hält, signalisierte bereits Einverständnis.

Ausweg Staat. Beim angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate dürfte bald der Staat der größte Anteilseigner sein. Foto: ap Quelle: ap

Ausweg Staat. Beim angeschlagenen Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate dürfte bald der Staat der größte Anteilseigner sein. Foto: ap

BERLIN/FRANKFURT/MÜNCHEN. Der Lenkungsausschuss des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) war sich am Freitagabend einig, dass der Staat eine Mehrheit deutlich über 50 Prozent erreichen müsse. Ergänzend sei eine Einlage von neun bis zehn Mrd. Euro zur Stabilisierung der HRE notwendig, hieß es aus dem Lenkungsausschuss, in dem die Staatssekretäre der Ministerien für Finanzen, Wirtschaft und aus dem Kanzleramt vertreten sind. Erwogen wird, im Soffin-Gesetz die maximale Beteiligungsgrenze des Staates von heute 33 Prozent deutlich anzuheben.

Die Entscheidung über die genaue Konstruktion des dann voraussichtlich endgültigen Rettungsplans für die HRE steht noch nicht genau fest. „Die Tragweite der Entscheidungen geht weit über die Hypo Real Estate hinaus“, hieß es gestern in Finanzkreisen. Schließlich werde mit jedem Schritt hin zur Verstaatlichung der HRE ein Präzedenzfall geschaffen. Es gehe nicht nur darum, wie groß der Anteil des Staates am Ende sei. Vielmehr müsse eine gigantische Bilanzsumme über lange Jahre hinweg refinanziert werden. „Während andere ihre toxischen Assets in einer Bad Bank abladen wollen, geht es hier um die Übernahme der Refinanzierungs-Risiken“, hieß es.

Die Not der HRE ist dadurch entstanden, dass sie langlaufende Pfandbriefe kurzfristig finanziert hat und sich darum permanent in einem Umfeld refinanzieren muss, indem gerade sie als notleidendes Institut gar kein Vertrauen mehr an den Finanzmärkten genießt.

In den vergangenen Tagen war auch spekuliert worden, dass der Hypo-Real-Estate-Großaktionär JC Flowers in eine Rettungslösung einbezogen werden könnte. Nach Informationen des Handelsblatts ist Flowers aber nicht bereit, frisches Kapital nachzuschießen. „Es geht hier ja nicht um 50 Millionen. Wo soll Flowers das Geld denn hernehmen?“, hieß es in Finanzkreisen. Mit einer De-Facto-Teilenteignung durch die Verwässerung seiner Anteile bei einem Staatseinstieg könne Flowers aber leben, hieß es.

Der US-Investor halte lieber zehn Prozent an einer Bank, die lebensfähig sei, als weiterhin gut 25 Prozent an einem todgeweihten Institut. Daher sei nicht mit Widerstand Flowers zu rechnen. Da lägen die Interessen von Eigentümern, Management und Bundesregierung gar nicht so weit auseinander. Flowers sei über jeden Cent froh, den die Aktie wieder steige. Nach aktuellem Stand hat der US-Investor bei der Hypo Real Estate mehr als 900 Mio. Euro in den Sand gesetzt. ax/dri/pk/rob/saf

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