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15.12.2011

18:36 Uhr

Immobilienfinanzierer

Westimmo steht vor dem Aus

Der Verkauf des Immobilienfinanzierers Westimmo an den Finanzinvestor Apollo ist geplatzt. Damit schwindet die Hoffnung, noch einen Käufer zu finden. Der Westimmo droht die Abwickelung in der „Bad Bank“.

Der Verkauf der WestLB-Tochter Westimmo ist geplatzt. dpa

Der Verkauf der WestLB-Tochter Westimmo ist geplatzt.

Frankfurt, DüsseldorfDer Immobilienfinanzierer Westimmo steht vor dem Aus. Der erhoffte Verkauf der WestLB-Tochter an den Finanzinvestor Apollo ist geplatzt, wie die Landesbank am Donnerstag mitteilte. Damit schwindet die Hoffnung für rund 470 Mitarbeiter der Westimmo, unter einem neuen Eigentümer weiter Geschäft machen zu können. Das Institut landet aller Voraussicht nach in der Abwicklungsbank EAA, die die unverkäuflichen Reste der WestLB übernehmen soll. Die WestLB-Eigner geben aber die Hoffnung nicht auf: Die Suche nach Lösungen für die WestImmo sei nicht beendet, erklärte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Der gescheiterte Verkauf der WestImmo an Apollo ist ein schlechtes Omen für den ungleich größeren Rivalen Eurohypo, für den der Mutterkonzern Commerzbank händeringend eine Lösung sucht.

„Die Transaktions- und insbesondere Nachhaftungsrisiken wären für die Bank und ihre Eigentümer nicht vertretbar“, teilte die WestLB mit. Ein Banksprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob an der Abwicklung der Westimmo noch etwas vorbeiführe. Apollo habe letztlich weit weniger geboten, als die Abwicklung der Westimmo in der „Bad Bank“ bringen dürfte, hieß es in Verhandlungskreisen. Zudem habe der Investor Haftungszusagen von der Landesbank auch für neue Geschäfte gefordert, die in den nächsten Jahren zu hohen Belastungen hätten führen können. Apollo war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Verkaufsprozess stand zuletzt unter keinem guten Stern: „In den vergangenen Monaten hat sich die ohnehin schwierige Marktsituation nochmals erheblich verschlechtert“, beschrieb die WestLB die Lage. Das belaste das Geschäft einer Pfandbriefbank. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Westimmo kürzlich herabgestuft, was die Refinanzierung für den neuen Eigentümer verteuerte. Die Verhandlungen der Westimmo über die Aufnahme in die Einlagensicherung des Privatbankenverbandes BdB zogen sich seit Monaten hin. Die Garantie ist dort für Neumitglieder in den ersten drei Jahren auf 250.000 Euro beschränkt - zu wenig für das großvolumige Geschäft der Westimmo.

Finanzkreisen zufolge hatte Apollo für die Westimmo brutto rund 400 Millionen Euro geboten. Daran seien allerdings Forderungen geknüpft worden, die den Erlös für die WestLB reduziert hätten. Übernehmen wollte Apollo das reine Pfandbriefgeschäft des Mainzer Instituts sowie fast alle Mitarbeiter. Die Verhandlungen liefen seit Monaten exklusiv. Ein Verkauf an einen Investor, der auch für die Steuerzahler vorteilhaft wäre, wäre „sicherlich begrüßenswert“, betonte Walter Borjans. Die Suche nach Lösungen sei mit der Absage aber nicht beendet, versicherte der SPD-Politiker. Eigner der WestLB sind neben dem Land NRW auch die örtlichen Sparkassenverbände. Für Risiken aus der WestLB-Abwicklung stehen auch die Steuerzahler ein.

Die verlustreiche Eurohypo - Staats- und Immobilienfinanzierer zugleich - lastet auf der Bilanz der Commerzbank und müsste auf EU-Geheiß eigentlich bis Ende 2014 verkauft werden. Die Commerzbank sieht dafür im Moment aber keine Chance. Erleichterung könnte 2012 der wiederbelebte Bankenrettungsfonds SoFFin bringen, in den Banken schwierige Staatsanleihen auslagern dürfen. Die Commerzbank hat allerdings wiederholt klargemacht, nicht noch einmal Staatshilfe nehmen zu wollen.

Das Aus der WestLB ist bereits beschlossen. Sie wird bis Sommer nächsten Jahres zerschlagen. In die EAA hat die Bank bereits milliardenschwere Risiko-Papiere ausgelagert. Sie übernimmt Ende Juni 2012 die Portfolios, die nicht der Verbundbank zugeschlagen, nicht von den Sparkassen erworben wurden oder bis dahin nicht von der WestLB an Dritte veräußert worden sind, wie NRW-Finanzminister Walter-Borjans bereits angekündigt hatte. Die Versuche, Teile der WestLB zu veräußern, dauerten aber an, hieß es in den Kreisen. Durch die Finanzmarktkrise seien diese aber nicht leichter geworden.

 

Von

rtr

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