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11.06.2014

15:53 Uhr

Immobilienkredite verkauft

Commerzbank entsorgt Altlasten

Die Commerzbank kommt beim Verkauf von Altlasten voran: Sie verkauft ein Paket mit problematischen Immobilienkrediten in Spanien, Portugal und Japan. Ein US-amerikanisches Konsortium zahlt dafür eine Milliardensumme.

Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main: Die Bank verabschiedet sich aus dem Immobilienkreditgeschäft in Spanien und Portugal. dpa

Commerzbank-Turm in Frankfurt am Main: Die Bank verabschiedet sich aus dem Immobilienkreditgeschäft in Spanien und Portugal.

Frankfurt am MainDie Commerzbank kommt mit dem Abbau ihrer riskanten Immobilienkredite im Ausland schneller voran als gedacht. In Spanien und Portugal verkauft sie gewerbliche Immobilienfinanzierungen im Volumen von 4,4 Milliarden Euro an die US-Investmentbank JPMorgan und den Finanzinvestor Lone Star, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. In Finanzkreisen wurde der Preis dafür auf 3,7 bis 3,9 Milliarden Euro beziffert. Zu dem Portfolio gehören 1,4 Milliarden Euro an notleidenden Krediten, die die Bank nur mit Abschlägen loswird.

In Japan schlug das zweitgrößte deutsche Geldhaus sein letztes Immobilienfinanzierungs-Geschäft außerhalb Europas los. Dieses war noch rund 700 Millionen Euro schwer.

Damit sei die Bank nun fast alle Immobilienkredite los, die sie als „stärker risikobehaftet“ einstuft, hieß es in der Mitteilung. In die Kategorie fallen nun noch Schiffskredite über rund drei Milliarden Euro. An ausfallgefährdeten Immobilienkrediten hat die Commerzbank nun noch 3,4 Milliarden Euro auf der Bilanz.

Die Commerzbank hatte vor zwei Jahren beschlossen, aus der Großimmobilien- und Schiffs-Finanzierung auszusteigen, weil diese zu viel Kapital binde und zu schwankungsanfällig sei. In Großbritannien hatte sie ihr Geschäft bereits verkauft – ebenfalls an ein Konsortium unter Beteiligung von Lone Star. Die Bestände unter anderem in Frankreich, Italien und Deutschland sind noch da.

Das Geschäftsjahr 2013 der Commerzbank

Unter dem Strich

Die Bank erwirtschaftete Erträge in Höhe von 9,27 Milliarden Euro und erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 725 Millionen Euro (2012: 1,17 Milliarden Euro). Der Gewinn nach Steuern betrug 78 Millionen Euro (-47 Millionen Euro im Jahr 2012).

Privatkunden

Mit modernen Filialen und einem runderneuerten Online-Banking will die Commerzbank im Privatkundengeschäft in die Spur finden. Das operative Ergebnis der Sparte lag 2013 mit 225 Millionen Euro fast exakt auf dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal gab es ein operatives Plus von 60 Millionen Euro (nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Mittelstandsbank

Im Geschäft mit Mittelstandskunden ist die Commerzbank einer der wesentlichen Akteure auf dem deutschen Markt. Das operative Ergebnis schrumpfte 2013 auf 1,1 Milliarden Euro (nach 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012). Die Risikovorsorge – Rückstellungen für vom Ausfall bedrohte Kredite – lag bei 470 Millionen Euro. Im Jahr 2012 hatten Sondereffekte zu einer Risikovorsorge nahe null geführt.

Zentral- und Osteuropa

In diesem Segment ist vor allem das Engagement der Commerzbank in Polen erfasst. Die Tochter „mBank“ ist dort als Direktbank aktiv. Das operative Ergebnis lag 2013 bei 254 Millionen Euro und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bank Forum in der Ukraine hatte die Commerzbank 2012 bereits verkauft.

Kapitalmarktgeschäft

Im Segment „Corporates & Markets“ gab es einen Anstieg des operativen Ergebnisses auch wegen eines positiven Effekts bei der Bewertung eigener Verbindlichkeiten. Notieren die Anleihen von Banken an den Kapitalmärkten schwächer, hat das einen positiven Effekt auf die Bilanz – denn dann kann der Wert der Verbindlichkeiten niedriger angesetzt werden. Insgesamt kletterten das operative Ergebnis 2013 von 202 auf 778 Millionen Euro.

Interne „Bad Bank“

Im Segment „Non-Core Assets“ fasst die Bank Wertpapiere zusammen, die als Altlast aus der Finanzkrise gesehen werden oder aus der missglückten Übernahme der Immobilienbank Eurohypo stammen. Der Abbau der Positionen sei 2013 schneller voran gegangen als zunächst erhofft. Dei Bestände sollten auf 125 Milliarden Euro schrumpfen – tatsächlich landete die Bank bei 116 Milliarden Euro.

Zuletzt hatte die Commerzbank in Aussicht gestellt, ihr in einer internen „Bad Bank“ gebündeltes Engagement in Immobilien, Schiffen und Staats-Krediten bis 2016 auf 75 Milliarden Euro abzubauen. Mit den Zahlen zum zweiten Quartal soll ein ehrgeizigeres Ziel präsentiert werden, wie die Bank am Mittwoch erklärte. Ende März war die „Bad Bank“ noch 102 Milliarden Euro schwer. Den Großteil der Finanzierungen stuft die Bank aber als wenig riskant ein.

Die Commerzbank wollte sich nicht zum Verkaufspreis für die Portfolien auf der iberischen Halbinsel und in Japan äußern. Die beiden Transaktionen zusammen brächten aber im laufenden Quartal einen Verlust von rund 100 Millionen Euro. „In Spanien haben wir die guten Marktopportunitäten voll ausschöpfen und die Ergebnisbelastungen im Rahmen des Bieterverfahrens spürbar reduzieren können“, erklärte Bereichsvorstand Sascha Klaus. Das Eigenkapital werde um 200 Millionen Euro entlastet, weil die Bank die riskanten Kredite mit 3,2 Milliarden Euro hatte absichern müssen.

Der Abbau macht den Commerzbank-Anlegern Hoffnung. Die Aktie drehte nach der Mitteilung ins Plus und notierte mit 12,65 Euro gegen den Markttrend gut ein Prozent höher.

In Spanien ist die Commerzbank künftig gar nicht mehr in der gewerblichen Immobilienfinanzierung vertreten, die Mitarbeiter werden von Lone Star übernommen. Im Portugal behält sie den Teil der Kredite, die ordentlich bedient und getilgt werden. In Japan gehen nachrangige Darlehen über rund 700 Millionen Euro an den auf Asien spezialisierten Investor PAG. Dabei muss die Bank laut Finanzkreisen einen kleinen Abschlag auf den Buchwert hinnehmen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.06.2014, 09:55 Uhr

Auf jeden Fall schlägt das Ergebnis mit abermals 100 Millionen Euro minus für die Coba zu Buche.
Hier gibt es zwei Seiten,J.P.M und Loanstar Corp. die auf eine Erholung dieser Kredite spekulieren und die Coba,die dagegen setzt.
Was aber jetzt schon gesagt werden kann,dass das Q2 Ergebnis der Coba wieder die Erwartungen verfehlen wird.Damit wird es auch schwer die 0,63 Euro je Aktie für 2014 zu erzielen.

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