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02.04.2014

17:12 Uhr

Insiderangaben

BayernLB will Ungarn-Tochter loswerden

Der Millionenverlust der Ungarn-Tochter MKB ließ auch den Gewinn der BayernLB einbrechen – doch die Wege könnten sich bald trennen. Die Landesbank verhandelt offenbar mit der größten Bank in Ungarn über einen Verkauf.

Die BayernLB, die mehrheitlich dem Land Bayern gehört, muss die MKB auf Druck der EU spätestens bis 2015 verkaufen. dpa

Die BayernLB, die mehrheitlich dem Land Bayern gehört, muss die MKB auf Druck der EU spätestens bis 2015 verkaufen.

FrankfurtDie BayernLB könnte ihre kriselnde ungarische Tochter MKB bald loswerden. Die zweitgrößte deutsche Landesbank verhandelt Insidern zufolge über einen Verkauf des Verluste schreibenden Instituts an die größte ungarische Bank OTP. Beide Geldhäuser stünden schon länger in Kontakt und würden auf einen Abschluss hinarbeiten, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Einigung hätten OTP und die Münchner Bank allerdings noch nicht erzielt. Gestritten werde unter anderem noch über den Kaufpreis, sagte einer der Insider. Beide Banken wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

Für die BayernLB wäre ein Verkauf der MKB ein Befreiungsschlag. Das ungarische Institut leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung in dem osteuropäischen Land sowie unter den Abgaben, die Banken auf Druck der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban leisten müssen.

Im vergangenen Jahr weitete die MKB ihren Verlust um rund ein Drittel auf 409 Millionen Euro aus, in der Folge brach auch der Gewinn der BayernLB um gut 80 Prozent auf 120 Millionen Euro ein.

Die BayernLB, die mehrheitlich dem Land Bayern gehört, muss die MKB auf Druck der EU spätestens bis 2015 verkaufen. Allerdings wäre das Münchner Geldhaus Finanzkreisen zufolge froh, wenn sie die MKB früher los wird.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte kürzlich erklärt, er sei für Gespräche in Ungarn gewesen. Ein Verkauf vor der ungarischen Parlamentswahl am Sonntag sei jedoch unwahrscheinlich, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Danach könne der Verkaufsprozess aber Fahrt aufnehmen.

Die OTP Bank sitzt auf Barmitteln von rund sechs Milliarden Euro und könnte durch die Übernahme ihre Stellung als größtes ungarisches Geldhaus ausbauen. Die Bank würde damit auch einem Wunsch von Ministerpräsident Orban entsprechen. Der Politiker, der als Favorit in die Wahl am Sonntag geht, möchte, dass die Mehrheit des ungarischen Finanzsektors in der Hand heimischer Anbieter ist.

OTP-Chef Sandor Csanyi hatte kürzlich erklärt, er sei offen für Zukäufe, wenn es Übernahmeziele gebe und der Preis stimme. Ausländische Banken dürften an der MKB und einem Engagement in Ungarn aus Sicht von Experten dagegen kein Interesse haben. Orbans Politik schrecke potenzielle Käufer ab.

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