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20.05.2014

11:20 Uhr

Insiderbericht

Commerzbank verkauft Spanien-Kredit für Milliarden

Die US-Bank JPMorgan und der Finanzinvestor Lone Star wollen die Immobilienkredite der Commerzbank für knapp vier Milliarden Euro übernehmen, berichten Insider. Trotzdem muss das Geldhaus deutliche Einbußen hinnehmen.

Die Commerzbank wird ihre Spanien-Kredite los, berichten Insider. dpa

Die Commerzbank wird ihre Spanien-Kredite los, berichten Insider.

Frankfurt/MadridDie Commerzbank hat für ihre Immobilienkredite in Spanien Finanzkreisen zufolge einen Käufer gefunden. Die US-Investmentbank JPMorgan und der Finanzinvestor Lone Star, die sich in einem Konsortium zusammengeschlossen hatten, wollen das Paket für 3,7 bis 3,9 Milliarden Euro übernehmen, wie zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen Reuters am Dienstag sagten. Ein Insider sprach von einer vorläufigen Einigung, der andere sagte, es seien noch technische Einzelheiten zu klären. Die Gespräche seien im finalen Stadium, eine Entscheidung sei in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Commerzbank und Lone Star äußerten sich nicht zum Stand der Verhandlungen, JPMorgan war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Kreditpaket, das vor allem aus Darlehen für Büros und Einkaufszentren besteht, hat ein Volumen von rund 4,2 Milliarden Euro. Zu den finanzierten Objekten gehört etwa das „Ritz“-Hotel in Madrid. Beim Preis für das Paket musste die Commerzbank Abstriche machen, weil Kredite im Volumen von rund einer Milliarde Euro als schwer oder nicht einbringlich gelten. Lone Star wolle rund 25 Commerzbank-Mitarbeiter übernehmen, um die faulen Kredite zu bearbeiten, sagte ein Insider.

Das Geschäftsjahr 2013 der Commerzbank

Unter dem Strich

Die Bank erwirtschaftete Erträge in Höhe von 9,27 Milliarden Euro und erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 725 Millionen Euro (2012: 1,17 Milliarden Euro). Der Gewinn nach Steuern betrug 78 Millionen Euro (-47 Millionen Euro im Jahr 2012).

Privatkunden

Mit modernen Filialen und einem runderneuerten Online-Banking will die Commerzbank im Privatkundengeschäft in die Spur finden. Das operative Ergebnis der Sparte lag 2013 mit 225 Millionen Euro fast exakt auf dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal gab es ein operatives Plus von 60 Millionen Euro (nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Mittelstandsbank

Im Geschäft mit Mittelstandskunden ist die Commerzbank einer der wesentlichen Akteure auf dem deutschen Markt. Das operative Ergebnis schrumpfte 2013 auf 1,1 Milliarden Euro (nach 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012). Die Risikovorsorge – Rückstellungen für vom Ausfall bedrohte Kredite – lag bei 470 Millionen Euro. Im Jahr 2012 hatten Sondereffekte zu einer Risikovorsorge nahe null geführt.

Zentral- und Osteuropa

In diesem Segment ist vor allem das Engagement der Commerzbank in Polen erfasst. Die Tochter „mBank“ ist dort als Direktbank aktiv. Das operative Ergebnis lag 2013 bei 254 Millionen Euro und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bank Forum in der Ukraine hatte die Commerzbank 2012 bereits verkauft.

Kapitalmarktgeschäft

Im Segment „Corporates & Markets“ gab es einen Anstieg des operativen Ergebnisses auch wegen eines positiven Effekts bei der Bewertung eigener Verbindlichkeiten. Notieren die Anleihen von Banken an den Kapitalmärkten schwächer, hat das einen positiven Effekt auf die Bilanz – denn dann kann der Wert der Verbindlichkeiten niedriger angesetzt werden. Insgesamt kletterten das operative Ergebnis 2013 von 202 auf 778 Millionen Euro.

Interne „Bad Bank“

Im Segment „Non-Core Assets“ fasst die Bank Wertpapiere zusammen, die als Altlast aus der Finanzkrise gesehen werden oder aus der missglückten Übernahme der Immobilienbank Eurohypo stammen. Der Abbau der Positionen sei 2013 schneller voran gegangen als zunächst erhofft. Dei Bestände sollten auf 125 Milliarden Euro schrumpfen – tatsächlich landete die Bank bei 116 Milliarden Euro.

Die spanische Zeitung „Expansion“ hatte als erste über eine Einigung berichtet, aber einen Preis von 3,5 Milliarden Euro genannt. Organisiert wird der Verkauf - intern „Projekt Octopus“ genannt - von der Investmentbank Lazard. Die Commerzbank hatte 2012 beschlossen, aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung auszusteigen und die Tochter Eurohypo (heute Hypothekenbank Frankfurt) abzuwickeln.

Die Commerzbank hatte fünf Offerten für das Portfolio der ehemaligen Eurohypo in Spanien auf dem Tisch. Dabei hatte zumeist je eine Bank zusammen mit einem Finanzinvestor geboten. Letztere übernehmen die faulen Kredite, während die Banken jene Darlehen abwickeln, die ordnungsgemäß bedient und getilgt werden. Nach diesem Muster war die Commerzbank im vergangenen Jahr bereits ihre Immobilienkredite in Großbritannien losgeworden. Damals hatte ebenfalls Lone Star den Zuschlag erhalten, allerdings nicht mit JPMorgan, sondern mit der US-Bank Wells Fargo

Von

rtr

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