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23.04.2003

07:29 Uhr

Institute geben Darlehen weiter

Banken werfen Kreditlasten ab

Fünf deutsche Großbanken und die staatliche Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wollen in großem Stil Kredite guter Bonität verbriefen und am Kapitalmarkt platzieren. Ein solcher Schritt würde die Bilanzen der ertragsschwachen Banken entlasten und ihre Eigenkapitalquote zunächst erhöhen.

HB FRANKFURT/M. Dadurch entstünde theoretisch Spielraum zur Vergabe neuer Kredite an Firmenkunden. Die Initiative, deren Einzelheiten heute vorgestellt werden, trägt der Sorge vor einer Kreditklemme in Deutschland Rechnung. Vor allem mittelständische Unternehmen beklagen, dass sich die Banken bei der Kreditvergabe zunehmend restriktiv verhalten.

Geplant ist die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für so genannte Kreditverbriefungen noch in diesem Sommer. An der ABS-Gesellschaft werden – neben der KfW – Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank sowie das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank beteiligt sein. Durch die Kooperation sind größere Emissionen möglich als bei einem Alleingang der einzelnen Institute. Dies erhöht die Attraktivität für die Investoren. Offen ist noch, ob die Sparkassen mitmachen.

In Finanzkreisen wurde gestern betont, es handele sich bei der Initiative nicht um die Gründung einer so genannten „Bad Bank“. Der Aufbau einer Bad Bank, die den Banken ihre faulen Kredite abnimmt, wurde vor einigen Monaten bei einem Treffen von Bundeskanzler Schröder mit den Bankenchefs diskutiert. Kritiker warnten allerdings vor der Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung, wenn Banken schlechte Kredite mit Hilfe des Staates entsorgen könnten.

Das neue ABS-Unternehmen soll dagegen keine staatlichen Garantien erhalten. Außerdem wird es den Banken nur erstklassige Forderungen abkaufen. Anschließend werden die Darlehen gebündelt und am Kapitalmarkt platziert. Für die Kreditnehmer ändert sich dadurch nichts, denn die Verwaltung ihrer Darlehen obliegt weiterhin den Banken. Die Institute profitieren von dem Modell, weil sie sofort Geld erhalten und nicht erst im Zuge der Kredittilgung. Außerdem wird Eigenkapital frei, mit dem sie neue Kredite unterlegen können. Dabei profitieren sie von den in jüngster Zeit gestiegenen Kreditzinsen.

Eine wichtige Voraussetzung der neuen Initiative ist eine Änderung des Steuerrechts, die nach den Plänen von Finanzminister Hans Eichel ABS-Gesellschaften ab Sommer von der Gewerbesteuer befreit. Von dieser Neuregelung verspricht sich die Finanzwelt einen kräftigen Aufschwung für den ABS-Markt, der in Deutschland bisher unterentwickelt ist. Finanzkreise gehen davon aus, dass die Banken mit dem neuen Vehikel Kredite im Volumen von rund 30 Mrd. Euro jährlich verbriefen könnten. Schon in diesem Jahr könnte ein niedriger zweistelliger Milliardenbetrag an den Markt kommen. Die Wertpapiere werden bei institutionellen Anlegern platziert. Privatanleger haben bisher nur indirekten Zugang, da die ABS-Anleihen gelegentlich in Geldmarkt- oder Rentenfonds enthalten sind.

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