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13.01.2005

09:22 Uhr

Institute verdienen glänzend – Blick geht nach Osten

Nordeuropas Banken kämpfen um Vorherrschaft

Für Nordeuropas Banken war 2004 ein gutes Jahr. 2005 soll dem in nichts nachstehen. Die Aktien der nordischen Banken legten im fast abgelaufenen Jahr zwischen 16 und 28 Prozent zu.

hst STOCKHOLM. Hohe Gewinne, geringe Kreditverluste und geglückte Kostensenkungsprogramme haben die Finanzdienstleister im hohen Norden Europas zu den Gewinnern des vergangenen Jahres gemacht. Die Aktien der nordischen Banken legten im fast abgelaufenen Jahr zwischen 16 und 28 Prozent zu.

2004 war für alle nordeuropäischen Institute auch das Jahr der Übernahmen. Keine Mega-Fusionen, sondern die Jagd auf kleine Konkurrenten prägte das Jahr. Nach Ansicht von Per Törnqvist, Banken- Analyst bei Standard & Poors in Stockholm, sind innernordische Fusionen aus Wettbewerbsgründen nun kaum noch durchzuführen. „Deshalb suchen die Großen jetzt nach kleinen Übernahmeobjekten.“

Besonders aggressiv war dabei die isländische Bank Kaupthing, die 2004 für umgerechnet 980 Mill. Eu-ro die dänische Bank FIH schluckte. Außerdem hat Kaupthing in Finn-land und Schweden mehrere Fondsverwalter übernommen. Doch Kaupthing ist mit seinem Kreuzzug durch Nordeuropa eher die Ausnahme: Die meisten anderen nordeuropäischen Banken haben ihre Blicke bei der Suche nach geeigneten Kaufobjekten über die Grenzen Nordeuropas hinaus geworfen. Allen voran Dänemarks größte Bank, Danske Bank, die vor ein paar Wochen die Übernahme der nordirischen Northern Bank und der National Irish Bank für umgerechnet rund 1,4 Mrd. Euro bekannt gab. Danske Bank ist zuvor vor allem auf dem schwedischen Markt durch die Übernahme mehrerer regionaler Banken gewachsen. Dabei hat der dänische Konzern stets versucht, die regionalen Besonderheiten zu erhalten und lässt die übernommenen Banken weiterhin unter ihrem alten Namen arbeiten.

Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, denn gerade wurde Danske Bank im „Feindesland“ Schweden zur „Bank des Jahres“ gewählt. Und noch ist der Expansionsdrang der Dänen nicht gestillt: Man wolle „organisch oder durch Übernahmen weiter wachsen“, sagte ein Danske-Bank-Sprecher. In Nordeuropa hat Danske Bank mittlerweile drei Mill. Privatkunden und etwa 150 000 Firmenkunden.

Die schwedische Konkurrenz sieht aber nicht tatenlos dem Expansionsdrang der Dänen zu: SEB, Handelsbanken und Swedbank gelten als Interessenten an der dänischen Bank Roskilde Bank. Außerdem kündigte Swedbank-Vorstandschef Carl Erik Stalberg an, das Dänemark-Engagement seiner Bank auszuweiten. „Unser Ziel ist organisches Wachstum, unterstützt von Akquisitionen“, sagte er.

Doch vor allem haben die großen Banken Osteuropa als ihren Wachstumsmarkt definiert: Nach der Expansion in den baltischen Ländern, wo die schwedischen Banken SEB, Swedbank und Nordea zu Marktführern über ihre dortigen Tochterunternehmen geworden sind, gelten jetzt Polen und auch die Ukraine als neue Ziele. SEB-Chef Lars Thunell hat angekündigt, allein in diesem Jahr in Polen 30 neue Filialen zu eröffnen. Außerdem übernahm seine Bank ein kleines ukrainisches Institut.

Anfang Dezember eröffnete Handelsbanken eine Zweigstelle in Warschau. Sie soll nicht die letzte sein. Die durch Fusionen finnischer, schwedischer, norwegischer und dänischer Banken entstandene pan- nordeuropäische Nordea ist in Polen bereits mit 50 Filialen vertreten. SEB hält 47 Prozent an der polnischen Bank Bos, die 87 Zweigstellen besitzt.

Für dieses Jahr rechnen die nordeuropäischen Banken vor allem mit Wachstum außerhalb der eigenen Landesgrenzen. Doch auch auf den Heimatmärkten sieht die nahe Zukunft recht gut aus. Die meisten Ökonomen rechnen mit einem Wachstum von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Banken wären die Profiteure einer guten makroökonomischen Entwicklung. Und die Kreditaufnahme der privaten Haushalte wird allen Vorhersagen nach weiter zunehmen und damit die schon guten Zinserträge der Banken weiter verbessern.

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