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05.04.2011

14:44 Uhr

Integration Dresdner Bank

Commerzbank-Kunden müssen Geld horten

VonYasmin Osman

Exklusiv Reichlich Bargeld müssen die Kunden der Commerzbank am nächsten Wochenende und über Ostern bereithalten. Denn dank der IT-Integration der Dresdner Bank sind ihre EC-Karten lahmgelegt.

Äußerlich ist die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank bereits abgeschlossen. Auch auf der technischen Plattform soll die Integration nun erfolgen. Quelle: dapd

Äußerlich ist die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank bereits abgeschlossen. Auch auf der technischen Plattform soll die Integration nun erfolgen.

Frankfurt Es ist eines der größten IT-Projekte der deutschen Bankenszene. Bis Ostermontag will die Commerzbank die elf Millionen Kunden der Dresdner Bank und der alten Commerzbank auf eine gemeinsame technische Plattform hieven. Für die Bankkunden bringt die Zusammenlegung größere Einschränkungen: An diesem Wochenende und an den Ostertagen, also insgesamt an sechs Tagen, lassen sich Bankgeschäfte weder am Telefon noch im Internet abschließen. Damit nicht genug: An den Selbstbedienungsautomaten gibt es weder Kontoauszüge, noch sind Überweisungen möglich.

Ganz hart aber trifft es rund 140.000 Kunden. Ihnen sperrt die Commerzbank in den sechs Tagen der Umstellung praktisch ihre Girocard, also die ehemalige EC-Karte. Kein Geldabheben am Automaten - weder an den eigenen noch an fremden Geräten, kein Bezahlen mit der Girocard im Hotel, im Restaurant oder an der Tankstelle, sobald die Geheimzahl dazu nötig wäre. "Wir bitten Sie, Ihre Bankgeschäfte vor den genannten Wochenenden zu erledigen und sich mit Bargeld zu versorgen", steht in einem Kundenschreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Etwas anderes bleibt diesen Kunden mitten in der Reisezeit auch nicht übrig, denn per Telefon, Internet oder Selbstbedienungsterminal geht ja auch nichts an diesen Tagen.

Soviel Klartext sucht man auf der Internetseite www.klartext.commerzbank.de vergeblich. Dort ist noch zu lesen, dass die EC-Karten einsetzbar seien. Wer sich ein bisschen durch die Internetseiten der Bank durchklickt, erfährt immerhin, dass es "in Einzelfällen zu Einschränkungen" kommen könne. Die "Einzelfälle" beziffert ein Commerzbank-Sprecher auf Nachfrage auf 140000 Kunden. Diese seien allesamt persönlich informiert worden. Dass sie ihr Plastikgeld nicht nutzen könnten, habe "technische Gründe". Details Fehlanzeige.

Leichte Vorteile für "alt-grüne" Kunden im Internet

Auch beim Online-Banking gibt es Abstufungen mit leichtem Vorteil für die ehemaligen Dresdner-Bank-Kunden: Denn die "alt-grünen" Kunden, wie sie im internen Commerzbank-Jargon heißen, können zumindest am kommenden Wochenende ihre Bankgeschäfte im Internet abwickeln - und damit zum Beispiel vorab ein paar Rechnungen für den Osterurlaub begleichen. Nur die "alt-gelbe" Kundschaft bleibt offline. An Ostern sind "alt-gelbe" und "alt-grüne" Kunden dann gemeinsam offline.

"Das sind schon alles erhebliche Einschränkungen für die Kunden", sagt ein IT-Experte. Die Einschnitte seien sogar massiver als bei der Software-Umstellung der HypoVereinsbank (HVB) im August 2010. Damals klemmte auch die HVB das Telefon- und Internetbanking ab - aber nur an einem Wochenende. Auch vom Bargeld blieb niemand ganz abgeschnitten: Die bankeigenen Automaten funktionierten zwar damals am Sonntagnachmittag nicht, doch Kunden konnten auf fremde Automaten ausweichen.

Angesichts der Größe des IT-Projekts äußert der IT-Fachmann aber Verständnis für den zeitlichen Aufwand, den die Bank betreibt: "Die Commerzbank hat nur einen Schuss, alles andere wäre schlecht für ihre Reputation", sagt er.

Kommentare (11)

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bankdirektor

05.04.2011, 12:28 Uhr

In 40 Jahren Mitarbeit bei der Dresdner Bank habe ich manche EDV-Umstellung mitgemacht. Trotz des grossen Umfangs dieser Aktion, ist es unmöglich die kunden so lange "vom Netz" zu nehmen. Wenn es tatsächlich so kommt wie beschrieben, werde ich der Bank endgültig den Rücken kehren, da der Service und die Kundenorientierung seit Übernahme der Commerzbank stets nachgelassen hat.

flyingfridge

05.04.2011, 16:33 Uhr

Ich war mal bei einer sehr guten Direktbank namens Advance Bank. Als die von der Dresdner geschluckt wurde und ich plötzlich das miese Online-Portal der Dresdner nutzen musste, war ich schon sauer. Als ich dann mal mehr als ein Monatsgehalt auf dem Girokonto hatte bekam ich gleich Spam von "meinem persönlichen Berater", man müsse sich mal über Anlagevorschläge unterhalten. Dann bin ich weg. Und wie ich sehe, war das auch gut so.

Account gelöscht!

05.04.2011, 16:54 Uhr

Naja also 2 Vorangekündigte WE sind jetzt wirklich kein Beinbruch. So eine Umstellung ist verdammt schwierig und sollte gut geplant sein. Für eine Sinnvolle Migration braucht man nunmal ein System ohne Nutzer. Das wäre bei jeder Bank so.

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