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04.07.2012

17:15 Uhr

Interbankenzins

„Libor ist anfällig für Manipulationen“

ExklusivDie Aufdeckung des Libor-Skandals darf nach Ansicht des künftigen Vorsitzenden der Monopolkommission nicht ohne Konsequenzen bleiben. Daniel Zimmer hält den Interbankenzins für grundsätzlich manipulationsanfällig.

Kunden stehen an EC-Automaten einer Barclays-Filiale. dpa

Kunden stehen an EC-Automaten einer Barclays-Filiale.

DüsseldorfDer Bonner Wirtschaftsrechtsprofessor und designierte Vorsitzende der  Monopolkommission, Daniel Zimmer, fordert nach den Manipulationen des Interbankenzinses Libor Konsequenzen. „Die Geschehnisse der letzten Jahre zeigen, dass das bisher praktizierte System für betrügerische Manipulationen anfällig ist“, sagte Zimmer in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Libor ist ein täglich vom britischen Bankenverband errechneter Zins, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen würden. Er dient weltweit für viele Geldgeschäfte als Orientierungsmarke. Banken sollen sich durch Manipulation des Libor bereichert haben. Künstlich beeinflusste Libor-Kurse hätten  in einer kaum zu ermessenden Größenordnung zu ungerechtfertigten Umverteilungen geführt. „ Es liegt auf der Hand, dass die Aufdeckung dieser Praxis das Vertrauen in die Integrität des Marktes untergräbt. Referenzzinssätze müssen künftig auf nicht manipulationsanfälliger Grundlage ermittelt werden“, so Zimmer.

Auch aufsichtsrechtlich sollten nach Einschätzung Zimmers Konsequenzen gezogen werden. „Die internationale Dimension der Libor- und der Euribor-Manipulationen gibt einen Hinweis darauf, dass auch bei der Ermittlung und Ahndung von Fehlverhalten eine europäische Aufsicht in Zukunft sinnvoll sein kann“, sagte Zimmer.

Von

fmd

Kommentare (1)

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Mazi

05.07.2012, 22:33 Uhr

"„Die internationale Dimension der Libor- und der Euribor-Manipulationen gibt einen Hinweis darauf, dass auch bei der Ermittlung und Ahndung von Fehlverhalten eine europäische Aufsicht in Zukunft sinnvoll sein kann“, sagte Zimmer."

Ich halte den Ansatz nicht für konsequent genug. Wenn man eine Aufsicht mit einem derartigen Auftrag aufbauen wollte, dann muss man dem "Obermohr" gleichzeitig klarmachen, dass es seinen Kopf kostet, wenn die Sache nicht funktioniert. Es muss ihm auch klar gemacht werden, dass dies bedeutet, dass seine Pension in dem Fall weg ist. Erst dann wird's funktionieren. Die Angst davor wird ihn zwingen darauf zu achten, dass unter ihm gearbeitet wird. Leistung und Gegenleistung müssen in einem gesunden Verhältnis zu einander stehen. Das ist auf vielen Posten nicht so. "Je höher, ums so weniger." Nur Kassiererinnen werden wegen einem Pfandbon geschasst.

Wo konnte es denn sein, dass der größte Finanzmarktindikator von der Bankenaufsicht BAFin offensichtlich nie überwacht bzw. geprüft wurde. Da hat doch die BAFin offensichtlich die kleinen Fische im Teich gejagt und die Raubfische gefüttert.

Heute ist es doch so, dass gleich der politische Rücktritt angeboten wird und der "scheinbar so gestrafte" sich kaputt lacht über die frühe Pension. Der Gedanke an Wulff ist dabei nur zufällig, aber ebenso zutreffend.

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