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12.07.2013

21:21 Uhr

Interessenskonflikt

Börsengänge bringen Ärger für die Deutsche Bank

VonKatharina Slodczyk, Michael Maisch

ExklusivDen überambitionierten Börsengang der Deutschen Annington konnte die Deutsche Bank gerade noch retten. Doch dann hob sie auch einen Konkurrenten aufs Parkett. Hinter den Kulissen brodelt es.

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt: In Finanzkreisen ist die Rede von Interessenskonflikten. dpa

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt: In Finanzkreisen ist die Rede von Interessenskonflikten.

Frankfurt/LondonAuf dem Börsengang der Deutschen Annington scheint kein Segen zu liegen. Erst musste der Immobilienkonzern sein Parkettdebüt verschieben und deutlich abspecken. Jetzt gibt es auch noch Ärger im Bankenkonsortium, das die Papiere im zweiten Anlauf schließlich doch noch mit einem deutlichen Preisnachlass an den Markt brachte.

Die Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, die die Mehrheit an der Deutschen Annington hält, ist alles andere als amüsiert darüber, dass die Deutsche Bank nicht nur half die Papiere der Immobilientochter an die Börse zu bringen, sondern beinahe zeitgleich auch die des Konkurrenten Gagfah. Terra Firma werfe den Investmentbankern der Deutschen Bank einen klaren Interessenskonflikt vor, heißt es in Finanzkreisen.

Zwei andere am Börsengang der Deutschen Annington beteiligten Banken hätten den Auftrag von Gagfah abgelehnt, die Deutsche Bank dagegen habe das Mandat akzeptiert, ohne um Erlaubnis zu fragen. Keine der beteiligten Parteien wollte den Streit kommentieren.

Letztlich waren es die Irrungen und Wirrungen rund um den Börsengang der Deutschen Annington, die die Investmentbanker der Deutschen Bank in eine peinliche Situation brachten.

Am Dienstag, den 2. Juli musste der größte deutsche Wohnungskonzern seinen geplanten Börsengang erst einmal absagen, weil sich zum Mindestpreis von 18 Euro je Aktie bei weitem nicht genügend Investoren fanden. Geführt wurde die Platzierung von JP Morgan und Morgan Stanley, die Deutsche Bank befand sich in der zweiten Reihe des Konsortiums.

Nach Börsengang

„Ein guter Tag für die Deutsche Annington“

Nach Börsengang: „Ein guter Tag für die Deutsche Annington“

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Nach der Absage der Annington-Emission wurde die Deutsche Bank von Gagfah kontaktiert.

Das Frankfurter Geldhaus sollte bei einer Großplatzierung inklusive Kapitalerhöhung helfen. Am Montag den 8. Juli sagte die Deutsche Bank Gagfah endgültig zu. Es ging um den Verkauf von insgesamt 40 Millionen Aktien der Immobilienfirma. 20 Millionen Anteilsscheine davon sollten aus dem Besitz der Beteiligungsgesellschaft Fortress kommen, deren Anteil an dem Konzern dadurch unter 50 Prozent sinken würde.

Wenig später wurden die Deutsch Banker anscheinend von der Nachricht überrascht, dass der Börsengang der Deutschen Annington doch wiederbelebt wird. Im Schnellverfahren sollten JP Morgan und Morgan Stanley nun knapp 35 Millionen Aktien in einer Preisspanne von 16,50 bis 17 Euro losschlagen.

Dieses Mal wurde die Platzierung ein Erfolg. Am Dienstag, den 9. Juli konnten die Konsortialführer nach nur acht Stunden die Orderbücher schließen, weil die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg. Allerdings fiel der Börsengang mit 575 Millionen Euro nur etwa halb so groß aus, wie ursprünglich geplant.

Noch am Dienstag Abend gingen die Deutschen Bank und Goldman Sachs mit den Details der Gagfah-Kapitalerhöhung an den Markt am Ende wurden die Papiere des Annington Wettbewerbers für 8,85 Euro platziert.

Die Deutsche Bank wollte offenbar keinen ihrer beiden Kunden enttäuschen. In Finanzkreisen heißt es, dass die Deutsche Annington den Börsenprospekt hätte ändern müssen, wenn das Frankfurter Geldhaus das Konsortium verlassen hätte, was die geplante Schnellplatzierung hätte gefährden können. Enttäuscht ist jetzt aber trotzdem einer der Kunden. Nach Überzeugung von Terra Firma hätte die Deutsche Bank Gagfah einen Korb geben müssen, um einen Interessenskonflikt zu vermeiden, heißt es in Finanzkreisen.

Kommentare (6)

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Roothom

13.07.2013, 00:16 Uhr

"die Deutsche Bank dagegen habe das Mandat akzeptiert, ohne um Erlaubnis zu fragen"
"Nach der Absage der Annington-Emission wurde die Deutsche Bank von Gagfah kontaktiert. "
wo leben wir eigentlich? annington vergeigt den eigenen börsengang, weil zu gierig - dann hüh und hott doch noch aufs parkett. und bis die sich mal entschieden haben, sollen alle warten und andere mandate ablehnen bzw. um erlaubnis bitten? übersteigertes geltungsbewusstsein - oder?!

btw

13.07.2013, 07:35 Uhr

Annington macht auf dicke Welle.
Hochmut kommt vor dem Fail.

Account gelöscht!

13.07.2013, 08:22 Uhr

Well done, Anshu !

Die Grundregel in dem Geschäft eines guten Investmentbankers lautet; nimm auf niemanden Rücksicht, nimm alles mit was du kriegen kannst und der Bonus gehört dir. Moral, Ethik und Skrupel sind nur etwas für Schlappschwänze und sonstige Gesellschaftsloser.

Naja egal, ich geh jetzt die 700 PS meines Aventador V12 in den Asphalt brennen. Hier in Hessen sind gerade Sommerferien. Da ist der Lohnsklave zum Glück immer auf Mallorca, und die Autobahnen sind (hoffentlich) schön frei. So einfach ist das !

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