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05.06.2013

11:38 Uhr

Interessent unter Druck

Deutsche Bank bangt um BHF-Verkauf

Die Deutsche Bank will die traditionsreiche BHF-Bank losschlagen. Doch das Geschäft gerät ins Stocken. Der Interessent RHJ International steht unter dem Druck der Aktionäre, alle Zukäufe zu stoppen.

Ausweg versperrt? Der Verkauf der BHF-Bank gerät ins Stocken und könnte die Deutsche Bank weiter belasten. Reuters

Ausweg versperrt? Der Verkauf der BHF-Bank gerät ins Stocken und könnte die Deutsche Bank weiter belasten.

BrüsselDie Deutsche Bank muss immer mehr um den Verkauf der BHF-Bank bangen. Der Interessent RHJ International steht unter zunehmendem Druck seiner Aktionäre, alle Zukäufe zu stoppen und Kapital auszuschütten. Nun prüft der größte Anteilseigner, die Franklin Equity Group, entsprechende Forderungen mehrerer Hedgefonds zu unterstützen. „Wir schauen uns die Vorschläge an und stehen auch im Dialog mit dem RHJI-Management“, heißt es in einer Erklärung von Edwin Lugo, Portfoliomanager der Franklin Equity Group. Nach Reuters-Daten hält der Investor 15,5 Prozent, während die Fonds auf knapp vier Prozent kommen. Damit hätten die Forderungen auf der RHJI-Hauptversammlung am 18. Juni deutlich mehr Gewicht.

Die Investorengruppe rund um den Genfer Hedgefonds Equilibria moniert die Strategie des vom früheren Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer geführten Unternehmens. Sie hält den Kauf der BHF-Bank für riskant. Das Unternehmen weist die Vorschläge als destruktiv und schädlich zurück und argumentiert, bei einem Stopp des BHF-Kaufs drohten Schadenersatzzahlungen.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Die Deutsche Bank hatte sich mit RHJI im September auf den Verkauf der traditionsreichen BHF-Bank für knapp 400 Millionen Euro geeinigt. Noch fehlt die Zustimmung der Finanzaufsicht Bafin, die schon einmal Zweifel an der Finanzkraft des Investors geäußert hatte. Dieser holte daraufhin Co-Finanzierer wie den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock ins Boot, der seinerseits auch gut neun Prozent an RHJI hält. Unternehmens-Mitgründer Timothy Collins ist mit gut 13 Prozent beteiligt.

Mehrere andere Fonds halten zwischen zwei und fünf Prozent – ihr Votum könnte am 18. Juni entscheidend sein. RHJI gehört bereits die britische Privatbank Kleinwort Benson, die Fischer mit der auf reiche Privatkunden spezialisierten BHF zusammenführen will. Damit soll der Investor zu einer Finanzgruppe weiterentwickelt werden. Während die Tochter Kleinwort Benson schwarze Zahlen schreibt, steckt RHJI in der Verlustzone.

Von

rtr

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