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24.01.2011

06:00 Uhr

Interview

„Analysen zur Liquidität getrennt durchführen“

VonMarietta Kurm-Engels

ExklusivStresstests für Banken sind keine Prognosen - das ist die Erkenntnis der vergangenen Stresstests. Laut Franz-Christoph Zeitler müssen die Erfahrungen in zukünftige Untersuchungen einbezogen werden. Der Bundesbank-Vizepräsidenten sprach mit dem Handelsblatt über die geplanten Tests.

Franz-Christoph Zeitler: Der Vizepräsident der Bundesbank. Quelle: dpa

Franz-Christoph Zeitler: Der Vizepräsident der Bundesbank.

Handelsblatt: Sie hatten sich im vergangen Jahr gegen die regelmäßige Wiederholung von Stresstests ausgesprochen. Jetzt kommen sie doch. Halten Sie das für sinnvoll?

Franz-Christoph Zeitler: Stresstests sind ein sinnvolles und notwendiges Instrument der Bankenaufsicht und werden auch von BaFin und Bundesbank regelmäßig genutzt. Bei einer Veröffentlichung, speziell einer Veröffentlichung der Daten einzelner Institute - verändern sie allerdings Ihren Charakter und können selbst zur Quelle von Risiken werden. In der Öffentlichkeit besteht die Neigung, die theoretischen Szenarien von Stresstests mit Prognosen zu verwechseln. Wenn Stresstests zu häufig gemacht und veröffentlicht werden, könnte auch der erhoffte Effekt auf die Vertrauensbildung der Märkte abstumpfen. Es kommt deshalb darauf an, die Rahmenbedingungen des geplanten Stresstests, den die neue europäischen Bankenaufsicht EBA durchführen wird, auch hinsichtlich möglicher Auffanglösungen für betroffene Institute und ihrer wettbewerbsrechtlichen Zuverlässigkeit sorgfältig abzuwäge

Was sind die Lehren aus den Stresstests vom vergangenen Jahr?

Die Glaubwürdigkeit der vergangenen Stresstests wurde insbesondere wegen der Entwicklung von Banken in Irland in Zweifel gezogen. Es wäre sicherlich sinnvoll gewesen, darauf zu achten, auch im Falle Irlands alle Banken einzubeziehen, deren aggregierte Bilanzsumme 50 Prozent des Bankensektors ausmacht, wie dies im Falle Deutschlands geschah. Umgekehrt zeigt die Entwicklung gerade in Deutschland, dass Stresstests keine Prognosen sind: Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft in unserem Land 2010 und 2011 Gott sei Dank gegenläufig zu den seinerzeitigen Stressannahmen; deutsche Staatsanleihen hatten im letzten Jahr erhebliche Kursgewinne. Es wäre gut, vor Durchführung neuer Stresstests die Erfahrungen aus dem letzten Test systematisch für die einzelnen Länder aufzuarbeiten.

Welche Kapitalvorschriften werden im neuen Test zugrunde gelegt?

Die Grundlage für Stresstests sollte immer der jeweils geltende Rechtsrahmen sein, derzeit also die Basel-II-Regeln in ihrer aktuellen Fassung. Die konkrete Umsetzung von Basel III in europäisches und nationales Recht steht erst 2012 an; das Inkrafttreten der Bestimmungen ist bewusst auf einen längeren Zeitraum ab 2013 verteilt, um die beiden Ziele der Kapitalstärkung und der Vermeidung negativer Auswirkungen auf das Kreditangebot zu verbinden.

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