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15.01.2009

15:15 Uhr

Interview

„Es fehlt die Transparenz“

Dominique Biedermann ist Direktor der Anlagestiftung Ethos. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über falsche Anreize bei der Banker-Vergütung, mangelnde Transparenz und die Frage, wie die Mitbestimmung der Aktionäre am Vergütungssystem verbessert werden könnte.

Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse: 14 Millionen Franken für ein Arbeitspensum von 60 Prozent. Foto: dpa dpa

Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse: 14 Millionen Franken für ein Arbeitspensum von 60 Prozent. Foto: dpa

Herr Biedermann, hat die Debatte über die Gehälter der Top-Banker etwas bewegt?

Wir hoffen sehr, dass sich etwas bewegt. Für die Aktionäre geht es bei den Gehältern nicht nur um eine Frage der Gerechtigkeit. Boni sind Kosten. Die UBS hat zum Beispiel 2007 noch zehn Mrd. Franken Boni ausgeschüttet. Da war die Krise schon im vollen Gange. Für die Aktionäre gab es dagegen keine Dividende. Außerdem wurden durch die Vergütungssysteme falsche Anreize gesetzt. Und es geht um die Reputation. Nehmen Sie den Fall Novartis. In der Schweiz spricht man mehr über den Lohn von Konzernchef Daniel Vasella als über die Medikamente.

Warum haben Sie kürzlich den Verwaltungsratspräsidenten der Credit Suisse, Walter Kielholz, als überbezahlt bezeichnet?

Herr Kielholz hat im Jahr 2007 für ein Arbeitspensum von 60 Prozent 14 Mio. Franken kassiert. Das ist doch unglaublich. Zudem weiß man nicht einmal, welcher Lohnanteil davon fix und welcher variabel war. Es fehlt die Transparenz.

Was halten Sie von den neuen Vergütungsmodellen der Großbanken Credit Suisse und UBS?

Wir waren sehr erstaunt, dass die Investmentbanker der Credit Suisse überhaupt noch einen Bonus bekommen. Die CS hätte ganz oben mit der Gehaltsreform anfangen sollen.

Hat die UBS es besser gemacht?

Die UBS hat zumindest an der Konzernspitze begonnen. Allerdings umfasst das neue Bonus-Malus-System nur die oberen zwei bis drei Prozent der Banker. Aber insgesamt geht es in die richtige Richtung. Die Mentalität hat sich grundsätzlich verändert. Das ist bei der Credit Suisse nicht der Fall.

Aber hat es nicht seinen Reiz, wenn die Credit Suisse ihre Investmentbanker mit Subprime-Papieren belohnt?

Das Problem beginnt bereits bei der Bewertung. Warum bekommen die Banker die Papiere zu einem abgeschriebenen Wert von 60 oder 80 Prozent, während die Aktionäre die Verluste voll tragen müssen? Das ist völlig inakzeptabel.

Wie kann man die Mitbestimmung der Aktionäre am Vergütungssystem verbessern?

Die Aktionäre sollten verbindlich über das zukünftige Lohnsystem abstimmen können. In Holland ist das bereits der Fall.

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir bemühen uns, Parlamentarier zu überzeugen, solche Kompetenzen in das neue Aktienrecht zu integrieren. Außerdem haben wir eine Kampagne gestartet und bei den fünf größten Schweizer Unternehmen Anträge auf eine konsultative Abstimmung über Managementvergütungen gestellt. Dazu gehören auch Credit Suisse und UBS.

Werden Sie damit durchkommen?

Acht Pensionskassen haben den Antrag unterzeichnet, dazu gehört auch die Pensionskasse der Schweizer Post. Unterstützt werden wir auch von institutionellen Aktionären aus dem Ausland. Seit zwei Jahren schlagen wir konsultative Abstimmungen vor, jetzt finden wir damit Gehör und erwarten eine breite Unterstützung in den nächsten Generalversammlungen.

Das Gespräch führte Torsten Riecke.

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