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02.11.2015

06:49 Uhr

Interview mit Aktionärsschützer

„Für Martin Blessing ist das tragisch“

VonYasmin Osman

Unerwartet lehnt Commerzbank-Chef Martin Blessing eine Vertragsverlängerung ab. Im Interview erklärt Aktionärsschützer Klaus Nieding, wie er Blessings Erbe beurteilt und weshalb er den Schritt für tragisch hält.

Der Rechtsanwalt und Anlegerschützer hat Martin Blessing häufig kritisiert. PR

Klaus Nieding

Der Rechtsanwalt und Anlegerschützer hat Martin Blessing häufig kritisiert.

FrankfurtDer Abschied Martin Blessings von der Spitze der Commerzbank überrumpelt Klaus Nieding, den Vizepräsidenten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): Als das Handelsblatt ihn am Sonntagabend anruft, hat ihn die erst zwei Stunden alte Nachricht noch gar nicht erreicht. Auf Hauptversammlungen hat der Aktionärsschützer dem 52-jährigen Bank-Manager regelmäßig die Leviten gelesen. Nun bedauert er das absehbare Ende der Ära Blessing.

Herr Nieding, ich würde mit Ihnen gerne über Commerzbank-Chef Martin Blessing reden.
Wieso?

Er hat am Sonntagabend mitgeteilt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern möchte.
Das ist ja ein Ding. (Pause). Das ist ja tragisch.

Für wen? Für ihn oder für die Bank?
Für ihn. Er ist ja dermaßen geschmäht worden, hat auf den Hauptversammlungen Hohn und Spott erduldet. Das ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Aber seine Entscheidung muss man respektieren.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 10 – Postbank

Bilanzsumme 2013 der Deutsche-Bank-Tochter: 161,5 Milliarden Euro

Platz 9 – Helaba

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale: 178,1 Milliarden Euro.

Platz 8 – NordLB

Bilanzsumme 2013 der Norddeutschen Landesbank: 200,8 Milliarden Euro

Platz 7 – BayernLB

Bilanzsumme 2013 der Bayerischen Landesbank: 255,6 Milliarden Euro

Platz 6 – LBBW

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Baden-Württemberg: 273,5 Milliarden Euro

Platz 5 – Unicredit

Bilanzsumme 2013 der Unicredit (inkl. Hypo-Vereinsbank): 290 Milliarden Euro

Platz 4 – DZ Bank

Bilanzsumme 2013 der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank: 387 Milliarden Euro

Platz 3 – KfW

Bilanzsumme 2013 der KfW-Bankengruppe: 464,8 Milliarden Euro

Platz 2 – Commerzbank

Bilanzsumme 2013: 549,7 Milliarden Euro

Platz 1 – Deutsche Bank

Bilanzsumme 2013: 1611,4 Milliarden Euro

Quelle: Die Bank/Statista

Das hat aber auch Sie nicht daran gehindert, ihn auf Hauptversammlungen scharf zu kritisieren.
Es gab ja auch etliche Punkte, die man kritisieren musste. Alleine auf der Hauptversammlung in diesem Mai wieder, als der Großaktionär Bund gegen die Bonus-Pläne der Bank für ihre Mitarbeiter gestimmt hatte ...

... was dazu führte, dass der Antrag keine ausreichende Mehrheit fand.
Da hat die Bank ihren Großaktionär entweder nicht eingebunden oder nicht im Griff gehabt. Das fällt auf ihn ebenso wie auf den Aufsichtsrat zurück.

In welchem Zustand hinterlässt Blessing die Bank seinem noch unbekannten Nachfolger?
Die Bank ist noch lange nicht in gutem Fahrwasser. Er hat sie auf niedrigem Niveau stabilisiert, aber über dem Berg ist sie noch lange nicht.

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