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06.01.2009

10:33 Uhr

Interview mit Friedrich Metzler

Von Metzler: „Immer die gleichen Fehler“

VonRobert Landgraf und Oliver Stock

Warum sollten Zertifikate besser sein als eine klassische Aktien- oder Anleiheanlage? Im Handelsblatt-Interview spricht Friedrich von Metzler, Chef des traditionsreichen Bankhauses Metzler, über die Folgen der weltweiten Finanzkrise, Zentralbanken – und die Rolle von gesundem Menschenverstand.

Muss den Rettungsfonds dank eines liquiden Geschäftsmodells nicht anzapfen: Bank-Chef Friedrich von Metzler. Foto: dpa dpa

Muss den Rettungsfonds dank eines liquiden Geschäftsmodells nicht anzapfen: Bank-Chef Friedrich von Metzler. Foto: dpa

Handelsblatt: Herr von Metzler, ihre Familie ist seit 334 Jahren im Bankgeschäft. Sind in der aktuellen Krise, die mit voller Wucht auf die Wirtschaft durchschlägt, Skandale wie der Fall Madoff ein besonders harter Einschnitt?

Von Metzler: Den Fall Madoff müssen wir von der Finanzkrise insgesamt trennen, auch wenn er zeitlich mit ihr zusammenfällt. Madoff ist jahrzehntelang mit großer krimineller Energie vorgegangen. Gegen Betrug und kriminelle Machenschaften kann man sich oft nicht schützen, und es helfen nur drakonische Strafen. Das ist aber ein Einzelfall. Die Finanzkrise hat viele Väter und ist im unglücklichen Zusammenspiel vieler Einzelfaktoren entstanden. Natürlich trifft sie uns ebenfalls – Gott sei Dank aber nur mittelbar. Wir haben schon viele kritische Situationen er- und überlebt.

Wann?

Denken sie nur an die 30er-Jahre des vergangen Jahrhunderts. Das Ausmaß der Krise und ihrer Auswirkungen insgesamt ist jedoch ungewöhnlich. Die Menschen in den Banken und in den Anlagegesellschaften müssen einfach wieder ihren gesunden Menschenverstand einschalten und nicht mehr nur auf mathematische Modelle vertrauen. Statische Modelle, die die Risiken in der Finanzindustrie messen, verlieren eben in Zeiten wie heute ihre Gültigkeit. Doch zum Glück haben die Regierungen und Notenbanken die Krise bislang gut gemanagt.

Warum?

Mein Vater hat immer gesagt, die Zentralbanken hätten aus den Katastrophen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts viel gelernt. Sie verknappen nicht mehr das Geld, sondern helfen dem Markt mit Liquidität. Gleichzeitig ist der Start des Sonderfonds Finanzmarktstabilität (Soffin) ein Gewinn für die Finanzindustrie und wird mit den zur Verfügung stehenden Geldern über knapp 500 Mrd. Euro zur Beruhigung beitragen. Die Mitteilung über die Soffin-Gründung war in Deutschland die erste wichtige Nachricht nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September.

Zapft das Bankhaus Metzler den Rettungsfonds an?

Nein, warum auch? Wir brauchen kein Geld und sind durch unser Geschäftsmodell sehr liquide. Wir haben weder für die Bank noch für unsere Privatkunden strukturierte Finanzprodukte, Kreditderivate, wie Collateral Debt Obligation oder Credit Default Swaps gekauft. Und Zertifikate spielen in der Anlagepolitik ebenfalls weder für die Bank noch für unsere Kunden eine Rolle. Wir haben nie verstanden, was an den meisten Zertifikaten besser sein sollte als an einer klassischen Aktien- oder Anleiheanlage. Unsere Stärke liegt in der Analyse und der Auswahl der Wertpapiere sowie einer langfristig angelegten Streuung der Risiken. Auch im Hinblick auf mögliche Inflations- und Deflationsszenarien. Deswegen ist unser Haus so lange erfolgreich am Markt. Deswegen streben wir für unsere Kunden auch realistische Renditeziele an. Auf Dauer hat sich das bislang immer gelohnt.

Sie kommen nicht ungeschoren aus der Krise heraus, oder?

Natürlich sind wir betroffen – wenn auch nur mittelbar. Selbst wenn wir gerade in der Krise erfreulich viele neue Anlagegelder bekommen, sind im abgelaufenen Jahr angesichts des Kurseinbruchs die verwalteten Vermögensanlagen um etwa 15 Prozent gesunken. Und dass sich im Corporate Finance, der Beratung der Unternehmen, die Firmen angesichts der Krise zurückhalten, ist auch kein Geheimnis ... Das Aktiengeschäft für deutsche und internationale Anleger war im abgelaufenen Jahr recht erfreulich. Insgesamt halten wir uns gut und sehen uns in unserer Strategie bestätigt.

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