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27.01.2015

16:30 Uhr

Interview mit HSBC-Vize in China

„Jedes Jahr kommt eine Schweiz dazu“

VonNicole Bastian, Jan Mallien

Der Vize-Chef der Großbank HSBC in China, Montgomery Ho, rechnet mit einer Korrektur am chinesischen Aktienmarkt. Im Interview äußert er sich über die Vorzüge geringerer Wachstumsraten und den Aufstieg der Währung Yuan.

Die internationale Großbank HSBC: Ihr wichtiger chinesischer Markt wächst nicht mehr zweistellig. Der Vize-Chef von HSBC in China, Montgomery Ho, sieht das gelassen. AFP

Die internationale Großbank HSBC: Ihr wichtiger chinesischer Markt wächst nicht mehr zweistellig. Der Vize-Chef von HSBC in China, Montgomery Ho, sieht das gelassen.

Die Zeiten zweistelligen Wachstums in China scheinen vorbei zu sein. Muss die Regierung gegensteuern?
Nein, ich sehe das durchaus positiv. Es geht der Regierung nicht mehr um Wachstum um jeden Preis, sondern um die Qualität. Früher hat man einfach eine Fabrik hochgezogen und sich für die Verschmutzung nicht interessiert. Heute müssen Sie das einkalkulieren. Das verzögert die Investitionen etwas, aber es hilft der Wirtschaft langfristig.

China nähert sich also den Industrieländern an?
Das Wachstum liegt immer noch bei 600 Milliarden Dollar im Jahr. Das entspricht ungefähr der Wirtschaftsleistung der Schweiz. Jedes Jahr kommt eine neue Schweiz dazu. Wenn man in dieser Größenordnung wächst, muss man sehr vorsichtig sein.

Beim Wachstum und Handel hat China bereits global eine große Bedeutung. Die Landeswährung Yuan spielt dagegen international bisher eher eine Nebenrolle. Was werden die nächsten Schritte der Internationalisierung des Yuans sein?
Der Yuan internationalisiert sich auf drei Ebenen: zunächst als Handelswährung, dann als Investitionswährung und schließlich als Reservewährung für andere Länder.

Der Vize-Chef der chinesischen Großbank HSBC in China, Montgomery Ho

Der Vize-Chef der chinesischen Großbank HSBC in China, Montgomery Ho

Vor allem im Handel mit anderen Schwellenländern?
Ja, im Handel mit anderen Schwellenländern werden mittlerweile rund fünfzig Prozent in Yuan abgewickelt. Der Yuan ist für sie eine stabile Währung und die chinesische Regierung fördert die Internationalisierung der Währung. Jetzt sind wir in der zweiten Phase der Internationalisierung.

Glauben Sie, irgendwann wird der Yuan mit dem US-Dollar an Bedeutung gleichziehen können?
Wohl nicht während meiner beruflichen Laufbahn (lacht). Noch ist der Yuan nicht international genug.

Chinesische Großinvestitionen in Ost- und Südosteuropa

Serbien:

Bisher zwei Milliarden Euro zugesagt für Kraftwerke und Autobahnen. Weitere realisierte und geplante Investitionen Pekings sind:

Ungarn und Serbien:

Vertrag zum Neubau der 350 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Budapest-Belgrad unterzeichnet. Investition: zwei Milliarden Euro

Bosnien-Herzegowina:

Verhandelt wird über Erweiterung des Kraftwerks in Tuzla für rund 750 Millionen Euro. Neubau des Kraftwerks Stanari für 500 Millionen Euro weit fortgeschritten

Montenegro:

Erste Autobahn in Richtung Norden über 42 Kilometer wird von China gebaut und mit knapp 690 Millionen Euro finanziert.

Mazedonien:

China baut seit Frühjahr 57 Kilometer Autobahn im Westen des Landes für 375 Millionen Euro.

Bulgarien:

Chinesische Fabrik zur Automontage in Lowetsch für knapp 100 Millionen Euro.

Tschechien:

Chinesisches Energieunternehmen CEFC will mit 680 Millionen Euro bei Investmentgruppe J&T einsteigen, die in den Bereichen Energie, Bergbau und Finanzen tätig ist.

Griechenland:

Chinesische COSCO-Reederei hat 60 Prozent des Hafens von Piräus gepachtet.

Rumänien:

Das Land hofft auf Ausbau des Atomkraftwerks Cernavoda durch China.

Wie schätzen Sie den chinesischen Aktienmarkt ein? Gibt es eine Blase oder sind die Kurse gerechtfertigt?
Ich bin kein Aktienanalyst, aber meine private Meinung ist, dass wir eine gewisse Korrektur sehen werden. Im Moment ist der chinesische Aktienmarkt sehr inländisch geprägt. Aber die Internationalisierung bringt mehr ausländische Investoren ins Land. Auch die künftige Entwicklung spiegelt sich wohl in den Kursen.

Die neue chinesische Regierung hat Reformen im Finanzsektor angestoßen. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste?
Aus meiner Sicht sind es die neuen Freihandelszonen in Schanghai und drei weiteren Orten. Dort sind nicht nur Handel und Geschäfte leichter, sondern auch die Kapitalflüsse praktisch frei. Das ist quasi ein Versuchsfeld für die Öffnung Chinas. Wenn sich zeigt, dass dies keine großen Probleme bereitet, wird das Modell wahrscheinlich auf andere Regionen Chinas ausgeweitet.

Vielen Dank für das Interview.

Kommentare (1)

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27.01.2015, 17:37 Uhr

So ganz ohne aber auch jede demokratischen Verhältnisse wird es kaum mittelfristig gelingen - langfristig ohnedies nicht -, die Wirtschaft überhaupt auf sinnvolle, also dem Land und den Leuten fürsorgliche, Weise wachsen zu lassen.

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