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11.04.2006

15:48 Uhr

Interview mit WestLB-Chef

„Koalition der Willigen gesucht“

VonDas Gespräch führten F.M. Drost, P. Köhler

WestLB-Chef Thomas Fischer leitet den Verband der öffentlichen Banken. Im Gespräch mit dem Handelsblatt skizziert er seine Vorstellungen der Zukunft. Dabei plädiert er für eine enge Kooperation der Landesbanken.

WestLB-Chef Fischer verlangt engere Kooperationen im Lager der öffentlichen Banken. Foto: dpa

WestLB-Chef Fischer verlangt engere Kooperationen im Lager der öffentlichen Banken. Foto: dpa

Handelsblatt: Herr Fischer, liegt die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der deutschen Banken am Nebeneinander von genossenschaftlichen, öffentlich-rechtlichen und privaten Instituten?

Fischer: Das hört man ja immer wieder, aber das stimmt nicht. Wir haben nun einmal das wettbewerbsintensivste Umfeld mit entsprechend niedrigen Margen für die Banken. Aber das heißt ja auch, dass die Kunden nirgendwo so viele Zugänge zu günstigen Bankprodukten haben, wie es hier zu Lande der Fall ist. Es kommt also auf die Sichtweise an.

Sie setzen als Verbandschef die Kundenbrille auf?

Nein, ich sehe einfach beide Seiten. Was für die Banken negativ ist, gereicht dem Kunden zum Vorteil. Außerdem ist das Drei-Säulen-Modell aus öffentlich-rechtlichen, genossenschaftlichen und privaten Banken auch eine historische Erbschaft. Was im Ausland aber in Bewegung ist, ist die Grenzziehung zwischen den verschiedenen Gruppen. Die Durchlässigkeit steigt.

Was können die öffentlichen Banken vom Ausland lernen?

Genossenschaften und Sparkassen gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Mit großer Aufmerksamkeit stellen wir fest, dass dort angesichts der fehlenden Kapitalisierungsmöglichkeiten innerhalb der Säulen jetzt auch der Weg zur Börse gesucht wird.

Auch die genossenschaftliche DZ Bank denkt ja laut darüber nach. Was heißt das für die öffentlichen Banken?

Das ist erst einmal Sache der Eigentümer, da kann der Verband nicht souverän agieren. Was ich daraus lerne, ist aber, dass man sich außerhalb Deutschlands sowohl im genossenschaftlichen als auch im öffentlichen Bankenbereich vorstellen kann, privates Kapital hereinzunehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren, und um Wachstum zu finanzieren. Das ist eine interessante Lektion, die wir hier erst einmal zur Kenntnis nehmen. Das wird auch Wirkung auf den innereuropäischen Wettbewerb haben.

Was würden Sie davon halten, wenn eine Landesbank an die Börse ginge?

Es hat noch keine einzige Landesbank diesen Weg konkretisiert. Jetzt fasst ihn die HSH Nordbank planerisch ins Auge. Allein der Gedanke daran war ja vor Jahren tabu, das ist heute anders. Einen Börsengang muss man aber in einen größeren Zusammenhang stellen.

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