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03.01.2010

13:58 Uhr

Interview

Privatbankier von Metzler warnt vor Überregulierung

VonRobert Landgraf

ExklusivDer persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank Metzler, Friedrich von Metzler, warnt vor einer Überregulierung der Finanzmärkte. "Eine schärfere Regulierung macht zwar viel Arbeit. Sie bringt aber oft nur Scheinsicherheit. Das mag Auswüchse begrenzen. Eine Überregulierung ist aber eher gefährlich und lenkt von den wirklichen Risiken ab", sagte er im Interview mit dem Handelsblatt.

Friedrich von Metzler sieht vorerst nicht die Gefahr, dass sich neue Blasen an den Märkten bilden. Euroforum-Constantin Meyer

Friedrich von Metzler sieht vorerst nicht die Gefahr, dass sich neue Blasen an den Märkten bilden.

Handelsblatt: Landauf, landab stehen die Banker als Buhmänner der Nation da. Sie, Herr von Metzler, führen in der elften Generation eine Privatbank. Was macht einen guten Bankier aus?

Friedrich von Metzler: Privatbanken müssen sich immer überlegen, welche Geschäfte zu ihrer Struktur passen. Größe darf hierbei keine Rolle spielen. Schauen Sie uns an. Wir arbeiten seit über drei Jahrhunderten im Bankgeschäft - wobei wir in dem für die Volkswirtschaft wichtigen Kreditgeschäft gar nicht tätig sein dürfen. Wir haben nun einmal keine Spareinlagen und können deshalb auch keine Kredite vergeben. Uns fehlt schlicht die Passivseite. Außerdem würde uns ein Kreditausfall, beispielsweise im Vergleich zu einer großen Sparkasse, viel stärker belasten.

HB: Wäre bei Ihnen ein Desaster wie im Fall Sal. Oppenheim denkbar?

Von Metzler: Das Bankhaus Metzler arbeitete schon immer im Kapitalmarktgeschäft. Im 18. Jahrhundert, als meine Vorfahrin Christina Barbara Metzler die Bank leitete, waren wir groß im Wechselgeschäft. Die Wechsel platzierten wir bei großen Kapitalgebern. Das änderte sich mit meinem Namensvetter Friedrich Metzler, der Christina folgte. Er war einer der Erfinder der Partialdarlehen, heute würde man Teilschuldverschreibungen sagen. Doch hier gab es klare Strukturen: Wenigen Darlehensnehmern standen auch wenige Darlehensgeber gegenüber. Und die vermittelten wir - etwa den Preußen oder den Kurbayern. Die Preußen blieben schon damals ihrem Ruf treu und bezahlten die Schulden pünktlich zurück. Etwas anders lief es bei den Bethmanns, einem großen Konkurrenten dieser Zeit. Die Bethmanns finanzierten unter anderem die Habsburger, die nicht so pünktlich zurückzahlten. Unser Konkurrent verdiente durch die Umfinanzierungen zwar mehr Geld, hatte aber auch deutlich mehr schlaflose Nächte als wir.

HB: Das war einmal.

Von Metzler: Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich dann das Geschäft durch die Industrialisierung gewandelt. Erstmals konnte die breite Masse der Bevölkerung sparen. Sparkassen erwachten zum Leben, und die Großbanken wurden von der Industrie und den Privatbanken gegründet, um die wachsende Industrie mit Krediten zu versorgen - unabhängig von den damals dominierenden Londoner Banken. Bei diesen bestand immer die Gefahr, dass Kredite nach politischen Gesichtspunkten des British Empires vergeben wurden. Das Kreditgeschäft passte schon damals nicht zur Struktur unseres Bankhauses. Wir mussten und müssen unser Eigenkapital immer über einbehaltene Gewinne aufbauen, da wir im Interesse unserer Unabhängigkeit das Kapital nicht über die Börse beschaffen wollen. Dieses Geschäftsfeld überließen wir bewusst den damals neu gegründeten Aktiengesellschaften, den späteren Großbanken.

HB: Und Sal. Oppenheim?

Von Metzler: Dazu nur so viel: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es keinen Kapitalmarkt mehr. Er war zuvor in 30 Jahren zerstört worden. Am Ende hatten die Nationalsozialisten die Börse geschlossen. Nichts ging mehr. Das alles musste nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Nur mit Kreditgeschäft und Wertpapierhandel konnten die Banken nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Geld verdienen. Für uns war klar, dass der Kapitalmarkt in hoffentlich langen Friedenszeiten wieder zurückkommen würde. Mein Vater Albert von Metzler hielt deshalb an Aktien fest, die dann später wieder viel Geld wert wurden. Beim Aufbau konnten wir uns auf die erfahrenen Mitarbeiter stützen, die teilweise 70 Jahre oder älter waren und bereits Erfahrungen mit dem florierenden Kapitalmarkt vor dem Ersten Weltkrieg gemacht hatten.

HB: Also war damals eine ganze Generation Banker für den Kapitalmarkt verloren?

Von Metzler: Ja, die jungen Banker hatten entsprechende Erfahrungen nicht machen können. Am Ende kam es wieder zu einer Arbeitsteilung zwischen den Kreditbanken und den Investment- beziehungsweise Privatbanken. Hier handelte es sich eben um Partnerschaften. Privatbanken durften aber nicht den Fehler begehen, die Struktur von Großbanken auf sich zu übertragen. Das war und ist ein tödlicher Fehler. Für die Struktur von Großbanken gibt es bei Privatbanken keine Daseinsberechtigung.

Kommentare (1)

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aruba

03.01.2010, 19:08 Uhr

Guten Tag,......Da ich ihr blatt und Herrn von Metzler sehr schaetze; moechte ich mir die bemerkung erlauben dass mann gut daran tut den beitrag genau zu lesen. Herr von Metzler und sein Haus gohoehrten nie zu den betruegern und Gauklern. Es besteht ein bedeutender Unterschied wenn Herr Meztler von der " Zweischneidigkeit einer Ueberregulierung " spricht und wenn dies Luegner und Kirmesnarren die sich " Experten" schimpfen tun. Nie kam mir zu Ohren dass bankiers ( nicht banker ) sogenannte " Produkte " verhoehkerten die keine Sau brauchte und verstand. Die nur einen Zweck hatten; den Kunden zu bestehlen. Grossbanken verkaufen Versicherungen, Reisen, und noch Schlimmeres. Dies hat mit Sachverstand nichts mehr zu tun. Die Resultate ( Grossmuetter denen mann Snow-ball-reverse Zertifikate andrehte ) der " banker " sind erbaermlich, Rotzloeffel handeln mit anderer Leute Geld. ich wuensche dass das Unternehmen von Herrn von Metzler noch lange Zeit diese " wahre " Art der Vermoegensverwaltung erfolgreich und ehrenhaft betreiben moege. Die Marktschreier aber soll der Teufel hohlen. besten Dank.

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