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29.09.2013

16:40 Uhr

Interview

Société Générale blickt gelassen auf EZB-Bilanztest

ExklusivVom geplanten Bilanztest durch die Europäische Zentralbank erhofft sich Frédéric Oudéa, Chef der französischen Großbank, Transparenz über versteckte Verluste. Er fordert zudem eine selbstbewusste EU-Aufsicht.

Société-Générale-Vorstandschef Frederic Oudea. Reuters

Société-Générale-Vorstandschef Frederic Oudea.

DüsseldorfDer Chef der französischen Großbank Société Générale, Frédéric Oudéa, glaubt, dass die Bankenunion das Vertrauen in die Bankenbranche erhöhen werde. Im Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) sagte er: „ Die Bankenunion wird mit dem Irrtum aufräumen, dass es noch viele Probleme im europäischen Bankensektor gibt“. Denn das ist zumindest für die großen Banken nicht korrekt.

Daher sieht er auch den Bilanztests der neuen europäischen Aufsicht unter Leitung der Europäischen Zentralbank gelassen entgegen. „Was die Kernkapitalquoten angeht, mache ich mir keine Sorgen“, so Oudéa. Die Märkte zwängen die systemrelevanten Banken jetzt schon zu Werten von zehn Prozent, obwohl die nationalen Aufseher nur mindestens sieben Prozent Kernkapital vorschreiben, ausgenommen des Kapitalaufschlags für systemrelevante Banken. „Aber es ist wichtig sicherzustellen, dass es keine versteckten Verluste in der Bilanz gibt“, so Oudéa.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Der Franzose forderte zudem, dass die europäischen Aufseher endlich mit einer Stimme sprechen. „Auch wir brauchen einen selbstbewussten Regulator, der zumindest für die gesamte Euro-Zone spricht und bei den Amerikanern gegenhalten kann“, sagte Oudéa. Er spielt damit auf die härteren Auflagen an, die die US-Aufseher ausländischen Banken machen wollen.

Oudéa sieht bis zum Jahr 2020 nur noch vier bis sechs europäische Institute, die im grenzüberschreitenden Investmentbanking aktiv sind. Société Générale wolle dazu gehören. Er erhofft sich hierbei auch Unterstützung von den Aufsehern. Sie müssen sicherstellen, dass im Investmentbanking „aus Gründen der Souveränität“ starke europäische Banken aktiv sind. Würde der Markt von ausländischen Banken dominiert, könnten außereuropäische Unternehmen bevorzugt werden – insbesondere wenn die Euro-Zone eines Tages erneut in Schwierigkeiten gerate, so Oudéa.

Von

dlm

Kommentare (3)

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Rainer_J

29.09.2013, 22:03 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Rechner

29.09.2013, 23:18 Uhr

O-Ton Oliver Stock
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Ich möchte es Ihnen möglichst leicht machen, Ihre Meinung hier niederzuschreiben, denn wir bei Handelsblatt Online sehen uns als Plattform für Diskussionen.
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Wirklich?

Und deshalb sind wohl bei den Artikeln "Rechtsruck in Österreich", "Rechtsruck als Weckruf" und "Unsere rechten Nachbarn" die Komnmentarfunktionen abgeschaltet worden.

Selten so gelacht.

Offensichtlich werden unliebsame Kommentare befürchtet - und schon ist Schluß mit der "Plattform für Diskussionen".

...

Ich verstehe ja, daß Sie nicht von den Schergen des BRD-Regimes ins Gefängnis geworfen werden wollen wie der Journalist Axel Möller, der wegen der Veröffentlichung verbotener Meinungen und Leserkommentare zu 30 Monaten verurteilt wurde.

Aber dann sollten Sie die Einschränkungen unter der Sie in der BRD arbeiten müssen auch wenigsten offen zugeben.

Augias

30.09.2013, 08:19 Uhr

Und deshalb sind wohl bei den Artikeln "Rechtsruck in Österreich", "Rechtsruck als Weckruf" und "Unsere rechten Nachbarn" die Komnmentarfunktionen abgeschaltet worden.
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Sie (die Qualitätsjournaille) kann es nicht ertragen, dass ihre veröffentlichte Meinung so krude von der öffentlichen Meinung abweicht. Diese Schreiberlinge wissen sehr genau, was sie im Kommentarbereich zu erwarten haben - jedenfalls keine Zustimmung, kein Lob für ihr Geschmiere! Erbärmliches Pa**!

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