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28.01.2009

21:53 Uhr

Investment-Banking

Eigenhandel der Banken beerdigt

VonHolger Alich

Den Eigenhandel der Banken gibt es fast nicht mehr. Vor der Krise spielte das Aktiengeschäft auf eigene Rechnung bei den großen Banken noch zwischen 20 und 50 Prozent der Erträge ein. Nun wollen die Banken jedes Risiko vermeiden - und verabschieden sich von ihrer wichtigsten Gewinnquelle. Wie sie den Ausfall kompensieren wollen, ist unklar.

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat den Eigenhandel um 80 Prozent zurückgefahren. Foto: dpa dpa

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat den Eigenhandel um 80 Prozent zurückgefahren. Foto: dpa

FRANKFURT. Der Eigenhandel der Banken, der in den Boomzeiten des Investment-Bankings eine der wichtigsten Ertragsquellen war, ist weitgehend ausgetrocknet. Hauptgründe sind weltweit die enormen Verluste in diesem Bereich als Folge der Finanzkrise, aber auch drohende schärfere Regeln der Aufsichtsbehörden. "Der Eigenhandel ist mehr oder weniger still zu Grabe getragen worden, der Aktionär akzeptiert nicht mehr das hohe Verlustpotenzial", sagte ein hochrangiger Investmentbanker in Frankfurt. Die Kreditinstitute bauten Marktrisiken ab, reduzierten die Bilanzsumme und sparten bei den Personalkosten im Handelsbereich, sagt Stefan Best, Bankenexperte bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P).

Die Branche müsse auch damit rechnen, dass Handelsrisiken stärker mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, sagt Best. So erwägt etwa der Baseler Ausschuss für die Bankenaufsicht nach Angaben aus Finanzkreisen strengere Vorschriften für das Handelsbuch der Banken. Zur Ermittlung des Eigenmittelbedarfs bei internen Marktmodellen soll ein Stressfaktor berücksichtigt werden, der sich an dem Jahr mit den höchsten Verlusten orientiert. Wenn zukünftig höhere Eigenkapitalforderungen gelten würden, werde der Eigenhandel per se unprofitabler", sagt Joachim Müller, Analyst bei Cheuvreux.

Die Deutsche Bank hat ihren Eigenhandel mit Anleihen - ohne Staatspapiere - seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 eingestellt, das Aktiengeschäft auf eigene Rechnung wurde nach Angaben von Vorstandschef Josef Ackermann um 80 Prozent zurückgefahren. Auch die schweizerischen Großbanken UBS und Credit Suisse haben auf die Bremse getreten und wollen - wie die Deutsche Bank - fast nur noch kundengetriebenes Geschäft machen. Nach Einschätzung eines Investmentbankers steuerte der Eigenhandel in den guten Zeiten bei den globalen Spielern zwischen 20 und 50 Prozent zu den Erträgen aus dem Investment-Banking bei. Derzeit sei völlig unklar, wie die Banken diesen Ausfall in Zukunft kompensieren wollen.

Für die großen britischen Banken spielte das Geschäft auf eigene Rechnung dagegen nach Einschätzung von Branchenanalysten eine im internationalen Vergleich geringe Rolle. "Die britischen Banken mit bedeutendem Investment-Banking, also HSBC, Barclays und RBS, haben den Eigenhandel daher nicht explizit in der Bilanz ausgewiesen, also wird auch kein spürbarer Rückgang nachzuweisen sein", sagte ein Analyst einer Ratingagentur. Das ist aus seiner Sicht auch gut so. "Aus der Perspektive einer Ratingagentur ist ein starkes Engagement im Eigenhandel negativ für das Risikoprofil und die Kreditwürdigkeit einer Bank", sagte er.

Auch in Frankreich haben alle Banken angekündigt, den Eigenhandel einzudampfen. Die erste Bank, die diesen Schritt bereits im Januar 2008 angekündigt hatte, war die Société Générale. Das geschah nicht aus weiser Voraussicht, sondern war Folge des Skandals um den Betrugshändler Jérôme Kerviel, der unerlaubt Positionen im Eigenhandel in Höhe von 50 Mrd. Euro aufgebaut hatte. Historisch gesehen machte der Eigenhandel bei der Großbank fast ein Drittel der Einnahmen im Investment-Banking aus; dies hat die Bank zurückgefahren. Bei BNP Paribas steht im vierten Quartal dagegen ein Verlust im Investment-Banking von insgesamt zwei Mrd. Euro vor Steuern in den Büchern. Der Eigenhandel spielte bei der Bank stets eine untergeordnete Rolle, doch in den turbulenten Monaten Oktober und November hatte die BNP Probleme, Gegenparteien zum Risikotransfer zu finden, heißt es im Umfeld der Bank. Ergebnis: Die Bank musste Risiken auf die eigene Bilanz nehmen.

In den USA ist der Eigenhandel auch aus der Mode gekommen. "Die Regulierer werden versuchen, die Privatkundendepots von den Risiken zu isolieren", sagte Larry Tabb, Gründer der New Yorker Beratung Tabb. Vor allem Konzerne wie Citigroup und Bank of America mit ihren großen Investment-Banking-Abteilungen müssten sich darauf einstellen, dass die Teile des Geschäftes, die bewusst Risiken eingingen, abgespalten würden. "Die großen Banken werden wieder das traditionelle Geschäft wie vor 20 oder 30 Jahren betreiben", sagte er zum neuen Zeitgeist.

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