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10.08.2012

12:09 Uhr

Investmentbank

US-Justiz verschont Goldman Sachs

Die Investmentbank Goldman Sachs muss keine Strafverfolgung wegen krummer Hypotheken-Deals fürchten. Es gebe keine brauchbare Basis, strafrechtlich gegen Mitarbeiter vorzugehen.

Der US-Investmentbank Goldman Sachs droht vorerst keine strafrechtliche Verfolgung wegen ihrer Aktivitäten vor der Finanzkrise. dapd

Der US-Investmentbank Goldman Sachs droht vorerst keine strafrechtliche Verfolgung wegen ihrer Aktivitäten vor der Finanzkrise.

New York/WashingtonDer US-Investmentbank Goldman Sachs bleibt eine Anklage bei der Aufarbeitung ihrer Rolle in der Finanzkrise erspart. Das US-Justizministerium hat nach eigenen Angaben keine ausreichenden Beweise gefunden, die eine strafrechtliche Verfolgung der Bank oder ihrer Mitarbeiter rechtfertigten.

Vor allem der Vorwurf, dass die Bank gegen die gleichen schlecht besicherten Hypotheken-Papiere gewettet habe, die sie ihren Kunden empfohlen habe, hatte für öffentliches Aufsehen gesorgt. "Das Ministerium und die Strafverfolgungsbehörden sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass die Beweislast nach den geltenden Gesetzen und den vorliegenden Fakten nicht ausreicht, um ein Strafverfahren einzuleiten", hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums vom Donnerstagabend (Ortszeit).

Die Stärken und Schwächen von Goldman Sachs

Wo das Institut gut abschneidet - und wo nicht

Strenge Regulierung und ein schlechtes Image belasten die Bank. Doch Goldman Sachs gilt immer noch als einer der begehrtesten Arbeitgeber der Branche.

Stärke: Die besten Talente

Goldman Sachs gilt unter jungen Collegeabsolventen, die es in die glitzernde Welt der Wall Street zieht, als Wunschadresse. Nicht nur wegen der Traumgehälter – trotz eines drastischen Rückgangs im dritten Quartal kommt jeder Mitarbeiter durchschnittlich auf knapp 300.000 Dollar pro Jahr. Auch der legendäre Ruf der Investmentbank ist ein starker Anreiz: Niemand schafft es derart clever, so heißt es, aus jeder noch so kleinen Marktbewegung Profite zu ziehen, von flauen Quartalen wie dem vergangenen mal abgesehen. In der Finanzwelt gilt: Wer das harte Auswahlverfahren bei Goldman Sachs überlebt, der hat es geschafft.

Stärke: Die Kunden

Wie kaum eine andere Bank kann Goldman Sachs auf ein riesiges Netzwerk langjähriger, treuer und zahlungskräftiger Kunden zurückgreifen. Wer einen Konkurrenten übernehmen, an die Börse gehen oder sein privates Vermögen anlegen will, der lässt sich gerne von Lloyd Blankfeins Truppe beraten. Zwar ging es zwischen der Bank und ihren Kunden nicht immer friedlich zu. Einige etwa waren höchst verärgert, als im vergangenen Jahr der Vorwurf laut wurde, Goldman habe während der Finanzkrise auf eigene Rechnung gegen Klienten spekuliert. Andere störten sich am zweifelhaften Ruf der Bank in Öffentlichkeit und Politik. Doch trotz alledem: Umfragen unter Kunden haben ergeben, dass viele zwar skeptisch sind – im Zweifel aber trotzdem ihr Geld zu Goldman Sachs tragen.

Stärke: Verdrahtung in der Politik

Hier ist Goldman Sachs Meister. Angesichts der vielen Banker, die in die Politik wechselten und umgekehrt, redet die Finanzwelt von einer „Drehtür“ zwischen Goldman und den Fluren der Macht. Der ehemalige US-Finanzminister Hank Paulson, der in der Finanzkrise zahllose Banken rettete und Lehman Brothers fallenließ, war zuvor Goldman-Chef. Auch Vorgänger Robert Rubin war einst Goldman-Vorstand. Ebenso wie der künftige EZB-Präsident Mario Draghi und Weltbank-Chef Robert Zoellick. Ganz zu schweigen von den vielen Beamten in den US-Behörden. Die Liste ist lang.

Schwäche: Strenge Regulierung

Nach der Finanzkrise haben Regierungen in aller Welt damit begonnen, neue Beschränkungen für die Branche zu erlassen. So müssen die Banken künftig mehr Kapital vorhalten (Basel III) und sich strengeren Regeln bei der Kundenberatung unterwerfen. Von einem Gesetzespaket ist aber besonders Goldman Sachs betroffen: der Volcker-Rule. Das knapp 300 Seiten starke Regelwerk, benannt nach dem früheren US-Finanzminister und heutigem Obama-Berater, verbietet in erster Linie den Eigenhandel und beschränkt die Risiken, die Banken eingehen dürfen. Während Vollbanken die neuen Regeln etwa durch ihr klassisches Bankgeschäft ausgleichen können, hat Goldman Sachs als Investmentbank ein Problem, da sie gerade in turbulenten Zeiten hier besonders viel Spekulationsgewinne abschöpfen konnte. Als Folge der bald in Kraft tretenden Volcker-Rule hat die Goldman den Eigenhandel bereits fast vollständig abgewickelt.

Schwäche: Abhängigkeit vom Kapitalmarkt

Das Geschäftsmodell hat eine weitere negative Folge: Goldman Sachs ist mangels stabilisierenden Privatkundengeschäfts von den Launen der Investoren weltweit abhängig. Das zeigte sich zuletzt auch im dritten Quartal: Die Schuldenkrise in Europa und die Ungewissheit über die US-Konjunktur ließen die Anleger zögern - und Goldmans Einnahmen einbrechen. Die Marktverwerfungen dezimierten auch den Wert von Beteiligungen, etwa an der chinesischen Bank ICBC.

Schwäche: Zweifelhafter Ruf

So legendär der Ruf von Goldman Sachs in der Branche ist – in Öffentlichkeit und Politik ist er es nicht. Gerade wegen ihres Erfolges gilt die Investmentbank in den Augen vieler als Verkörperung von Gier und gewissenloser Spekulation. Oft zitiert wird der inzwischen legendäre Satz des „Rolling Stone“-Autor Matt Tiabbi, Goldman sei „eine Vampirkrake im Antlitz der Menschheit“. Angesichts von Kritiken wie dieser sah sich  Bankchef Blankfein 2010 dazu gezwungen, die Aktionäre zu beschwichtigen: Goldman wette nicht gegen die Kundeninteressen und spekuliere auch nicht wild an den Märkten herum.

Ein Sprecher der Bank teilte in einer E-Mail mit: "Wir sind froh, dass wir dieses Thema hinter uns haben." Normalerweise äußert sich das Justizministerium nicht öffentlich, wenn es eine Untersuchung einstellt. Goldman Sachs gilt für viele Amerikaner seit der Finanzkrise als Sinnbild der Gier an der Wall Street, die zum Beinahe-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems geführt habe. In einem Zivilverfahren, das die US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs eingeleitet hatte, war es schon vor zwei Jahren zu einem Vergleich gekommen. Damals hatte die Bank 550 Millionen Dollar gezahlt, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Doch US-Senator Carl Levin hatte im April vergangenen Jahres auf eine strafrechtliche Aufarbeitung gedrängt, nachdem sich ein von ihm geführter Unterausschuss des Kongresses mehr als ein Jahr mit der Rolle von Goldman beschäftigt hatte. In einem aufsehenerregenden Auftritt vor dem Kongress war Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein 2010 stundenlang von den Politikern einvernommen worden. Im Zentrum der Affäre stand die Frage, ob es moralisch korrekt sei, seinen Kunden Produkte zu verkaufen, die die Bank intern als "Schrott" bezeichnet habe.

Konkret ging es um den "Abacus"-Fall: Der Hedgefonds Paulson & Co hatte für das Produkt zusammen mit der Bank zweitklassige Hypothekenpapiere ausgewählt und zugleich auf den Zusammenbruch des Marktes gewettet. Nach Auffassung der SEC hätte Goldman den Interessenkonflikt den Käufern von "Abacus" offenlegen müssen.

Kommentare (11)

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Bergmann1

10.08.2012, 13:17 Uhr

England und die USA sind eben seit Jahrhunderten in den jeweiligen Eliten und deren Clan- Helfer aus dem Volk auch,wenn auch nichtnur, kräftige Piratenkulturen.
Die Mafia sitzt hier mitten drin und gleich hinter dem Präsidenten bzw. Regierungschef, dessen Person jeweils den schönen Schein herstellen soll.

r.ebell

10.08.2012, 13:31 Uhr

In der moralischen wie in der politischen Welt den Punkt erkennen,wo die Freiheit aufhört und Übermaß anfängt,wo Macht aufhört und Willkür beginnt!
Napoleon3
Diesen Punkt haben alle Politiker und Bankster schon lange überschritten!Jetzt beginnt die Phase des "Hauens und Stechen"
Jetzt werden schuldige gesucht um Köpfe rollen zu lassen.
Hinsitzen und zusehen wie sich die Meute zerfleischt!
Aber sofort aufstehen und rausgehen wenn es sich abzeichnet das die Schulden durch Steuern und Abgaben sozialisiert werden.
Da braucht niemand auf die gekauften Gewerkschaften oder Sozialverbände warten!

GovermentSucks

10.08.2012, 13:32 Uhr

Die westlichen Scheindemokratien sind alle bankrott! Jetzt gehts in die Dikatatur...siehe ESM oder Aussagen von Monti, ehemals GMS!

Das Gesetz wurde auch von eine Wallstreetkanzlei geschrieben, würde mich nicht Wundern, wenn das auch Buddys von Goldmansucks sind.

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