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23.01.2007

07:03 Uhr

Investmentbanken

Gerangel um Ranglisten

Manchmal ist Timing alles – manchmal auch das Wissen, wie man sich verkauft. In den aktuellen League-Tables, welche Bank bei welcher Übernahme mit dabei war, rangiert die Citigroup lediglich auf Platz zwei, dies vielleicht jedoch unberechtigt. So oder so, der Kampf um die Spitzenposition wird hart geführt.

M&A in Europa (links), M&A: Honorare (rechts) (Quelle: Thomson Financial)

M&A in Europa (links), M&A: Honorare (rechts) (Quelle: Thomson Financial)

mm LONDON. Der 27. Dezember war kein guter Tag für die Investmentbanker der Citigroup. Kurz vor Jahresende weigerte sich der Informationsdienst Thomson Financial, den US–Finanzriesen als Berater für die 28 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Norsk Hydro durch Statoil in seiner Topliste der Investmentbanken mitzuzählen.

Thomson gehört zu den Anbietern, die die so genannten League-Tables errechnen. Prestigeträchtige Ranglisten, die messen, welche Bank bei welcher Übernahme mit dabei war. Hätte Thomson die Citigroup als Berater anerkannt, hätte die US-Bank in der Jahresendabrechnung 2006 noch am Konkurrenten Morgan Stanley vorbeiziehen und sich auf den ersten Platz schieben können (siehe Tabelle).

Am Ende ging es vor allem um das Timing. „Wir erkennen nur Berater an, die vor Veröffentlichung der Transaktion mandatiert waren“, erläutert Paul Sandell von Thomson. Die Citigroup wurde aber erst nach Ankündigung des Verkaufs von Norsk Hydro mit der Erstellung eines Fairness-Gutachens beauftragt.

Mit ähnlichen Regeln wie Thomson Financial arbeiten auch die Konkurrenten im League-Table-Geschäft Dealogic und Mergermarket. „Wenn eine Bank glaubt, dass ein Wettbewerber zu unrecht als Berater anerkannt wurde, kann sie diese Entscheidung anfechten. Wir überprüfen den Fall dann genau“, erläutert Salim Mohammed von Dealogic. „Gerade wenn es auf das Ende des Jahres zugeht, kämpfen die Banken mit harten Bandagen um die letzten entscheidenden Millionen oder Milliarden auf den League Tables“, erzählt ein Londoner Investmentbanker, „ein guter Platz auf der Rangliste hilft, auch im nächsten Jahr wieder bei den großen Deals mit dabei zu sein.“

„Die Spitzengruppe der Banken kann es sich kaum leisten, einen wirklich großen Deal zu verpassen“, sagt ein anderer Banker. „Deshalb versuchen die großen Spieler bei Multi-Milliarden-Übernahmen auch nachträglich noch mit ins Boot zu kommen.“ An der Übernahme des Stahlkonzerns Arcelor durch den indischen Konkurrenten Mittal waren am Ende 19 Investmentbanken beteiligt.

Ein Grund für die Inflation der Berater ist die Tatsache, dass die Banken unabhängig von ihrem tatsächlichen Beitrag zur Übernahme den vollen Wert der Transaktion für die League Tables gut geschrieben bekommen. Eine Bank, die den Deal entwickelt und ihren Kunden von Anfang an begleitet hat, steht am Ende nicht besser da, als der Konkurrent, der erst kurz vor Veröffentlichung an Bord geholt wurde, um ein Gutachten zu schreiben. „Wir sprechen regelmäßig mit den Banken über unsere Regeln und ändern sie nur, wenn der Markt das wünscht“, sagt Dealogic-Manager Mohammed.

Hinter den Kulissen räumen viele Investmentbanken aber ein, dass man sich eigentlich die Honorar-Verteilung ansehen muss, um ein realistisches Bild der Branche zu bekommen. Für diese League Tables melden die Banken, wie gut sie für eine bestimmte Transaktion bezahlt wurden. Darüber hinaus verwenden Anbieter wie Thomson, Dealogic oder Mergermarket komplexe Algorithmen, um die Honorarverteilung zu schätzen. Tatsächlich bieten diese League Tables ein anderes Bild als die herkömmliche Hitparade. Hier führt in Europa Goldman Sachs vor Morgan Stanley und der Deutschen Bank.

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