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29.05.2016

08:11 Uhr

Investmentbanken

Goldman-Mitarbeiter sollen nicht nur Nummern sein

VonFrank Wiebe

Mehr als Punkte: Goldman Sachs führt ein weicheres Bewertungssystem für seine Mitarbeiter ein. Das ist ein Schritt, um im Wettstreit mit Hedgefonds und Start-ups um Top-Mitarbeiter zu bestehen.

Die US-Investmentbank möchte für die Mitarbeiter attraktiver werden. Reuters

Goldman Sachs

Die US-Investmentbank möchte für die Mitarbeiter attraktiver werden.

New YorkWir kennen die Diskussion aus der Grundschule: Sollen die Kinder eher mit Noten oder mit schriftlichen, im Detail begründeten Beurteilungen bewertet werden? Goldman Sachs hat sich für die zweite Version entschieden.

Eines der „Schlüsselelemente“ eines neuen Beurteilungssystems ist laut einer internen Mail: „Schwerpunkt auf dem qualitativen Feedback – was Leute gut machen und wie sie besser werden können – statt einer Punktewertung.“ Zusätzlich zu einer schriftlichen Stellungnahme bekommen die Dienstgrade vom „Assistenten“ über Analysten bis zum „Vice President“ dann aber noch eine Einordnung auf der Skala „ausgezeichnet, gut oder Verbesserung notwendig“.

Das neue System, das von Konzernchef Lloyd Blankfein persönlich angekündigt und von Personalchefin Edith Cooper näher erklärt wurde, soll schon im Juni starten. Es beinhaltet auch die Möglichkeit, den Mitarbeitern zeitiger und häufiger als bisher ein Feedback zu ihrer Leistung zu geben.

Die 10 zynischen Gebote für das Investmentbanking

Regel 1

Wir ziehen uns konservativ an. Keine Socken zu tragen ist verboten, sie zu tragen, ist angeraten.

Regel 2

Wem es zu stressig wird, soll besser nicht bleiben.

Regel 3

Du musst der letzte am Schreibtisch sein, egal wie spät es ist. Und früher da zu sein, als die anderen, wäre sogar noch besser.

Regel 4

Wendet euch nur an einen bestimmten Kontakt mit Fragen. Wer mich fragt – das fällt negativ auf.

Regel 5

Zieht niemals das Sakko/die Jacke aus. Wir sind hier im Investmentbanking.

Regel 6

Bringt euren Mentoren Frühstück mit.

Regel 7

Bringt ein Kissen mit ins Büro. Das macht die Übernachtung im Büro einfacher.

Regel 8

Versorgt das Team mit Snacks.

Regel 9

Habt eine Reserve-Krawatte oder einen -Schal dabei - vielleicht braucht euer Betreuer einmal eine Serviette.

Regel 10

Ein Zettel hängt aus, auf dem ihr eintragt, wann und warum ihr euren Schrebtisch für wie lange verlasst. Das ist wichtig gegen Ende des Praktikums.

Quelle

Quelle: E-Mail eines Barclays-Analysten in den USA an neue Praktikanten im Frühjahr 2015.

Goldman Sachs siebt jedes Jahr etwa fünf Prozent der Mitarbeiter mit schlechten Leistungen aus, um Platz für Nachwuchs zu machen. Im laufenden Jahr ist dieser Prozentsatz in einigen Bereichen des Handels am Kapitalmarkt, wo die Geschäfte schlechter laufen, sogar auf zehn Prozent erhöht worden.

Die Investmentbank hat in der Vergangenheit bereits einige Initiativen gestartet, um attraktiver für junge Banker zu werden. So gab es ein Programm, das eine schnellere Beförderung erlaubt - eine Abkürzung im zuvor recht bürokratisch festgelegten Karriereweg.

Außerdem versucht die Bank, die Arbeit am Wochenende zu erleichtern und mit dem Einsatz interner Apps auch unproduktive Zeiten im Büro zu reduzieren und die Arbeit von zu Hause aus zu erleichtern. „Wir sehen, dass diese Leute entscheidend für unseren Erfolg sind“, hieß es schon Ende 2015 in einer internen Mitteilung. Ein wichtiges Ziel sei, „die größten Talente langfristig zu behalten“.

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