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12.01.2005

11:09 Uhr

Investoren wollen schnelle Kasse machen

Finanzinvestoren lauern auf den deutschen Ausverkauf

Die Namen der typischen Großaktionäre deutscher Unternehmen haben sich gewandelt. Heutzutage heißen sie nicht mehr Flick oder Deutsche Bank, sondern Blackstone, KKR oder Permira.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Auflösung der Deutschland AG, eines in der Nachkriegszeit gewachsenen Netzwerks aus einheimischen Kapitalgebern, Banken und Industriekonzernen, hat vor allem Finanzinvestoren aus den USA und Großbritannien angelockt. Mit den Geldern ausländischer Anleger erwerben sie traditionsreiche deutsche Firmen.

Diese Entwicklung steht stellvertretend für einen umfassenden Wandel in der deutschen Wirtschaft. Einstige Mischkonzerne konzentrieren sich auf ihre Stärken und stoßen Randgeschäftsfelder ab, Banken trennen sich von ihren Industriebeteiligungen. Mittelständische Unternehmer wiederum sind auf der Suche nach externen Eigentümern, wenn der eigene Nachwuchs kein Interesse zeigt.

Für Börsengänge, die die Anteile eines Unternehmens breit streuen, ist das Klima aber nach wie vor rauh. In diese Lücke stoßen Finanzinvestoren auf der Suche nach Perlen und Schnäppchen. Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl solcher Übernahmen in Deutschland laut einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young um 16 Prozent auf 85 und das Investitionsvolumen gegenüber 2003 sogar um zwei Drittel auf 22,5 Milliarden Euro. Blackstone kaufte die ehemalige Hoechst-Sparte Celanese für 3,1 Milliarden Euro, Konkurrent KKR Großteile des Chemiekonzerns Dynamit Nobel für 2,3 Milliarden Euro. „Wir erwarten für 2005 ein ähnlich hohes Niveau an Übernahmen, denn an der Ausgangslage hat sich nichts geändert“, sagt Ernst & Young-Experte Wolfgang Taudte. Auch an Immobilien zeigen die Ausländer Interesse: Die Wohnungsgesellschaft Gagfah zum Beispiel ging für 2,1 Milliarden Euro an Fortress.

Im Fachjargon nennt sich die Branche „Private Equity“, was so viel wie außerbörsliches Eigenkapital bedeutet. „Finanzinvestoren sind an der mittelfristigen Begleitung eines Unternehmens interessiert“, erläutert Mark Bradshaw, Direktor bei der weltweit tätigen Private-Equity-Firma 3i in Frankfurt. Die Investoren führen Ehen auf Zeit - irgendwann kommt der Ausstieg, um Kasse zum machen. Denn sie arbeiten unter anderem mit dem Geld großer Pensionsfonds, die Renten für ihre Mitglieder erwirtschaften und zweistellige Renditen erwarten.

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