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04.05.2016

15:31 Uhr

Iran-Geschäfte

Banken haben Angst vor US-Strafen

Europäische Unternehmen, die wieder in den Iran zurückkehren, müssen dabei auf ihre Lieblingsbanken verzichten. Die großen Kreditinstitute fürchten sich vor möglichen Strafen. Kleine Banken füllen die Marktlücke.

Trotz Lockerung der Sanktionen gegen den Iran fürchten viele Banken rechtliche Strafen. AFP; Files; Francois Guillot

Iran und die USA

Trotz Lockerung der Sanktionen gegen den Iran fürchten viele Banken rechtliche Strafen.

Paris/ZürichGeschäfte mit dem Iran galten bis vor Kurzem als ein absolutes Tabu in der Finanzwelt. Vor kaum zwei Jahren stimmte die spanische BNP Paribas der Zahlung einer Rekordstrafe von neun Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu – teilweise für Geschäfte mit dem Iran. Doch selbst jetzt, wo die Sanktionen gegen das Land nach und nach fallen, sind die meisten Kreditinstitute in Europa nicht willens auch nur in die Nähe eines Geschäfts mit Bezug zum Iran zu geraten. Der Grund: Sie befürchten, dass sie gegen bestehende US-Sanktionen gegen das Land verstoßen könnten. Das hat den Weg für Banken aus China und den Staaten am Persischen Golf geöffnet sowie für europäische Institute wie die belgische KBC Groep NV, die ein Stück von dem Geschäft mit der Finanzierung von Unternehmensinvestitionen im Iran abhaben wollen.

Die Zurückhaltung der Banken verkompliziert die Angelegenheit für Hersteller, zum Beispiel Airbus, die vom Wachstum im Iran profitieren wollen. Das Finanzierungsproblem hat sich zu einem finanziellen Krisenherd der Diplomatie entwickelt. In Frankreich hat die Regierung aus Sorge, dass Unternehmen Exporte verlieren könnten, Gespräche mit dem im Finanzministerium angesiedelten Office of Foreign Assets Control begonnen. Paris erhoffe sich davon die Zusage, dass Banken Geschäfte tätigen können, ohne gesetzliche Nachteile zu befürchten, sagen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

„Banken wollen maximale Sicherheit”, sagt Tanguy Coatmellec, Partner des Finanzsektor-Beratungsteams bei Ernst & Young. „Ein Großteil des Risikos ist wirklich die langfristige politische Position der USA. Entweder werden Finanzierungsmethoden gefunden oder diese Verträge werden nicht abgeschlossen.”

Iran-Geschäfte: Deutsche Banken sind skeptisch

Iran-Geschäfte

Deutsche Banken sind skeptisch

Viele deutsche Unternehmen setzen auf den Iran nach der Aufhebung der Sanktionen als neuen Wachstumsmarkt. Allerdings könnte es Probleme bei der Finanzierung ihrer Geschäfte geben. Banken sehen viele Risiken.

Die französische Société Générale, die Deutsche Bank, Credit Suisse , ING und die britische Standard Chartered gehören zu den großen europäischen Banken, die sagen, sie seien noch nicht bereit, mit dem Iran Geschäfte zu tätigen.

Die Vereinigten Staaten, Russland und europäische Länder haben im Januar eine Reihe von Wirtschaftssanktionen aufgehoben für eine Vereinbarung mit dem Iran, er werde seine Nuklear-Aktivitäten eindämmen. Dennoch bleiben erhebliche Restriktionen bezüglich des Irans, um Terrorismus-Unterstützung, Menschenrechtsverletzungen und die Entwicklung von ballistischen Raketen zu bekämpfen. Ein wichtiges Verbot betrifft in Dollar denominierte Handelsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Iran, was die meisten großen europäischen Banken abschreckt.

Iranische Offizielle drängen die USA, die Banken bezüglich des Eingehens von Geschäften mit dem Iran zu beruhigen. Der iranische Notenbankgouverneur Valiollah Seif sagte im vergangenen Monat gegenüber Bloomberg Television, dass das OFAC vom US-Finanzministerium Richtlinien herausgeben solle, um europäische Banken zu einer offeneren Haltung gegenüber dem Iran zu ermutigen. Die USA werden daran arbeiten, die bestehende „Verwirrung” unter einigen ausländischen Banken zu klären, sagte Außenminister John Kerry Ende April vor einem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif.

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